Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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■Seite 6 . Nr. 6 lemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Bibclgcdichten. Gerade Rilke vermochte cs in besonderem Maße, die Seele anderer Völker zu erfassen, ivar doch sein Leben eine fortdauernde Reise. Seine (Gedichte biblische» [hiltv zeichnen sich dadurch aus. daß die (Gestalten eines Elia, eines Saul, eines Samuel."eines Iercmia zu einer seltenen Prägnanz des Bildes herauibefchworeu werden und eine Einiüblung verraten, wie sic später nicht oft mcbr erreicht wurde. v\di nenne die ...sJknio mit Jonathan". die Tröstung des Elia", und jene (Gedichte, die Saul und David besingen'. In der „>ilaae um Jonathan" finden nur vielleicht die schönste Verherrlichung der Irenndesliebe. die in unserer Zeit gesclxn'fen tvnrde. Von jenen Sichtern, ivelche um das Jahr 1 StH) geborenwurden, und die kurz vor dem Kriege die denticiie Lyrik revolutionierten, kommen für uns nur drei Rainen in Betracht: Bierfel. «um und Beclvr. Es in nur natürlich, daß es io ivenige und: tvir taben bereits, daß jene die Tradition negierenden Strömungen in der Sichtung auch von dem Born der Bibel fortfübren müssen. Sennoch bat o o b a n n c s R. Becker in einem hymnischen Zyklus „Zion"" einen wundervollen bibliickien Ausdruck gefunden. Er verherrlicht die Leidensgeschichte und dasHeldentum des jüdischen Volkes. Mose und Hiob. Salomon und Jeremias cridvinett in diesen - kitati'chen Stropben. Es ist eine große biblisch^ Sprachsympbonie. In rtmiM W e rfel s ..l^erichtstag'^ irikdcn tvir ein -Gedickt „Sas f'k'twt Moüs". Sie übermenicklickie lR'üait des großen ^übrers ivird von der Sichterband bin geworfen, genair ivie ibn die Bibel üebt: an der eigenen .'.i'ii:c >M-cnchle" I und I I, I!»>L, ^»fel-Verlag, Leiezig. ä„n B-olir, München. im», äiirl We>:fr, München. Fuidit . neueWohnunj erhalten Sie bei uns alles, was die RAume schmückt, die Behaglichkeit erhöht, die Hausarbeit zur Freude macht. 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Und niemand ist dg. der ihn hält." Wir zählen feriter einige Dichter ans, darunter ztvci Kranen, deren Einstellung zur Bibel, da sie sich bewußt zum Indentnm bekennen, eine besonders lebendige ist. Ser jüdisclie Sichter ivird natürlich viel bewwßter als der nichtjüdisckic zum Vorbild der Bibel greifen, ^eine -Einfühlung wird eine besonders innige fein, ist doch iß seiner Seele vielleicht noch ein Abglanz jenes biblisclien Meitsckx'it wach, den er besingt. Sic (Gedichte Else Lasker-Schiilers dürften den Lesern inz^ allgemeinen bekannt sein. Ihre „Hebräischen Balladen'"-' sind zarte Variationen der tiiblifdjeu Motive. Si. zeichnen sich ans durch eine weich.' Sie und im besten Sinne jüdisch.! lich die richtige Bezeichnung, .Melodien" lvärc eine sinnvollere, denn diese Gedichte sind! weder balladeskc noch hymnische (Gestaltungen des biblisclien Stoffkrcises: Gedichte wie „Boas". „Esther", „Jakob und Elan", „S-avid und Jonathan" oder „Saul" muten fast wie Volkslieder an, ohne darum die bibliickie 'Rote einznbüßen. Sie ^Sprache ist schlicht, aber die Bilder zucken geradezu vor der |yiille ilit*fr Gesichte. Mutet es uns nicht wie Zeilen ans dem: „Lied der Lieder" an, wenn' Else Laster-Schüler in dem Gedicht „Ruth" Worte formt, wie: „In meiner Seele blühen iüß deine Blicke Und füllen sich. Wenn meine Angen in den Schlaf wandeln." Innigkeit der Empfindung. .Balladen" ist nicht eigent- H e d >v i g E a s pari s „Elo wesentlich anders geartet sind als Schüler. Sie formt breite, hym reich wachsen ne an und erheben Eindringlich hämmert sic in »ns chm"'" enthält Gesänge, die die Sichtungen der Laskeriischc Rhythmen, psalmodicich zu ekstatisckient Ausdruck, ihre Bilder. „Wir sind der Augenblick, .Hingeworfen i Zwischen zwei Atemzüge der Ewigkeit. Uns gehört keim Zeit. Unsere Verheiß» ig verweht Im Sande der Wüste." s„Wüstcnwandcrn»g.") U r i e l B i r n b a n m schriebmehrere Sammlnngc» biblischer Sichtungen. Er bedient'sich, oft nahezu wörtlich, der Worte der Psalmen, ohne das; hierdurch das Persönliche leidet. " , Dichtungen", l!i22,‘iMitrt Wolfj. * 1920, Paul Eassi^er, Berlin. " 192», Welt-Verlag, Berlin. München. *