Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 7 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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MülWMMs MMWUUM«jMiel«ai>es ^kranltportl. Schriftlettong: TSroüirrktar £. Vloemacher. Dresden Verlag: Israrlittsch« Neligioasgemeinde, Dresden » Druck: Kaden D Eomp-, Dresüen-A. Juli 1930 / Nummer 7 Jüdische Wanderfürsorge für das Jahr 1929 Tie Hauvtftelle für jüdische Wanderfürsorae versendet soeben ihren gabrcobericht siir da« Iabr I»2». Wir entnebmen diesem Bericht, der eine ante Uebersicht über die Arbeitsmethoden atbt, folgendes: - Wandersn fl Tie .Hanptstelle konnte iin verflanflenen Jahre eine austerordentliche Steigerung der Wastdernng beobachten.' Tiefe Annahme der Wairdcrung ist, sofern es sich um ^imxuiderung anS den östlichen Ländern, »nd jiim Tnrchivairdernnfl nach Uebcrsee liandelt, darauf ziirückzl^sühren, dast die wirtschaftliche Notlage der östliclicn Staaten stärker als in den vergangenen Jahren die Inden zurj Wanderschaft treibt. Sofern es sich um inländische Wanderer handelt, sind die wirtschaftlichen Ursachen, insbesondere! die ständig steigende Arbeitslosigkeit, Anlas; zur Wanderimg gewesen. Manche Probinzialverbändc konnken deshalb in einzelnen Monaten eine Steigerung ihrer Wandcr»ngszisf§er iin vergleich znm Vorjahre beobachten. T i c Hanptstcllc zählte a n s 0) r 11 ii ö ihrer Statistiken i n ganz T e n t s ch - l a n d im Jahre l i> 2 k» 1 <4372 Personen. Tavon ivaren ctiva Prozent Inländer. Manche Bezirke weisen aber eine Binuenwauderung deutscher Inden bis zu r>0 Prozent ihrer (besamtzahlcn ans. Tiefe Kistern zeigen aufs deutlichste, daß sich die .Kategorien der Blanderer immer stärker zu verschieben beginnen. Während in den Borkricgsjahren in Tentschlanb kaum ein deutscher Jude aus die Wanderschaft ging, veranlagte die herrschende Arbeitslosigkeit, besonders in den vergangenen Monaten, auch deutsche Jude» immer mehr, ihre Wohnorte zu verlassen, um Arbeitsausuahmc in anderen der eigcngesctzlichen Regelung deis jüdischen Weuidersünorge geheinmt wären. Tie .Hauptstelle bat üch desl^ilb stark darum bemüht, an den Vcrt)andluugeul über die geseblichc Ansgestaltnng der deutschen Wtindersijrsorge beteiligt zu werden. Tie Bemühungen der.Hauptslejlc um die Produktivierung der Wandersürsorge gehen nach ziüei Nichtungen hin. einmal Errichtung von möglichst vielen produktiv e u B eschäs t i g n n g s st ä t t e n an zentralen Punkten der jüdischen Wanderung «Arbeitsstätten und Arbeiterkolonien» »nd dann ans einen iveitcren Ausbau des! jüdischen Arbrits nachw e i s>v e fe n s. Tie -&W der Erricht»» , der jüdischen Arbeiterkolonie konnte inj vergangenen Jabre siuanzielt weitergesördcrt werden, allerdings war es nicht möglich, das Projekt schon im vergangene» Jahre zu realisiert», ö» es sich trotz intensiver Beinühnngen der (beschästssübruUg als unmöglich hcransstellte, die Finanuernng der'Arbeiterkolonie allein durch die größeren Landes- und Proviuzialve^bände sowie durch die (bemcinde» dnrch;niührc».! Tie Bemühungen der Hanptstelle gingen auch im vergangenen Jahre 'dahin, zum Anshan des jüdischen Afbeitsnachwciswesens in ganz Teutfchland in entscheidendem Maste beizntragen. Es fanden lbenieindcversanimlnngen statt in H a m b u r g und in Tort in und, die von allen .Preisen Ländern und Orten zu versuchen Eine gcnauc Lichtung unseres Materials hat ergebe», das die