Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 1 (1.1934)
- Date
- 1934-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 M Wc nt ei nbebl a 11 der Israelitischen Rcligionsgcmeinde Dresden ■f Nr den heute im Vordergrund des Fntereffes stehenden Schul- und (So ziehungsfragen. Oie jungen Menschen aller Dichtungen sind sich ohne Rücksicht auf ihre sonstige Einstellung zu jüdischen Fragen über die Notwendigkeit einig, ein einheitliches jüdisches Schulwerk in Deutschland aufzubauen. Oie Beteiligung der jüdischen Fugend an diesen Aufgaben ist auch äußerlich dadurch zum Ausdruck gekommen, daß der Ausschuß für Erziehung und Unterricht, der bei der Neichsvertretung der deutschen Juden errichtet worden ist, zwei Vertreter des Neichsausjchusses der jüdischen Fugendverbände ausgenommen hat. Neben die Sorge für die'schulpflichtige Fugend tritt als wichtigstes und entscheidendstes Problem die Frage der Unterbringung der be> rufsreisen Fugendlichen. Oer Führerrat des Neichsausschusse» ist sich in seiner,lehten Sitzung darüber klar geworden, daß die Kräfte der. jüdischen Fugend selbst in einer ganz anderen Weise, als es bisher geschehen ist, für die Fragen der Berufsumschkchtung und Berufsberatung sreigemacht werden muffen. Er hat daher einen besonderen .Fachausschuß für Berufsumschichtung und Berufsberatung* eingesetzt, der hinter der Führung des Spartenleiters im Führerrat des Neichsausschusses steht und sacherfahrene Menschen aller Nichtungen in sich vereinigt. Oas Arbeitsgebiet dieses Ausschusses ist ein doppeltes: es sollen die Kräfie der jüdischen Fugendorganisationen zur Bewältigung ^dieser großen Probleme-eingespannt werden und es sollen die Wünsche und Forderungen geklärt werden, mit denen die jüdischen Fugendorganisationen an die mit Berufsberatung lind Berufsumschichtung befaßten anttlichen jüdischen Stellen herantret Oie Arbeit des Neichsausschusses der jüdischen Fugendoerbär auf den angeführten praktischen Arbeitsgebieten könnte nicht geleif werden, wenn sie nicht von einer starken inneren Überzeugung f tragen würde. Oie jüdische Fugend Oeuffchlands, die im Neich ausschuß zusammengefaßt ist, ist gewillt, ohne Verwischung der n tätlichen Gegensätze zu zeigen, daß die über alles Trennende hinwr geschlossene Einheit des deutschen Fudentums das Gebot der Stunt iss. Oer Neichsausschuß kann darauf Hinweisen, daß diese Einhe. der Arbeit keine neue Forderung, sondern die Frucht siebenjährigt gemeinsamer Arbeit ist. Berücksichtigung des wirklichen Fntereffe jeder im Neichsausschpß vertretenen Züchtung ist dort.immer ein: Selbstverständlichkeit gewesen, sie hat aber nie und wird auch hoffent sich nie zu einer Zersplitterung führen, weil das ^Bewußtsein bei Einheit des, Schicksals und des Zukunftswillen der südischen Fugend immer stärker als alles Trennende gewesen ist. So kann die Organisation Le s^'mer Arbeit im Neichsausschuß der jüdischen Fugeiidverbär». Asamten deutschen Fudentum als Vorbild dienen. Oie Aufgabe?,, die heute und in Zukunft zu bewältigen jinb’ sind so große, daß keiner.von uns wissen kann, ob und wie wir sie werden bewältigen können Fede Lösung aber hat einheitlichen Zusammenschluß aller Kräfie des deutschen Fudentums zur Voraussetzung wie sie von der jüdischen Fugend durchgeführt worden ist und,wie sie dem gesamten deutschen Fudentum zu wünschen ist. Berufswahl für Schulentlassene 1934 ( Seit Fahren wird in jüdischen Kreisen Oeutschlands über eine falsche Berussschichtung der Fudrn geklagt. .Fmmer wieder ist darauf hingewiesen worden, daß die einseitige Wahl vyn kaufmännischen und akademischen Berufen ein Fehler sei. Heute Erhebt' sich der Nuf nach Berufsumschichtung in jüdischen Kreisen in einer Stärke wie nie zuvor. Dabei wird vielfach außer Acht gelassen, daß die Berufsumfchichtung keine Angelegenheit