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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1931-09-01 · 9 (9.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
7 (1931)
Issue
9 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 9 Gemeindeblatt der Israelitischen Religion-gemeinde Dresden KREUTZKAMM Die feine Konditorei Dresden Altmorktl4 joli, iuk* erunictmuTC Hilden tidi auf iu.’ii Fußboden streckten und wie Laiar. der Pialmenvorlefer «alias v'aiar der Badedieuer), mit Lederriemeu über ihnen irand u'ud sie uubarmber.zig ickstug. Icki wusste uatiirlick'. das; das dir Zeremonie der Malknt «GeißeluMl ivar. aber das Bild rief doch allzusehr die Erinnerung au deii Ebeder wach. Tie Schläge wurden systematisch verteilt: ein -Hieb auf den störperteil, den wir im Ebeder der Peitsche ausfeven musste», daun zwei Hiebe auf de» obere» Teil des Rückens, -Und io ein-, zwei-, dreimal -rmiNluter bis zu fünfzehn Male». Roch erstaunter war ich, als ich 'ab, wie sich das Tp'er nach der Züchtigung erhob und einige Münze» in den Teller warf, den Laiar eutgegcnstrcckte. Es war jedenfalls ei aas Merkivürdiges, das; man geveitfcht wurde und dafür noch zu zablen batte. «'ileich nach dem Festmahl legte mein Pater einen weißen drittel an. imd bing den Gebetickial um. Meine Mutter kleidete (ich ebenfalls weis;.' Tann ivnrden ihnen die stinder einzeln vorgenihrt. ,Mein. Pater legte uns die Hände aufs Haupt und segnete uns. Tarauf gingen ivir alle, von Bußtagsstimmung erfüllt, in das Haus meines Großvaters. Hier batte fick' die ganze Familie verfammelt vier (Generationen. Tie Zeremonie des Segens wurde iviederbolt, und wir empfingen znüefachen Segen von (Großvater und Großmutter. Ter Fußboden der Synagoge war dicht mit Heu bestreut. Auf allen Fcnsterbrette.ru ivie auf besonderen Tischen ivaren lange weiße Wackiskerzcu die Seeleulickter -- aufgestellt, welche zur Erinnerung an die Toten viernndzwauzig Stunden zu brennen batten. Tie Fenster ivnrden geschlossen gebalten, damit ja kein Licht ansgcblaien würdcv denn es galt als ein .gutes Tinen, wenn die .merzen bis zum Stumpf glatt niedcrbrannteu. obne daß das Wachs au den Seiten berabtranfeltc. Bald ivurde die spezifische'Atmosphäre geickxiffen, die Ianm stippur anszeichnet, -o» der Synagoge wurde cs immer beißer lind die mil Tickt des Heus und dem Tunst der Wachskerzen geschwängerte Tust lvnrdc schivüler und schivüler. Mach Beendigung des Gottesdienstes gingen die meisten von uns nach Hanse. Es gab aber auch Andächtige, die in religiösem Eifer die ganze Macht betend in der Synagoge blieben. Tarnnter ivaren einige heroische (Geister, die gelobt batten, die ganze Mackst lind den ganzen nächsten Tag iw. Bctbaus stehend zu verbringen und die ibr Gelübde auch buchstäblich durchführten. Sogar einige froliime grauen schwangen fick zu dieser heldenbaften Leistung auf. Und iväbrend die ganze lange Macht hindurch die Wachskerzen in der Synagoge unmerklich niederbrannten, faben durch die offenen Fenster der Galerien die bleichen Gesichter der grauen bernnter. f (stanz besonders liebten wirstinder die späteren Morgengcbetc des Persöbnnngstagcs. da sie verwandte mystische Saiten in nuferen Seelen berührten. In ihrem Gottesdienst stebt die jüdische Synagoge der protestantischen stirche näher als der griechischen oder der römisch-katholischen. Tic Synagoge ist trocken, formalistisch nnd zu iverktäglich. Aber Ianm stippur bildet eine Ausnahme. Ta find zunächst die weißen Geltender der Andächtigen nnd dann die eigenartigen Melodien dieses Tages. Tazu gesellen sich die sonderbaren stniebengen, bei denen die Beter nicht einfach in die Knie sinken, sondern sich fast der ganzen Länge nach auf den Boden niederiverfen. Ter Anblick dieser erwachsenen Menschen, die sich da ini Staube erniedrigten, hatte etwas Rührendes und zugleich Schreckliches, und es überrieselte mich kalt, wenn ich sie beobachtete. Hier muß ich gestehen, daß ich in meiner frühesten stiudheit, sogar ehe im