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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1931-06-01 · 6 (6.1931) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
7 (1931)
Issue
6 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 6 Gemeindeblatt der Israelitische II. W 1e f ii ui e v i ii dieser E ntwickl u n g '< Iit> Ursachen dieser katastrophalen Berbältnisse liegen klar zutage. Ter Beginn der absteigende» Bevölkernngsentii’iirf!iiiiii der Juden bängt historisch zusaininen mit der im letzten viertel dervorigen Iahrlnmderts iininer stärker einievendcn Vanöfludit und ihrem Iriiiitrömeii in die biroßslädze. Mil dein Berlaiien der .>tleingemeinden und der >Uei»slädte haben die Hilden auch zugleich die Anhänglichkeit an ihren i'ilanben angegeben. Die religiösen Barschristen über Iartvilanznng und Eugenik ivnrden über Bord geivorien. Tvialet geivarden sind die Worte des Schöpfers: „Seid srucklbar und .mehret euch", die. Berp'lichkuiig zur Eheschließung überhanrt und;>ir Irühehe sowie das Bcrbot der Mischehe. Wieviel deutschen Inden der biegemvart in es überhaupt nach bekannt, dar, darüber religionsgesetzliche Barselirnten bestehen und das; der Befolgung dieser Barschristen'durch liniere Bar'ahren die Erhhltiing unseres St minies zu verdanken m? »Uii ihre Stelle trat die Rationalisierung des ' «'Zeschlechtslebens. seine llnterstellnng unter nüchterne und fühle Erivägnngen. die bei keiner Bevölkerungsgrnppe in Tenl'chland einen ia liaben i^rad erreicht hat wie bei de.i Hilden. Berichär't wird diese Situatian nach durch die wirt'äia't lichen Schivierigkeiten der l'Zegenii'cirt, abivahl diese sicher a't als Motiv iiir die Einschränkung der bieburten nur vorgeschützt werden, 'wmm’-rhiii gibt es zu denken, das; die ^elbüinörd zitier bei den Juden in nnheiinlicher Weise ,;»• niinink. als Iolge ihres labilen z'c'ervensyslems. der traurigen Erbicha't ans dein nihelto. und als Iolge ihrer nngiinsligen soziale» Schichtung, die sie in Tenlschland all;» einieilig in. die van Wirlichaitskrisen am ütiärinen und gierst betronenen Bernre verbannt. Sa sind unsere (Ranbensaeiiaven in der Tat den Nöten n»d >lä»ipien der btegenwarl nicht mehr geimchsen. III. W a t n n '< . vVf es möglich, der >iala'iravhe nach v^rzubeugen, das Ausnerben des jüdischen Stammes in Tentichland zu verhindernd Tie Be'iiiiiiiieil 'eben die Lage als hatsniingsivs an. Tie Tplimi'ten und die. veraiitivortilngsbe'ivnßten?>ui>en verlangen, da'; gegenüber der hachkritischen Enge nach alle Hilfsmittel versucht iverden miißten. um das Hebel zu bannen. Es iverden hierfür zwei (Gruppen van Maßnahmen varge'chlagen: Wirtschaftliche Maßnahmen und solche ideeller Natur. Ten erneu käme nur eine sekundäre Bedeutung z.ikainme». Tenn, ivenn man durch materielle Mittel dem b>cburlenrückgang neuern ivill und; wie vargeichlagen wurde, die Erziehung der .ninder aus >tonen der jüdischen Allgemeinheit übernehmen wollte, ia kämen solche Snininen in Irage, das; iie die jüdische Allgemeinheit nicht ansbringen kann. Immerhin kann van ivirtschastlichen Maßnahmen nicht ehrt Religion-gemein de Dresden gesehen werden. Hier wäre vor allein zu nennen: die ausreichende Unterstützung kinderreicher Familien, die Bevoi.^ zugnng der Berheirateten vor den Ledigen bei der Anstellung namentlich durch die jüdischen .Ziörperschasten lind ähnliches. Tie Förderung der jüdischen Eheschlies;nngeii und die Bekämpfung der Mischehen bezweckt die von mir gegründete genieinnülzige jüdische Ehegnbahnnngsstelle in Frankfurt a. M.. die vor allem die äns;eren und die besonderen Schwierigkeiten beseitigen will, die gerade bei unseren bZlanbensgeiioise» za vielfach der Elwichliesziing im Wege stehen. In erster Linie kämmt zur'Bcssernng der ungüiisrigen Bevölkerungsverhältnisje die geistige Umstimmung in «Trage. Bar allem ist hier zu verlangen die. Rückkehr zur Einfachheit, Bescheidenheit und Anspruchslofigkeit. Wir schließe» nns Prai. Silbergleit. Berliit, an. wenn er zur Selbstprüfnng t,i der jüdischen Familie anssordert. ob die bsrnndsätze einfacher, aller