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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1932-11-01 · 11 (11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
8 (1932)
Issue
11 (11.1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 3 Jüdische Frauen, die ihr bisher noch nicht unter den Spenderinnen für die Hidteche PfHiMbaimnliiiHi seid, denkt an die in diesem Winter noch größere Zahl der Notleidenden in unserer Gemeinde. Jede kleinste Gabe in Form von Lebensmitteln oder Barspenden wird dankbarst angenommen. Alles wird auf Wunsch auch abgeholt. Erwünscht sind Zucker, Linsen, Nudeln,' Makkaroni usw. Sammelstellen sind : Frau Therese Ballin, Holbeinstraße 129; Frau Elli Lesser, Hübnerstraße 18; Frau Neumann, Bautzner Straße 14.; Frau Henny Winter, Mathildenstraße 46, und Frau Emmy Wolf, Zeughausstraße 1. Geldspenden sind auf das Sonderkonto „Jüdische Pfundsammlung" im Bankhaus Gebrüder Arnhold einzuzahlen. Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Frauenorganisationen Dresdens sie darstellt, ist nicht mehr oder doch nur zufällig dem Nereiche des Religiösen entnommen. Selbst ans dem (Gebiete des Erziehungsivcsens ivird die Loslösung von der Religion Erstrebt, und cs ist mir eine Frage der Zeit, mcm» dieses Ziel erreicht ist. Je mehr ans den (Gebieten des Staatslebens und der .Kultur die Religion ihren Einfluß verlor, um so mehr fühlte sich auch der einzelne Mensch dem Machtbereich der Religion entzogen. Tie Verweltlichung des öffentlichen Lebens hatte wir Folge die Verweltlichung des Denkens und Wollens der Menschen. Als Zielsetzung des Daseins gilt nicht mehr die Erfüllung heiliger Forderungen und die Erlangung jensritiger Beglückung, sondern die Besitzergreifung der Welt, das heißt der weltlichen Güter, wurde als das Ziel der menschlichen. Arbeit angesehen. Die Religion war damit nicht abgesetzt; aber aus der beherrschenden Lebensmacht tvar sie zu einem Kulturgut gesvorden, das wie andere Kulturgüter, wie Kunst und Wissen dazu angetan ist, der Welt zu dienen, das heißt, das diesseitige weltliche Leben zn fördern und zu bereichern. Tie Folge dieser Entthronung der Religion und der Perwcltlichung des Lebens war. daß, bei dem Fehlen einer heiligen rind heiligenden Zielsetzung, der Mensch sich selbst als. Ziel setzte, daß er sein Glück, sein Wohlergehen als Sinn seines Daseins und seiner Arbeit ansah. Tie Entwicklung der verweltlichten Menschheit mündete im Egoismus; jeder >var nur auf sein Wohlergehen bedacht. Ter individuelle Vorteil, der Nutzen des Einzeliuensckien wurde letztes Ziel. Nicht um zu klagen, noch weniger um anznklagen, heben wir diese Ent- Wicklung hervor. Geschichtliche Erergnisse haben eine eigene innere Logik, folgen einer Notwendigkeit, der sich ein einzelner Mensch gar nicht entziehen kann. Jene einseitige Auffassung von der Religion, die nur ein heiliges, gleichsam jenseitiges. Leben als rechtmäßig anerkannte und die Welt als die Welt des Irdischen, des Vergänglichen, des Sinnlick)en als sündhaft verwarf. mutzte durch jene Entwicklung der Venveltlichung ztir Aufhebung dieses falschen Gedankens führen. Dennoch aber ist die Menschheit bei solcher Entwicklung' seelisch verarmt. Ta? Glück der Menschen, obwohl in den Vordergrund gerückt, ist nicht vermehrt worden. Der Zusammenbruch der materiellen Welt, die Unsicherheit irdischen Gutes ließ die Vergänglichkeit solchen Besitzes erst recht zum Bewußtsein kommen und die immer im Menschen tvohnende Frage nach dem Sinn des Lebens wieder laut werden. 