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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-09-01 · 9 (9.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
9 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 3 erste schuf Rembrandt kurz nach seiner Verheiratung mit Saskia, seiner ersten Frau. Es ist die Zeit der Jugend, die Zeit des Glückes. Aber das Glück wird getrübt. ' Ein Sohn wird geboren, er stirbt nach wenigen Monaten. Wiederum schenkt ihm seine Frau ein Ltind, es ist eine Tochter, aber nach einigen Jahren welkt auch diese dahin und stirbt. Ta greift Reinbrandt zur Bibel. Er liest den Rus (Lottes an Abraham: „Nimm deinen Sohn, deinen einzige», den du lieb hast, den Jsak, und bringe ihn mir zum Opfer dar . . ." Und Abraham gehorcht. Da malt Rembrandt sein Bild „die Opferung Jsaks". Drei Personen: In der! Mitte Abraham, das Antlitz umrahmt von weißem Haar, dfe Stirn leuchtend in edlem Glanz, das Schönste — die Augen, in gläubigem Vertrauen;u der zweiten Gestalt, dem Engel, emporgerichtet, der in unnachahmlicher Sckiönheit licht,und leicht herniederschwebt, mit der einen Hand zur Höhe hilianwcisend, mit der andere» leicht den Arm des Abraham berührend, dessen Hand das Schlachtniesser entfällt. Tie dritte Gestalt ist die des Jsak: aus einem Tuch, fast völlig nackt,fliegt er da, aus dem Rück'», che Hände gebunden. Wir suckien sein Antlitz. Es ist nicht zu sehen. Es ist verhüllt von der anderen Hand des Abraham. Aber nicht auf dcu Augen, auf dem Munde liegt sie, eine große breite Männerliand, gleichsam als ob der Vater »och in letzter Stunde ein Aufbäumcn des Opfers fürchtete, ihm de» Mund verschließend, mü Leib und Seele es Niederzwiugend unter seinen Willen, der nur'ein Ziel kennt, Wott zu dienen, „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit 'ganzer.Slroft". r'’ Es braucht wohl nicht gesagt 'zu werden,/ daß Rembrandt in dein Bilde sich selbst zzemaU hat. Tie Augen, die in gläubigem Vertrauen zu dem Himmel emporgerichtet sind, das sind Rembrandts Augen, dqs Licht, das auf Abrahams Antlitz ruht — selbst das Tunkef dieser Stunde erhellend das ist das Licht, das Rembrandt sein Lebtag im Herzen trug. Aber in dem Bilde liegt noch mehr, liegt nicht nur sein Schicksal als Vater, liegt nicht nür Mensckzenschicksal, sonder» vor allem Judenschicksal. Vergessen wir nicht, daß Rembrandt de» größten Teil seines Lebens!im Jndenviertel verbrachte, daß Juden zu seinen nächsten Freunden gehörten. Rembrandt kannte die Erzählungen, die in Iden Judengasseii umgingen und denen, man in stillen SabbatsUindcu tränenden und doch leuchtenden Auges lauschte: von/ de» Märtyrern — überall in der Welt — in Spanien, in Frankreich, in Tentschland den „Ehasside Aschkenas", den Ftonune» von Deutschland den Vätern, den Müttern, die ihre Söhne, ihre Töchter mit eigener Hand töteten, um sie vor der Lüge, vor der Schande zu retten, den .mindern, die sich töte» ließe», um.den Namen des Einzig-Einzigen nicht zu entweihen. Tas stand Rembrandt vqx der Seele, als er sei»! Bild malte. Abraham, der Vater, das ist der jüdische Vater. Das Auge, das aus der Höbe sich .Slroft schöpft, das ist Das Judeuange, das Opfer das gebunden liegt, das ist der Jude, tausendmal