Prunk- und Putzsucht Und änszerlichein __ Sichgeltendmachen abgeneigter Lebenssührung. ivie sie jm Hanse innerer Eltern und Bareltern eine Stätte hatten, nach in gleicher Weise betätigt werden. Tas ist ein bZebot, das in dieser ,',eit der allgemeinen Not von ganz besonderer Tringlichkeit ist. Berbängnisvoll ivirkt hier der ungesunde Trieb nnjerer l'ilaubensgenossen nach Selbständigniachiing, der mit allen Mitteln zu verwirklichen gesucht ivird. alS ob das Angestellten- und Beanitenverhältnis nickt auch inisiande iväre, eii. Lebensglück zu verbürge». ' Einsachheit in der Lebenssührung ist aber nickt nur von den Männern, sondern auch von den Kranen zu verlangen. Ter;jug nach der (§i;of;sladt iniiszte nnterbnnden iverden; unter den ivirtschastlichen Berhältiiiisen der btegenwart halle ich heute eine Rücksiedelung ans das Land, der ick bisher skeptisch gegenübergestanden habe, nicht für ganz aussichtslos. Nack einer anderen Richtung hat die geistige Umstimmung zu enalgen. Tie durchaus egoistische Einstellung in den ivichtigsten Lebenssragen »ins; der altruistischen Platz machen. Es ist immer ivieder an die Berantwortlichkeit unserer bllanbensgenossen zn appellieren und an die (>leschickte und Besliininnng des Judentums zu erinnern. ES nius; die Rückkehr zizz- Tradition verlangt werden und die Wiederinkrastsetznng der 1eiigenischen und bevälkernngspolitii'chen Borschristen unserer Religion, die sich'so glänzend bewährt und die Clesniiderhaltung des einzelnen und des Stainmes bedingt haben. Es ist aus die einzigartige Tragik -der Weltgeschichte hinzuweisen, die dem jüdischen Bolke droht: Ein Bolk. das den Anfechtungen einer seindlicheu Welt durch Jahrtausende getrotzt hat, bei welchem ungezählte Tausende in rast allen Ländern der Welt für, die Erhaltung deS Stammes und seiner Religian den Tpsertod erlitten haben, ein Balk. das der Welt so viel gegeben hat und noch geben kann., endet in seinem durch jahrhiindertealteS Märtlirertum geadelten deutschen Teil freiwillig durch Rasseselbstmord, ivenn es nickt gewillt nt. diese (Gefahren noch in letzter Stunde zu bannen. / Die jüdische Frau als Mitarbeiterin in der Hygiene f Bon Ernestine Eschelbacher Tie jüdi'cke «Trau nand immer ihrem Mann gleich, war seine bk'hil'i». Weder die Unterwürfigkeit der orientalischen ,*\r.m noch, die Einanzipiertheil unserer heutigen Betrachtung eignete der jüdischen «Traii in biblischer und nachbiblischer;jeit. Es m ein wundervolles Blatt der Bibel, die Anerkennnng der «Trau. „Höre auf Sara, dein Weib", sagen die Engel zu Abrahcim. Ein anderes: „Ist deine klein, so bücke dich, um mit ihr zu reden." Und im späteren Schrnl- 111111 hören wir herrliche .Worte'des Tankes für frauliches Wirken. „Stets iei der Mensch der Ehre seiner «Trau bedacht, er liebe sie, wie sich selber, er ehre sie mehr alS sich selber." Ter geahnte Schmerz nin das Hinscheiden der Iran läßt die Schritt sagen: „Allem ist Ersatz möglich, aber nicht für die Iran der Jugend." „.(tränke nie deine «\rnu, ihre durch dick veranlagten Tränen werden dir angerechnet." Und gras; in der Tank dafür, daß die «Tran die Erzieherin ist. die Mutter der .ninder. Im biblischen und nachbiblijazen Zeitalter sind <Tranen zahlreich, die.Csroßes vollbrachten. Auf jeden, Lebensgebiet, auch in dem Bereiche männlichen Arbeitens, sind sie, sobald Notwendigkeit und schicksalgegcbenes Eingreifen es erforderten, zur Stelle. Weiß auch die Bibel und wissen auch die nachfolgenden Schriften Schtvächen und Fehler der Kranen zu betrachten, so finden sie immer eine erklärende Entschuldigung für jenes bestimmte Tadelsmomei.ll Schöner hat kein Minnesänger das Lebenswerk fraulichen Schaffens besungen als Salomo in seinem Htinnuis vom Biedenveib, den der jüdische Mann, betritt er den gesegneten Schabbosraum, kam er heim vom (Gottesdienst, frohen Herzens anstimmt. In der jüdischen Iran lebt Tradition, edle, große, hohe Tradition. Ihr sind, bewußt und nnbewnßt, die adeligen bie» stalten der vier Stammütter in Ileisch und Blut über-

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