Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Nr. 6 Kundgebung des Jüdischen Iugendrings ly Dresden Jüdische Jugendarbeit in Dresden Referat von Peter Blach sl e i 11. gehalten bei der.^tnndgcbung des Jüdischen Jugendrihgs am 17. Mai 1930. Perehrte Anwesende, liebe Freunde! -Zur ersten >tundgebung des Jüdnckien Iugendrings mit dem Tbema „Das Recht der Jugend an der Gemeinde" soll iw über jüdiiclie JugendcitDeit in Dresden spreckzcn. Vor' -inigen. Wollten ist der Jüdische Jugendring in Dresden entstanden. Es,gehören ihm alle jüdiscl)en Jugendorganisationen der Stadt an. Diese Gruppen, deren Ziele völlig verschieden sind, baden sich dennocb zusammengefunden und zu gemeinsamer Sozialarbeit -vereinigt. Die Selbständigkeit der einzelnen Gruppen ist dadurch in keiner Weise eingeschränkt. Wird diese Zusammenarbeit möglich sein? Wenn man an die jüdische Politik denkt, könnte man nillit daran glauben. Denken wir an den erbitterten zimupf in den Gemeinden, an die iveltanscixniliciten Auseinandersetzungen, wie sic die ältere lleneration 'eit Jahrzehnten fübrt. tind denken wir daran, das; die Entfremdung immer iveiter gebt und das; man vor Trennendem das Gemeinsame vergessen hat. Jnziviillien ist eine Generation herangeivaci'sen, von dieser oder jener (Knippe beeindruckt, Zionisten oder EV.er, liberal oder ortbodor. mitten bincin in diesen Streit um den richtigen Weg. um das Jndentnm. Aber viele dieser Generution nanden und ttubcii abseits. Sie haben die lebendige Verbindnng mit dein Judentinn verloren oder diese Verbindung bereits gelöst. Andere i'ullzcn einen Halt. die Religion zeigt ibnen iilwt die Antwort, sie verlangen nach der Gemeinsckxiit mit lüdiicben Mensllien, die ebenso suchen und ringen wie ne selbn. Die Rot der Jugend ist unendlich groß. Zu der seelischen .Haltlosigkeit kommt die materielle Rot. Wie viele unserer Jungen wohnen in schlechten, engen Wohnungen, mit vielen Memcben-in einem Raum. Andere sind erwerbslos. Was es für einen jungen Mensckicn bedeutet, untätig zu sein, und ivelche Gesabren gerade für ibu bestehen, braucht nicht näber beschrieben zu iverden. Andere sind durch diese Verhältnisse oder durch mangelnde Erziebuirg mit dem Gesetz im >ioinlitt gekommen .und unterstehen der Jugendfürsorge. Wieder andere wachsen in .Keimen aus, da die Eltern keine Zeit zur Erziehung haben oder zu -Hanse kein warmes Zimmer in. Die, Berufe und überfüllt, die Ausdildungsmöglichkeiten iverden immer 'llnverer und die Anforderungen immer größer. All die'e Rotznnände in Deutschland treffen für die lüdisckv Jugend ebenso, zu wie für die deutsche. Die Proletarifiernng gebt immer weiter vorwärts und trifft die Jugend besonoerS. Rickn unuonst benebt das Scblagivort von der „roten Asfimilation". und zum andern bat der Antisemitismus, wirtslliaftlich. gesellschaftlich und politisch, eine ungeheure Ausdehnung erfahren. Vor dieser Situation sieben Pie jüdischen Jngcndvcrbändc. und ne bgben erkannt. daß es sckzön in. wenn sie'Sonntags binanszieben: ihre l'leineinschaftsarbeit hilft ihnen, ihr Leben, zu gestalten. Aber ne dürfen dabei nicht stebenbleibcn. denn wie. viele teilen dieses Erlebnis nicht, und gerade, die Menschen oft. die es ani notwendigsten brauchten. So wurde begonnen, man-wollte und mußte helfen. Aus diesem rein menschlichen Gedanken erstand die Arbeit der Jugend für die Jugend. Friillie Luit begann in den Woblfahrtsstcllen zu wehen, der Geist der Jngendbeivegung drang ein und versuchte sich durchznscven. Es war nicht allein die Verrichtung von Sozialarbeit durch jüngere Menschen, sondern das erstemal wurde der hilfsbedürftige Mensch Subjekt statt Objekt. Ties bedeutete eine einschneidende Veränderung der Arbeit in den bestehenden Wohlfabrtsorganiiationen. In den Jugendbünben sind