Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligionSqemeinde Dt^ellden Bibel und Dichtung Der Einfluh der <Vibel auf di« zeitgenössische Lyrik I Po» Munfrril Stiirinaiin, Mlinchen Tie Bibel ist z» alle» Zeiten die große Nährqnelle des l^eistes gewesen, sic is .das ewige Monuiueiit des seiner liZottcserkenntnis bewuß gewordenen Menschen, der anigehört bat. nur triebhaft zu Iclieii,nnJ> sich, unter Beugung vor der wunderbaren Ernten,z cines den Tingen dieser Welt übergeordneten Wesens, dein großen (besetz der Sittlichkeit nnterivirft. Tie Bibel hat vor den andern ewigen Büchern, die ans uns Rainen, das eine vhraus, daß sie der Elruudpseiler für jede abendländisclv Ktiltur wurde und das „Licht des Trients" in den Norden tz:ug. Jiir den deutschsprachigen Kulturkreis ist sie gleicnam der Humus gewesen, ans dem die Blüte deutschen (Geistes anfschoß. Mit Luthers Bibelülwrselzuug erhielt die deutsche Tprache erstmalig eine geeinte Jorm, und was Kriege und diplomatische Tctwchzüge vorher nicht vermochten, das erstand ans dieser in der Ttille geleisteten Uebersetznngsarbcit: die Einigung im Ol e i st e aller derer, die deutscher Zunge waren. Lkme die Lnthersche Bibelübcrsehnng wäre weder eine deutsche Klassik, »och eine deutsche Nomantik zu denken, und wer weis;, was ans dem später sogenannten Volk der Tichter und Tenker geworden N'äre, wenn cs nicht rechtzeitig die Inkarnation ans dein altbebräiiclx'» Tchrifttum empfangen hätte! Ter leider so früh verstorbene - Fron z R o s e n zweig schrieb einmal im -Hinblick auf die durch Luther verdeutschte Bibel': „Jedes große Werk einer Tvrache kann in einem gewissen Tinne nur einmal übersetzt werden." .Infolge einer ganz besonders günstigen Konstellation, die zu »ntersuchen eine Arbeit für sich beanspruchen würde, war die Lnthersche Berdeutschung der Bibel die „einmalige". lTickwrlich und die später entstandenen llebersetznngen vom philologischen Standpunkt höher zu bewerten: aber die Wirkung der Lnthersche» ist nicht zu übcrtresfen.) To mag denn die Jorm der deutschen Bibel, die im Bolke am Verbreitesten war und ist, an sich etwas Tesinitives sein. Tas Widerspiel von Bibelsinn und Mensclnmgeist jedoch ist nicht definitiv — denn die Bibel ist ein lebendiges Buch , fortdauernd geht der Austausch bin und her und ivird nicht versiegen. In der Einleitung zu einer Tammlung frei nachgedichteter, biblischer Gedichte' schrieb Arnol-d Zweig einmal: „Aber die ewigen (Gebilde der Menschheit kommen nie zur Ruhe: und ivie um attische Tra-| gödien, um Homer, Tante und Tbakespeare kein dauernder Ttillstand ist. wie von ihnen vielmehr ununterbrochen die Lockung sprüht: .Jorme mich nach, gib mir neues Wertiein' — werden auch Psalmen und Lieder nach ihrer ganzen völligen Tarbietnng weiterverlangen." Wir können diesen Tatz nicht nur auf die Psalmen und Lieder in Anwendung bringen, sondern auf die gesamte Schrift. Ter schaffende Mensch, besonders der Tichter, spürt den Trang in sich, den Tinn der Bibel und ihre Jabel mit seiner persönlichen Vorstellung zu vermischen, und so entsteht das „neue Wertsei»" in der biblischen Tichtnng. solange wir denken können, hat die Bibel wie ein unversiegbarer Born die Künste belebt. Tas biblische Motiv finden wir in den frühesten christlichen Kulturen ebenso wie in der Nenaissanoe. in der Nomantik ebenso wie in unserer Zeit:'das ist das schöne Tinubild für dieses nicht zur Nuhe kommende Widenpiz'l von Bjbelsinn und Men schengeist, für die ewige BermischNng von Tage und dichte rischer, d. h. Persönlicher Borstellnstg. Um die ungeheure Jiille an B zu begrenzen, müssen wir »us h er aut die, Tichtnng allein beschränken, und von ily auch kö inen nur nur die Lyrik in Seite 5 ispieleu auch nur annähernd b den .Kreis unserer Betrachtung zie gerade der Lyriker in besondere, i Motiven angezogen ivird, ist doch :ien. Es ist kein Zuiall. daß Maße von' de» biblischen die Bibel ei» äußerst dichterisches Buch, und sind doch Teile wr Psalmen nud das Hob.