Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1931-07-01 · 7 (7.1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
7 (1931)
Issue
7 (7.1931)
Date
1931-07-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4892693-5739414-5770028--1782-4894371
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 7 Sizilien. Majorka und Sardinien, meinen Gebieten. In drei Monaten darf in meinem ganzen Reickie keine Spür mehr zuriickbleiben von allen«, was sich zn Jakob und Israel bekennt. Sa ich am Hofe des Königs weilte, als dieses Edikt bekannt wurde, wandte ich mich zwei- und dreimal bittend und ilebend an den König, er möge doch diesen Befehl zurücknelmie», ivas er an Geld und Gut von den Juden verlange, würden sie ihm gern geben, wenn ne nur in dem Lande, das sie iit>cr alles lieben, bleiben könnten. Ich bot meine Freunde, die einflußreichsten Staatsmänner auf, sich beim König für die Juden zu vcnvenden und ihn zur Zurücknahine des grauiainen Edikts zu bewegen, aber alles umsonst. Ter König blieb allen Bitten gegenüber taub, und die Königin unterstützte ibu nicht nur in feinem Widerstands, sondern trieb ihn noch dazu an. rasch ans Werk zu gehen-und cs bis zuin Ende durckizuführen. Ileberall. ivobin das Edikt des Königs gelangte, herrschte uiiiäglichc Trauer. Schrecken und Angst ergriff alle Gemüter: seit Israel sein-Land verlassen und in die Fremde wandern mußte, seien, so glaubte man, ähnliche Schreckenstage niäit erlebt ivorden. Doch ließ man den Mut nicht sinken und ließ ück, nicht untcrkriegen. „Laßt uns stark bleiben", so rief mau sich gegenseitig zu, „für unser Gesetz und die Lehre nuferes Gattes vor dem lästernden und wutschnaubenden Feinde! Lauen sie uns am Leben, nun so wollen wir weiter leben, töten sie uns, dann sterben wir, wir »vollen aber nicht unserem Bunde treulos werden, wir wollen iveitcr wandeln im Namen Gottes, unseres Gottes!" So griffen an e i n e in Tage 300 000 Menschen, alt und jung, Greise und minder, Männer und Frauen, den Wandcrstab, und auch ich gehörte zu ihnen. Sie wunderten aufs Geratewohl hierhin und dorthin, alle aber in dem Bewußtsein, daß Gott ihnen vorangehe und sie nur seiner Leitung folgten. Tie einen zogen nach Portugal, andere nach Navarra, aber nur Elend und Unglück fanden sie, wohin sie kamen. Biele suchten auf Schiffen die Fremde airf, aber nur wenige erreichten das Ziel ihrer Wünsche: von Sturm heimgesucht, fanden viele den Tod in den Fluten, viele fanden den Feuertod aus Schissen, die in Brand geraten ivaren. manche wurden von Seeräubern gefangen genommen und als Sklaven verkauft, auchKrankheiten richteten nicht geringe Verheerungen unter ihnen an. Ich und meine Hausgenossen entgingen solchem traurigen beschicke. Ich kam nach der berühmten Stadt Neapel, die sich einer milden und froinmen Regierung erfreute, im Jahre vri-n b-u * und konnte T>ort in Ruh,, und Frieden meiner Aufgabe, die ich mir geßellt habe, der Erklärung der Heiligen Schrift, leben. * D'U hat de» Zahlenwert das ist!>!>:! gewöhnlicher Zeitrechnung. - , Jüdische Tubertulofenfürsorge Ben Fri .li \Y Leider sind wir nicht in der Lage, ei» erschöpfendes Bild mit statinitchen Angaben über die Verbreitung der Tuberkulose uutel den Juden in Teutschland zu geben, einmal, weil iick, die gesetzliche Anzcigcpflicht lediglich auf ansteckende tuberknlöie Erkrankungen und Todesfälle an Lungen- und .Kebltopitubertulose erstreckt, zum andern aber auch nicht einmal aus diesem Material die Inden besonders erfaßt werden können, weil Konfefiionsstatistiken hierbei nicht geführt ivcrdeu. Als wir trotzdem auch im Rahmen der jüdischen Wohlfahrtspflege den Kampf init dieser Bolksscuckfe aufnahinen, taten >vir es, gestützt auf Material, das wir uns selbst durch Stichproben im Wege von Umfragen in jüdischen Gemeinden und Krankenanitalten besckpfften. Es erwies sich, daß trotz dein bestehenden wertverzlveigten Netze interkonfessioneller Einrichtungen zur Bekämpfung der Tuberkulose eine jüdische Sondcrfüriorge unbedingt notwendig nxir. Tiefe jüdischen Sondereinrichtungen erstrecken sich ans die geschlossene