ist, die in Wochen oder Monaten durchgeführt werden kann. Mag für den Augenblick die Frage der Berufsumschichtung für-solche, die ihre bisherige Stellungeingebüßi haben, im Vordergrund stehen, so ist doch auf längere Sicht betrachtet, die Frage der Berufswahl der Schulentlassenen die tmgleich bedeutungsvollere. Viele jüdische Eltern werden heute mit ihren Kindern, die Ostem 193^ die Schule verlassen, beraten, was die Kinder werden sollen. Wir glauben, daß auch deute, noch der kaufmäMifche Berus für jüdische Kreise Aussichten'bietet, jedoch wir^>man die Neigungen und Anlagen, die auf einen anderen B'.rus weisen, nicht in.solchem Maße außer Acht lassen dürfen wie bisher. Besonders sositen alle, die sich dafür eignen, einem Handwerksberuf zugeführt und einem tüchtigen Meister in die Lehre gegeben werden, soweit nicht landwirtschaftliche oder gärtnerische Ausbildung infrage kommt. Fedenfalls darf keine Zeit mehr verloren werden, da die Handwerksmeister Lehrlingsverträge für Ostem spätesten^ im Fanuar abschließen und es deshalb später kaum möglich sein wird, einen Meister zu finden. Soweit Zweifel oder -Schwierigkeiten bestehen sollten, ist die Füdische Wirtschaftshilfe (Zeughausstr. 3, ptr.j gem bereit, mit ihrem Nat zur Ssite zu sichen. Sprechstunden in . diesen Angelegenheiten Montags von 6-7 ühr abds., Oienstags von %lo-ll ühr, Oonnerstags von 10-12 ühr. Zur Schulfrage Zur, Slbulfrage gehen uns von zwei sich dafür interessierenden Gemeindemitgliedern liachstehende Ausführungen zu, die wir> ohne dazu Stellung ,u nehmen, zum Abdruck bringen. Oie Ned. I. Wenn, wie wir sehen können, die schon bestehenden jüdischen Schulen Oeutschlands einen nicht' vorausgeahnten Zuwachs an Schülern erhalten und wenn in deutschen Städten, die bisher noch keine jüdische Schule haben, - so auch in Oresden - zur Gründung jüdischer Schulen geschritten' werden sosi, so ist es nicht zu verwundern, daß die Diskussion der Freunde und der Gegner der jüdischen Schule sich immer weiter von der Basis entfemt, aus der sie in früheren Fahren geführt wurde. Oie Verfechter der jüdischen Schule haben früher deren Notwendigkeit mit Argumenten begründet, -die in der Hauptsache auf die Forderung hinausliefen: Erziehen wir unsere Kinder zum Fudentum! Heute treten viele Freunde der jüdischen Schule, und besonders solche, die es frührer nicht rbaren, aus allgemein erzieherischen Gründen für sie ein. Sie sehen, mit welch großem seelischen Schwung und welcher Begeisterung die übrige deutsche Fugend ihren Fdeälen nachstrebt in Vereinigungen, die naturgemäß den llnsrigen verschlossen sein müssen. Sie wollen nicht allein verhindern, daß hieraus unseren Kindem Kränkungen erwachsen, simdern sie wollen ihnen auch Erlebnisse in der Schule vermitteln Xdie ihr Selbstvertrauen stärken und in ihre Fugendzeit diejenige Ft^ude bringen, von der sie jm späteren Leben einmal zehren sollen. Auch die Gegner haben ihre wohlerwogenen Gründe, und man wird als Freund der jüdischen Schule sich damit, beschäftigen und sie emsihast diskutieren müssen. Wer, wie die meisten von uns, viele glückliche Fugendjahre auf den allgemeinen Schulen in Gemeinschaft mit christlichen Kameraden verlebt hat, wird nicht ohne schmerzliches Empfinden sein eigenes Kind diesen Schulen entziehen. Er wird für den Standpunkt derer, die Nücksichten dieser Art andem überordnen, volles Verständnis haben. Es ist zu wünschen, daß'diese-Dinge in allen jüdischen Kreisen sachlich in ausgiebigster Weise erörtert werden. Es handelt sich um die wichtigste Frage, die uns überhaupt beschäftigen kann, um die Erziehung und Zukunft unsrer Kinder, und es ist.der Größe des.Gegenstandes angemessen, daß hier alle Leidenschaften.schweigen und sich jeder nach der Erkenntnis entscheidet, zu der. er nach reiflicher Überlegung kommt.