- lied unvergängliche gefühlslyrisch eusr »e i ii Telbstverstäudlich ist es, daß iarischer Ttrömuiigeu auch verscti Bibel reagiere». Wenn nur aus Nichtungen der Tichtuug herauzie ie uler oder Nentlasüker von der T ivgen iverden, iveil Hellas die T und weil ihre Liebe dem Meuie Auch die Erpressiouisten unter d Nachbildungen eines biblische» T tionäre dör deutschen Tpraciw uu' sozialen Umschichtuug. Ihnen . st sie, die jede Tradition aus Prinzip au das Borbild der Bibel. K » sübrer dieser Nichtuug. schreibt ii „Tympbonie jüngster Tichtuüg"' i Buch, wendet sich beivußt der Mi der ihm ausgedrängten, ihn mim Vergangenheit und t'stgeuwart in einer Zukunst, die er selbst sich ictl ist beute die süngste nicht mehr. Programmsatzes ist ein Jahrzehnt lind 1!).'!«) ist in der deutschen Lyr ihrem Necht gekoiumen. und dgs in» reine Lyrik handelt, von de» und bewegt üch wieder in den .Kunst. Es ist einfacher und veri zur Ion» zurückgekehrt. Tie ju.. vor der Bergaugeuheit. und damit wieder gelvachstn und heute stärke große Lynker gegeben bat. die adlest schuseu, braucht nicht eigens gelag Widerspiel, von dem ivir eben spr ur verschiede» in.seiner Juteiintc INI inuz Wenn nur im tolgendeu ve aus die zeitgenössische Lnrik mit können iusolge Naummangels in iverden. Taß es jene sind, die. standen, möge als natürlich verzie ' „Die Tchrift und Luther", IUÄ>,! Lambert Schneider, Berlin. - Manfred stnrinanii, „Allhebräische Lyrik", IN28, Allxiemeine Bcrlagsanstalt, München. { Wir neuiie» nur jene Tichtex liichen Ttoss im Kledicht verwendet lischen Ttoss auch in einer der Bi teten. Es kommt also in diesem Zuj Wie denn ans .das Was an: nur ivo (Gedichtes gebannte Bild dem 'Bi>ge nur ivo die Wertmelodie unserer Bibel annähernd augeglickien ist.köiii von einem biblischen Eiedickit spbech? Wir besitzen von dem leider zu früh Maria Nilke eine ganze Neide •' B. tNorge und Hosinanns ' ..Meuschheitsdänimernna", 10: kha 20, (Gebilde. Tichter verschiedener liteedeu aut das Vorbild der unserem Jahrhundert die n. so sehen ivir, daß Klal christ nicht sonderlich angeluisucht dieser Ticbker ivar, n der Antike augehörte'. u Lyriker» landen keine lofses. Tie waren lstevolu die Borboten der großen ande» Zeitirageu -ziiböchst, negierten, kebrteii sich nicht t Pint b u s, der Wortdee Eiusübrung zu einer Jahre 1!>A>: „In diesem »sch aus der. Täiumerung chlingeudeu, verschlingenden die erlösende Tämmerung >ant." Tiei'e Tichtnng aber Teil Niederschriit dieses vergangen. Znüschcn ll>2«> k die Tradition wieder zu Gedicht bat sstli. ivo es stcli Zeitprobleinen abgeiva»dt Überzeitlichen Bezirken "der lerlickner geivorden. es ist e Tichtung har Ebrsurcht ist der Eiziiluß der Bibel denn ie. ' T»ß es immer s von Nichtuna und Modzu iverden: so liort das ichen, nie ganz aus, es ist t. rsuchen, de» Eiinluß der Bibel Beispielen zu belegen, io r einige wenige" genannt djeiu Berlasser am nächsten n iverden. lei die nicht allein eiueii bist, '», sondern die dielen bibscl gemäs'.e» Jorin gestalaimnenhang mehr ans das das in dei^sjtbythmus des e der Bibel angepaßt ist: Tprache der Melodik der neu wir in »mm» Tinne n. verstorbenen N a i » e r von ivund^rbar schönen Erlist Rowohlt, Berlin. >n Rarloption Columbia Electrola Odeon-Musik-Haus Prager Str. 18