gebunden, tanscudinal getötet, tausendmal errettet, Im Mittelpunkt des BildeS steht Abraham, aber nur scheinbar. Alle Anteilnahme kehrt doch immer wieder zu Jsak zurück. Aus ihm ruht der Blick des Engels, aus ihm ruht die ganze .Slörperschwere des Abraham, aus ihm ruht das Licht um ihretwillen lebt der Vater, Aber eS ist gebundene fugend, des Vaters, gebunden durch die des Judentums. Tiefe Jngenif stnmmeni Gehorsam. Ter Vater hat Rembrandt sestgehalten. T „Akedah', der „Bindung" — ein Bild des mittelalterlichen Juden öi; Ai e Es ist. die jüdische Jugend, irch sie lebt das Judentum, gebunden durch den Willen itorität, durch die Tradition fragt nicht, jie folgt in will es, Wott will es. Tas wörtliche Tarstellung der Bild der Vergangenheit, ein ums. Keine Familie mehr ohne Kamera, Fernglas u. Brillen. 4- Für besten Kauf merke vor: Photo!? Bohr Bevorzugte Fadigcsdiafle Dresder (am Bismarckdcnkmal) und Wei: (gegenüber Esders). s: Ringstraße 14 senhausstraße 15 Und, doch — soviel Größe d eses Bild auch enthält, die letzte Tiefe der biblischen Erzählung erschöpft es nickt, die letzte Erschütterung in uns bleibt aus. Vör allein der Engel befriedigt nicht, der Engel mit dem feingeschnittenen Antlitz, der in edler Haltung ans den üwlken herniederscknvcbt, ist tvohl ein Sinnbild himmlischer Schönheit, aber er trägt nichts an sich von jener anderen Seite des Göttlichen, jenem Unheimlichen, jenem jclianervollen Geheimnis, mit dem Rembrandt in anderen Werken, bei pielsweije dem „Opfer des Manoah", den Gottesboten zu u »kleiden wußte. Jirnm war es nur nntürlidi, daß der Meister selbst nicht recht befriedigt — weiter mit dem Stoffe rang. Zn>anzig Jahre später ein neuer Versuch. Welch ein Wandel in Rembrandts Leben! Tas erste Bil) hatte ein junger Mensch gesckxifsen. der reich war und glücklich trotz augenblicklichen Leides —, beglückt durch He Liebe seiner Fra», durch die Anerkennung der Welt. Jetz nach zwanzig Jahren führt ein anderer Mensch, ein armer, io»! Leben gehetzter, still, in sich gekehrt, die Radiernadel nstd denkt an entschwundenes Glück — an die Jngendgefährti i, die tot. an die Freunde, die ihn verlassen, an die Mensch m, die ihn anale». .So er--, steht die „Opferung Jsaks". Wiederum drei Gestalte». In der Mitte Abraham, in der Linken das Messer. Vor dem Vater kniet Isaf/ die Atlgon verhüllt von der Rechten des Abrcham. ans daß das >lind die Schale nicht sehe, die bereitstebt, sein junges Blut aufzimehmen. Aber unser Blick bleibt nickt bei den beiden. Mit schier magischer Gewalt ivird ei scheinnng hinter dem Abraham, wissen es nickt: nür wissen nur. angezogen von jener Er- Steht sie, schivebt sie'/ Wir sie ist da und umklamnierl mit ehernem Griff beide Arme lies Abraham, der in jähem Entsetzen emporschaut. Und selts Abraham betrachten,' um so unhei unheimlicher die Gestalt hinter im, je länger wir jetzt den mlicher wird er lins, um io ihm, die Erscheinung des Wollwarenhaus Saxonia Falk & Posener Wilsdruffer Straße 18 und Wilsdruffer Straße 25/27 . f, Das gediegene Spezialkaufhaus für Badeartikel, Strümpfe, Wollware Herr;enartikel, Wäsche, Schürzen, Baumwollwaren, Kurz- und Modew n.Trikotagen, Handschuhe, aren i

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