1 Die Venveltlichung des Lebens hatte mich die eigenartige, unenvartete Folge, daß der Mensch vereinsamte. Je mehr der individuelle Nutzen erstrebt uird gefördert wurde, -um so stärker wurde die abschließende Tendenz unter den Menschen. Ihr Wettbewerb trennte sie, es gab nichts Gemeinsames mehr, das sie einigte. Ter Mensch, der sich selbst in den Mittelpunkt seines Tenkens, Schaffens und Willens gestellt hatte, mußte schließlich fragen, ob das der ganze Sinn des Lebens sei, Güter zu häufen, eignen Vorteil erstreben. Es war schließlich nicht mehr genug, selbst Mittelpunkt seines Tenkens und Schaffens zu sein. Gleichsam unbewußt ist diese Frage lebendig geworden, wurde mehr gefühlt als klar erkannt. Aber sie hat in ihrer aufrüttelnden Wucht die Entwi/klung des Geschehens auf andere Bahnen geführt, hat neue Bewegungen in der Welt hervorgebracht, /deren Absicht es ist, einen neuen Sinn dem Leben zu geben. Alle die umwälzenden Bewegungen unserer Zeit gehen darauf aus, den Menschen aus seiner Isoliertheit zu befreien, ihn wieder in einen menschlichen Zusammenhang-hineinzustellen. So hat die Venvcltlichung, die zur seelischen Vereinsamung des Menschen geführt hat, bewirkt, daß eine neue Sinngebung des Lebens erstrebt^ wurde. Denn allein in der Hingabe an eine Ausgabe, -in Ser Arbeit und dem Leben für eine Sache, die größer ist als der Mensch selber, findet dieser sich wieder als eine sittliche Persönlichkeit. Daß der Mensch letztlich nicht darauf verzichten kann, seinem Leben durch Erfüllung sittlicher Ausgaben einen Sinn zn geben, ist einer der Gründe daiür, daß die Menschen sich luit so gewaltiger LeidensckMt den Bewegungen an geschlossen haben, die neue Ausgaben stellten, neue Ideale zeigten. - All diese Bewegungen, seien sie um-tidxntlidicr oder politisd>er Art, sind der Versuch einer neuen Sinngebung des Lebens. Die seelische Vereinsamung des Mensdx'ii, diese letzte Folge der Verweltlichung des Lebens, soll durch sie überivunden werden. Sie sollen Pen Menschen-das ivicdcrgebe». was sie brauchen; eine Ausgabe, die dem Leben Bedeutung verleibt. Dodi and) diese neue Sinngebung hatte mit der früheren Entwicklung das gcineiusain. daß ihre Zielsetzung im Welt lichen verblieb. Denn die Begriffe Staat und Volk, Freibeil und Rechtsgleichheit, haben weltlichen Sinn bekommen, sind in unseren Tagen als' weltliche (Größen gedadst, ohne Beziehung auf ein Heiliges, dem sie dienen, oder das ihre ^Verwirklichung gebietet. Und da das Ziel ein weltliches ivar, mußten and, die Mittel weltlich bleiben. Was für den irdisch be, schränkte» Ziveck als nützlich erschien, ivar gut. und so wurden a»d) Mittel recht, die vor dem Maßstad des Guten nitht mehr bestehen konnte». Tie iittlidK Persönlichkeit wurde in diesen Bewegungen nickst geboren. Sittlichkeit fordert Hingabe an ein schlechthin Gutes, ein Unbedingtes, das »idn abhängig ist von der Strömung der Zeit. Hin solckres letztes und unbedingtes Ziel vermag nur die RcMion zu Iveisen. Sie lehrt das Gute als das UnbzHi.igte, das Heilige. Sie gibt dem Mensche» eine absolute Ausgabe. So hat in unserer Zeit, die nadi einein neuen Sinn des Daseins und der Betätigung des Menschen stickst, die Religion noch Lebensrecht und-eine große Aufgabe. Freilich ivird die Religion aus der Geschichte lernen müssen, daß es nullt möglich ist, die Welt zu verneinen. Das Gebiet der Religion darf nidit ein überirdisches sei», das mit der Welt nidits zu tun bat und sie sogar als schlecht und sündhaft verwirft. Das stst die hohe und edle, die göttliche Bestimmung der Religion, dem Mensck>en den Weg zu weisen in dieser Welt. Dieser Forderung, daß Religion ivegweisend sein soll für BULGARIA-KRONE neue hiitamrh* Fshnanhildar neue hiitamrh* Fahnanhildar ÜOtt« d«l tortferotohio't ON»ft CtflautN (1*0-145» mumm/// ^yrrrff7Ty>l/// MEN06

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