bisher nur ivenige erst erfaßt, es gilt, alle Jugendlichen in den Bünden zu aktivieren und die Abjoitsstehendcn restlos zu erfassen, sticht um Worte geht es, sondern um Taten, lieber dem Streit um das Judentum dürfen die jüdisllien. Menschen nicht geistig und körperlich verhungern. Die Tisknssioncn. die wkr führen müssen, sollen im Zeichen der Aktion stehen.! Das Jitdcntuin ist unsere Grundlage, unsere Jugend die Poranssetznng, die Rot unsere Pflicht, die Verantwortung Antrieb, und der Glaube die straft zum.handeln. j Die Arbeitsmöglichkeiten sind sehr verschieden. Ablzängig besonders von den vorhandenen Kräften. Tie Jugendarbeit in Dresden steht gegenüber der anderer Städte iveit zurück, es gibt da viel nachzuholen. Wir iverden überlegen müssen, wie an die noch Außenstehende» heranzukommen ist. Unser Programm siebt die Mitarbeit aji Ferienheimen und ztinderhortcn vor. Wir denken an die lsebcrnahme von Schutzfreundickzaften und Schutzaufsichten. Die Schulung der -Helfer für diese Arbeiten ist unbedingt notwendig. In diesen Dingen ist ferner das Zilsannnenarbeiten iliit der Wohliahrtsstelle der Gemeinde und den privaten Institutionen erforderlich. Tie Arbeit in den >iommissionen der (Gemeinde, besonders.der i Jugendsürsorgekommission, ist. j»n Mittel, um mit dieser Betätigung zu verwachsen. Fclrner wird an gemeinsame geistige Aussprackzen und .Uurie gedacht. Ter Ausbau der -Hebräischen Sprachschule, die sllzcn jetzt von der Jugend verivaltet wird, ist vielleicht eine wei tere Möglillzkeit der gemeinsamen Arbeit im Jugendring. Es soll auch nicht vergessen iverden, daß die körperliche Ertüchtigung der Jugend mit der geistigen Schulung -Hand in Hano gehen muß. linerläßlich ist für die Jugendarbeit ein eigenes Jugendheim. Die Schaffung eines Jjigcndbeims bleibt die erste Ansgabe des Iugendrings, und ne muß gelöst iverden. Jugend braucht große, helle Ränitie, in denen sie lernen, lesen, singen und spielen kann. .stellt r und bezahlte Gaststätten, die wir lteute benutzen müssen, entspreckzen nicht jugendlichem Zm'ainmenlcben. Denken Sie dc.ran. was es bedeutet, wenn in dem einen Raum Tbora geleint wird, im anderen hebräische Lieder gesungen werden, m dritten diskutiert wird, das idvirt eine jüdische Atmosphäre. An diesem Ort treffen sich Ost- und Wcstjuden, sprechen sich Liberale und Ortbodore. Zionisten imif EV.er, lernen sich in der Aussprache kennen, schätzen und achten und finden >en Weg zueinander, lind der Abseitsstehende? Wird er nicht hicrherkommen zu seinem. Altersgenossen? -Hier findet erl der kein eigenes Zimmer hat, den Raum zum Lesen, im Winter Wärme, gleichgesinnte Menschen, freudige Jugend. Ist diese vorbeugende Sozialarbeit nicht schöner und nützlillicr als Fürsorge und Schutzaufsicht? Wir wissen, das; cs schwer sein wird, die Mittel zur Verwirklichung dieses Planes aufzut ringen. Wenn nicht genügend öffentliche Gelder vorhanden sind, muß die private -Hilfe mobilisiert werden. Aber was in Frankfurt, Mannheim, Breslau, .Stölu und -Hamburg möglich ist, das muß auch in der (Gemeinde Dresden Wirklichkeit Iverden. Diese Kundgebung sollte uns bekannt machen, und wir erwarten Ihr Vertrauen und fJhrc llnterstützung. Mit Worten allein ist uns nicht geholfen, wir werden uns später zu praktischen Dingen au Sic, die Sie uns heute Ihr Vertrauen schenken wollen/ wenden. In uitserer dunklen 'Zeit ist ein Funken entfacht, lassen Sie ihn ausleuchten, für die jüdische Gemeinde, für eine gesunde jüdische Jugend. Beginn der Fußballspiele zum Adolf-Aschheim-PokaKurnier Sonntag, den 8. Juni 1830, nachmittag» 3 Uhr Nontag, den 9. Juni 1930, nachmittag» 3 Uhr auf dem Bar-Kochba-Sportplatz im Ostragehege Beginn des Festballes im großen Saal des Kurhauses Weißer Hirsch Sonntag, den 8. Juni, abends 8 Uhr