Fürsorge: Aufnahme in jüdischen .Krankenhäusern und in jüdischen .Heilstätten sowie auf die offene Fürsorge: Beratung und Behandlung in einigen jüdischen Polikliniken in Großgemeinden. Ausübung einer systematischen vorbeugenden und nachgebendeu Fürsorge durch jüdische Wohlfahrtsorganisationcn ioivic vor allem durch Bereitstellung von erheblichen Geldmitteln zur Ermöglichung der kostspieligen und langivierigen -Heilstättcnkurcn. Tie Unterbringung in jüdischen Anstalten hat sich nicht nur für die Patienten als erforderlich erwiesen, die Wert ans rituelle Verpflegung legen, sondern sie wird darüber hinaus auch von vielen gewünscht, die es aus psyckiologischen Gründen vorziehen, unangefochten im jüdischen Milieu zu leben. Ter Ausnahme lungenkranker Frauen dient die schöne und großzügig geführte Rothschildsche Lungenheilstätte in Nord rach lBad. Schwarzw.). Tie Israelitische Kuranstalt Bad Soden (Taunus) nimmt vorwiegend ä n n e r auf, schließt aber auch Frauen und -Jugendlickfe nicht aus. Ta diese Anstalt, die bereits im Jahre 184-1 ins Lbben gerufen wurde, nicht mehr ganz ausreichend ist, besteht der .Plan, eine moderne neue Männerheilstätte zu schaffen. Tas Stammkapital hierzu wurde durch die Tuberkulose- Lotterie aufgebracht: infolge der steigenden Wirtsck-aftsnot konnte jedoch das Projekt noch nicht verwirklicht werden. Für die Aufnahme tuberkulöser nicht ansteckungsfähiger Kinder kommt in erster Reihe das Heim des Jüdischen Franen- •i.irohh. Berlin Hundes in W y k auf Föhr in Frage, desgleick-en aber auch die jüdischen Kindcrhcilstätten in Bad Kreuznach und in Bad T ü r bh e i in. Letztere ist besonders geeignet und eingerichtet für Behandlung von Knochentuberkulose. Erwähnt sei noch, daß dre.i ausländische jüdische Heilstätten zur Verfügung stehe», und zwar die jüdische Heilstätte „Etania" in T a v o S. ferner die Heilstätte „Les Ehrysenthömes" in L e y s i n, wo unter der Leitung von Professor Rollier Envachscne und Kinder, die an Knochentuberkulose leiden, behandelt werden, und schließlich für Lcichterkrankte das Jüdisck>e Kurhospital in M e r a n. -*Aus diesen Angaben ist zu ersehen, daß im großen ganzen für Untcrbringungsmöglichkeiten jüdisckrcr Tuberkiilöser auSrcick-eud gesorgt ist bzw. Aussichten bestehen, durch Schaffung einer modernen Männerhcilstätte Fehlendes zu ergänzen. Hingegen bereitet es schon seit mehreren Jahren die größten Schwierigkeiten, die notwendigen Gelder aufzubringen, die die Turchführung der Kuren erinöglickren sollen. Weite Kreise des jüdischen Mittelstandes, die früher ohne weiteres in der Lage waren, ihre Kuren selbst zu finanzieren, sehen sich jetzt genötigt, Wohlsahrtseinrichtnngen in Anspruch zu nehmen, die öffentlick)en Fürsorgcträger, dcsgll'ichen die Versickierungen halten infolge der Sparmaßnahmen mehr und mehr mit der Gewährung von Kurzlischüssen zurüch kurz, die sich von Tag zu Tag verscliärfende Wirtschaftsnot hatte zur Folge, daß fast täglich Gesuche von Einzelpersonen-, von Gemeinden und Organisationen an die Zentrallvohlfahrtsstelle der deutsckren Juden gelangten, in denen ergänzende Zuschüsse für die Turchführung der kostspieligen Kuren dringend erbeten wurden. Ties bildete im Jahre 192T> den Anlaß zur Begründung der „Arbeitsgemeinsck)aft Jüdischer Tuberkulosefürsorge" bei der Zentralwohlfahrtsstelle. Tie hauptsächlichsten Aufgaben wurden in folgendem gesehen: 1. der Gewährung von Zuschüssen für die Turchsührung von Heilstätteukuren auf Grund von „Richtlinien"", die von der Arbeitsgemeinschaft ausgestellt wordc-i sind, 2. Sckxiffnng bzlv. Förderung von Tnberknlyseheilstätten, 3. Allgemeine Ausklärnngsarbeit über die Bekämpfung der Tuberkulose. Bisher hat sich die Arbeitsgemeinschaft am stärksten ans die Bereitstellung von Mitteln für die Turchführung notivendiger Heilstättenkuren für jüdische Patienten aus ganz Deutschland konzentriert und hat mit ihrem „Offenen Fonds" eine überaus segensreiche Einrichtung geschaffen. In den sechs Berichtsjahren 1025) bis 1930 wurden der Jüdischen Tuberkulose-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.