noch in den Ebeder kam. gern an der griechischen stirche und — in den seltenen Fällen, daß dort Andacht abgcbalten wnrjde — auch am katholischen stloster stebenblieb, um ihren Gottesdienst vox 'außen zu lanjcbeu. Tie stirchentürcn warcjn weit offen. Ich konnte bincingnckcu und den goldene» Bilder und die unzähligen Altar, die goldgcrahmten tüldschimmernden sterzenslammen betrachten. Bor dem Altar stand der Priester in einem Geimiide, das in Gold nnd erklärte mir meine Mutter, daß die Michtjnden falsche Götter verehrten und daß ihre Gottesdi seien. In diesem Punkte ließ nie Porücht walten. Um »ns von dem Glauben nnh der stirche der anderen fernznbalten, pflegte sie »ns von den wundersamen Gewändern, den Silberglccken und (Granaten zu er .zählen, die liniere Priester und Leviten in den Tagen des Tempels schmückten, nnd sie erzählte'weiter, daß die Mickstjndcn in ihrem Gottesdienst die entschwundenen Herrlichkeiten unserer Vergangenheit parodierten . . . sie uns mil diesen Geschichten (Götter" nickst nur nickst entfremdete, sondern uns im Gegen teil auf ne neugieriger machte. Ich wußte, daß es eine Sünde war,'binzngehen und den Altar - - - - bildcr und das „falsche" Gewand diesem.stampf zwischen Pflicht und die verbotenen Heiligen zu betrachten, doch siegte in Meugier immer die lctztexe. Ich snchte mir cinznredcn, „ich will von der Anbetung der falickzen Götter gar nichts wissen, ich sebe nur den Teil des Gottesdienstes an. der von uns gestohlen wurde." Ein geheimnisvolles Etwas zog mich zu diesem fremden Altar, deii funkeliiden Lichtern rud den goldenen Bildern. Und in dem lieblichen Gesang ws Ebores hörte ich die Lockung: „Fürchte dick; nicht, kounu zu uns, kleines jüdisches stind, lieh, wie scistm, wie heiter unser Gottesdienst ist . . ." Und io oft mir meine Mutter Priester erzählte, ivurde meine ki ich sab Bilder vor mir. Icki wußtlt der Götzenanbeter umreit, und suchi zu verbannen. Ich bemühte mich, lungeu zu verdrängen, ich wollte mit unserer. Synagoge, den Habens verbinden. ~ Ich bemühte mich »r griechisch- und römisch-katholischelr Priester vor dem Altar, die Lichte iunncr anfs neue: vor meinem Gei diese Bilder wie eine Sünde, de Mutter tiefunglücklich gewesen int; erwähnt, hätte. So führte ich einch Götzendiener, konnte sie aber nicht Mur am Iaum stippur und Zeremonien der Machmittagsandg volles Genügen. Gleich den Erw Iubrmist auf das gegebene Zeicheß Augenblick konnte ich an unseren das Bild des stlosters zu beschivöre i dieser Augenblick von allen bösen Mach dem einfachen Abendgebet zerstreute sich die Gemeinde. Tie .Hause, die Männer aber blieben Fasten abznbrechen, noch draußen zu segnen. Bor vielen Jahren las ich ein« röte) des Pcrez Sinolenskin, jener nnd Trangpcriode unserer neuestf Gedicht „Menmondswcihe" von S beschreibt ein armseliges jüdisches Städtchen. Es ist Winter. Tie Tie hungrigen stleinen liegen auf träumen von Brot nnd die kranH neben sie, um. ein wenig Trost »i Silber glänzte. Vergebens enfte gar nicht sehenswert ne Mutter nickstgenügende von dein Tempel und dem ißdliche Phantasie tvach und , daß e^ die falschen Bilder ie sic gns meinem Innern sie durch andere Vorstelden Tempel der alten Zeit riaster mit nnierem stantor usonsr: die Bilder ans den a stirchcn, die „falschen" r und der (stesang tauchten iste auf. Ich verheimlichte nn ich ivußtc, daß meine re. wenn ich etwas davon i inneren stampf gegen die besiegen. hauptsächlich während^ der cht — fand meine Lcele mchsenen nxirs ich mich mit zu Boden, und in diesem Hohenpriester denken, ohne Und ich fühlte, daß mich Gedanken läuterte. das diesen Tag abschloß, Frairen gingen sofort nach ehe sie heimgingen, ihr stehen, »m den Neumond i al im Haschachar (Morgen- Zeitschrift, die die Stnrmn Geschichte eröfsnete. ein üMan Lnria. Ter Dichter Heim in einem -russischen Wohnung ist nicht geheizt. Stroh: sie schlummern und e Mutter kauert sich dicht Wärme zu finden. Aber id

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