stärkste Kategorie jene Wanderer sind, die sich auf der Heimreise, cntlveder nach ihrem Heimatort oder »ach ihrem Wohnort in andere» Ländern, befinden. Tie zn»eitstärkfte! Kategorie aber sind jene Menschen, die sich ans der Suche! nach Arbeit befinden — ein Moment, das in der Vorkriegszeit keine entscheidende Rolle spielte. , Besonders schwierig war die lSitnation jener Stellen, die mit (b re n za n fg a b e n belastet sind. Insbesondere die (brenzstellen Benthe» und Ostprenstens, aber auch die zentrale (brenzstelle Köln, waren iji weitem Maste durch die Rückwanderung belastet. Tie fü rso rg e r i schc Betreuung der Wanderer ließ in den vergangenen Jahren vielfach austcrordentlich zu wünschen übrig. Auch im t>ergangencu Jahre sind teilweise lebhafte Klagen laut geworden, dast die wohlfahrtspslegerischc Einstellung unserer Provinzialstellen den an sic zu stellenden Forderungen nicht immer gerecht geworden sind. Tie .Hauptstelle hat sich in all diesen Fällen um Abhilfe bemüht. Turch weitere Einstellung hauptamtlicher Fürsorger an allen zentralen Stellen ist zu erwarten, dast diese Klagen im kommenden Jahre immer mehr zurückgehen werden. (b e s e tz l i ch e. R c g e l u n g dcr dentschen W a n d e r - fürsorgje Die deutsche Regierung plant fest vielen Jahren eine gesetzliche Neuregelung der gesamten deutschen Wanderfürsorge. Diese gesetzliche Gesamtregelung würde uns zweifelsohne aufs allerschwerste berühren, da wir zu ssinem erheblichen Teil in die dazu führten, däs; die mit Berufsder tbemcindc besucht Ivaren, und Anregung der Hanptstelle, Arbeitsnachweise beratnngsstcllen zu gründen, in ernsthafte Erwägung fldwu’» wurde. Ter Jüdische Arbeitsnachimsts in Dortmund ist jinter des ins Leben gerufen worden; -in -Hamburg ergäbest sich dadurch besondere Schwierigkeiten, dast die staatlichen Stelle» zögerten, die (benehmigung zu erteilen. Auch die L e i p;!i g e r (b e m e i n d c bat sich mit aller Enftchst'denheit um di^ (benehmigung ibres Arbeitsnachweises liqniiM. . Leider i lackte das dortige Laudcsarbeitsamt Schwierigkeiten, so da; die Hanptstelle gemeinsam mit der Leipziger (beineinde genötigt war, eine Entscheidung des Reichsarbeitsministers b'rbeizuführe». Tiefe Entscheidung stellt noch aus. Tie nüri von besonderer und grundsätzlicher Bedeutung sein, da znm e stcumal im 'ftisammenhciug mil dem jüdischen Arbcitsnachveiswesen eine höclsstmögliciie Entscheidung berbeigesührt wird. Wir dürfen als Ergebnis dieses Zweiges unserer Tät gkeik seststellen, dast die jüdischen lbemeiüdeu immer mehr di, Bedeutung des Arbeitsnachiveiswescus erkennen: eine ganze Anzahl von (bemeinden sind von sichaus an uns berangetrete» und haben uns ersucht, ihre dahinHetienden Bemühungen zu unterstützen. Es ringt sich immer. dast die jüdische Wohlfahrtspflege ntit ivohlsahrtspslegerijchcn Problemen sozialer Not Mitteln allein den gegenwärtigen nicht Herr werden kann, sondern dast sozialpolitische Mittel unter allen Umstäirden ergrisscu werden müssen. Techalb findet die Idee der Errichtung.von jüdischen Arbeitsnachwstseu und Beschästigiliigsstättcu, die in zahlreichen (bemeinden aufgcnomn Anklang. O r g a n i s a t In organisatorischer Beziehung neuer Verband, S ü d s a ch s e n - 3j l) ii r i ii fl c » , mit dem Sitz in Erfurt unter dem Vorsitz der Herren Tr. Schizstau mehr die Ansicht kurch. verschiedenster Formest» cn wurde, immer mehr i o n ist zu berichten. das; ein