Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 11 (11.1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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«ejte 4 Nr. 11 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligtonSgemelnde Dresden nnr bei krentzkamm bitter marzlpan iu der uenen geichenkpackong das öi'ben dieser Weit, entspricht das innerste Wesen des .-udeiituiiis: denn Judentum ist nicht soivohl Glaube an beslimnite Wahrheiten als vielinehr Gebot. Dieses Gebot ist das l'-ebot des Unbedingten, dcrs keinem iveltlichen Ziele dient, an dem aber alles weltliclie Geschehen seinen sittlichen Maßsrab und seine fittlidic Berechtigung findet. „Heilig sollt ihr inerden, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott." £uie Religion des Gebotes, die die Welt bejaht, chr aber anm zugleich ihre Aufgabe und damit ihren übenveltlichen Zinn gibt, ist die Religion, die allein in der Lage ist, den Weg in die Zukunft zu weifen. Darum hat das Judentum st ine (Heilung und ist nicht veraltet, weil es ins Leben ger»'e,i werden müßte, ivenn es nicht bestünde.' Dieses geistige Zudeutiim, das gleichsam Gedanke Gottes ist, ist noch berufen, ein Zogen zu werden^für die Menschheit. Das Judentum als Träger des abrabaiitttiscklen Segens hat seine Zendung, sejne Million darin erblickt, diese Religion der Gestaltung des Gebens ans dem Glaichen an das .Heilige in der Welt zu verbreiten. Zas Wort von der Zendung, von der Mission wurde bänfig mißverstanden. Man verineinte, es gälte, alle Menschen Ui einer ,'vorm der Religion zu einen. Man übersah, daß solche Einigung an der Verschiedenheit der Menschen ihre Grenzen.findet. Wir fusfen darum den Begriff der Zendung, der Mission im Einklang mit der Geschichte des Judentums so ans, das; wir uns berufen fühlen, den Gedanken der Religion. wie er ück im 'Judentum offenbart, zu leben und so für die Welt zu erbalten. Aus dem Leben des Judentums mögen religiöse und andere Gemeinschaften lernen, in ihrer Art und in ibrer Form den rechten Gedanken von der Religion zu venvirklictien. die Welt zu gestalten aus dem Gebote des -Guten und des Heiligen. Tock der Blick auf die (Gesamtheit der Menschen ist nicht das Wesentlichste tür die Bewertung der Fruchtbarkeit religiöier Gedanken. Wir fragen: Hat für uns, die Religion des Zuöentnms noch einen Zinn? Ist das Judentum für uns selbst ein Segen? Mitunter hört man die Meinung ausivrechen, Religion sei nur Angelegenheit des Gemüts. In der Einsamkeit, da könne man am besten Gott dienen. In der Ztille des Waldes; in der Zchönheit der Natur, da empfinde der Mensch Gottesnähe, da fühle er sich emporgehoben über die Niedrigkeit der Welt. Doch auf solchen Einwurf ist zu erwidern: Diese Einsamkeit gleicht jener Einsamkeit-der Weltlichkeit, die unheilig ist. In solcher Auffassung ist auch die Religion nnr ein persönliches Erleben und Genießen, eine Befriedigung seelischen Bedürfens, solche Religiosität nur ein Ausdruck einer verfliegenden Stimmung; solche Religiosität, wenn sie überhaupt diesen Namen verdient, ist gleichzusetzen dem Genuß, den uns ein Kunstwerk bietet. , Sie tst wie anderes Verlangen unserer Seele oder unseres Körpers im Menschlichen begründet, ist weltliche Befriedigung menschlichen Bedürfens. Solche Religion ist schwächlich, nicht stark und lebenfördernd. Gegen solche Auffassung der Religion hat schon in alter Zeit das Judentum sich gelvendet. ES wird da einmal hingewiesen auf das Unglück, das den König David betroffen hat. . In der Weise der Alten wird gefragt, durch ivelche Schuld sich König Dcwid Strafe zugezogen habe. Die Autwort lautet sonderbar, doch klar ist in ihr der Gedanke ausgesprochen. den wir pertreten haben. David, so wird gesagt, habe Gottes Gebot als seelischen Genuß empfunden, indem er aussprach: „Gesänge waren mir deine -Satzungen." Wöm Religion nichts ist als ein Gesang, ein Lied, eine seelische Erhebung, der bezieht die Religion nur auf sich, dem ist sie nur Geschenk und nicht Gebot. Der übersieht die Heiligkeit der schaffenden Tat, und er verliert die Beziehung zu den Menschen und den Zusammenhang mit dem Ganzen der Welt. Das ist das Zeichen echter Religion, daß sie das Leben deutet, daß sie die Welt erlöst von ihrer Vergänglichkeit durch den Blick in die Ewigkeit, den Menschen befreit von feiner Einsamkeit durch das Gebot, dienstbar zu sein der werdenden Welt, die - geschaffen wird durch der Menschen Wollen und Tun. ' In heiliger Gemeinschaft finden wir uns an diesem Tage zusammen. Diese - Gemeinschaft ist Ausdruck, Sinnbild der Ewigkeit. In dieser Gemeinsamkeit erleben wir den Sinn unseres Einzeldaseins, fühlen wir uns zugehörig einer Welt, die größer ist als die, die unserem vergänglichen Dasein Sinn und Bedeutung gibt. In solcher Gemeinschaft ist die Vergangenheit lebendig, ivas in chr an Ewigkeitsiverten geschaffen, erweist so seine belebende Kraft. Solche Gemeinschaft bedeutet die Erfüllung der Gegenwart mit einem Sinn, der den schwindenden Augenblick iitKrdauert, in ihr wird die Gegenwart zum Keim für die Zukunft. In dieser Gemeinschaft ist'überwunden der einsaine Mensch, der immer der Mensch der Weltlichkeit ist. Nur wer am religiösen Leben der Gemeinde teilnimmt, hat Anteil an den ewig werdenden und schaffenden Gedanken der Religion. Denn in der Gemeinschaft ist ein Fortschreiten des Lebens, nur m ihr findet das Gebot seine Erfüllung. Ter Einsame ftirbti die Gemeinschaft lebt. Tod ist Sünde, Leben ist heiligstes Gebot. So läßt der Blick von hoher.Warte uns das Leben schauen ln seinem großen Sinn. Das Leben siegt über Zeit und Vergänglichkeit, und wenn wir mich alltäglich den Blick wieder richten müssen auf das, >vas der enteilende Tag uns bringt, sc haben >vir doch gelernt, auch im Kleinen das Große zu sehen, zu verstehen, daß durch die vergängliche Tat das Werk der Einigkeit gefördert werden soll. Wir sehen das Walten ewiger, heiliger Kräfte in der Verneinung überkommener Werte, an dem Versuch, zu neuem Lebenssinn zu kommen, und wir glauben an die beseligende Kraft echter Religion, und wie der Prophet sind wir erfüllt von der Wahrheit, daß alles Geschehen im Kleinen wie im Großen die Erkenntnis lehrt: „Seht da. Euer Gott." Herren- und Knaben-Kleidung Feine Maß-Schneiderei Herren-Wäsche und Mode-Artikel Caer & Sohn NUR IN DER JOHANNSTRASSE