Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (4.1.1930)
- Date
- 1930-01-04
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 2 Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes Nr. 5 ichaftlichkcit, einheitliche Gestaltung, Charakterisierung des Aeußern und Innern,- starken Aüsdruckswert mit neuen erfaßbaren Mitteln. Ich ließ mich durch die Aufgabe und die in ihr liegenden Bedingungen selbst führen; diese waren mir der lebendige Stoff, — nicht nur sachlicher, auch geistiger und seelischer Art. für die Gestaltung; aus den Gegebenheiten entwickelten sich Gefühle und Gedanken und wurden venvirklicht. das eine erwuchs ans dem andern zu Form und Ausdruck. _ Zum Verständnis der Baulösung möge einleitend festgestellt sein Dieser Bau ist kein jüdischer Tempelbau in dem oft geübten Sinne, daß, der Kultraum selbst in dominierender Weise auch nach außen zu Erscheinung und Ausdruck gebracht wird; Umfang und Art des Banprogramms forderten anderes, verlangten die Schaffung eines einheitlichen, ungeteilten Bankörpere, den am besten der Name „Israelitisches Gemeindehaus mit Synagoge" kennzeichnen wird; zu vermeiden war Zersplitterung. etwa in zivei Bauteile: Kultbau uud Ver- Ivaltungsflügcl. Tie Bedingung des Anschlusses an Wohnhausbauten nach beiden Seiten verlangte dasselbe: straffen und flächigen Zusammenhang der Fronten, einfachste kubische Grundform des Baues — um alles Kleinliche des Ausdruckes auszuschalten und eine Hervorhebung des Baues zu erzielen ohne künstliche Mittel. So entstand auch Klarheit nn Innern und eine Zusammenfassung Lres Zusammengehörigen; ja ein Einfalt künstlerischer Art. die Ueberbauung des Fußgängersteiges an der Senefelderstraße, erhöhte noch das zur Verfügung stehende Raummaß und eine praktische Anlage und verstärkte zugleich den Aus-, druck des Baues nach außen; derselbe bekam Richtung, lagernde Länge und eine beschwingte Statik, wie er mit seinem Dberbau hinausragt über leichttragenden Klinkcrpfxilern, — Ter Knltraum verlangte den Anschluß an die Lsti'eite ldas bestehende Nachbarhaus) und den Tageslichteinfall an seinen beiden Längsseiten: so bot der Westteil des Hauses den Raum für die Verwaltung, Logenräume und Logentempel; im Erdgeschoß für den Hauptcingang unter der Pfeilcrhalle, für die große und kleine Vorhalle, Wochentagssynagoge, Aufgang zum Kultraum und Denoaltungstreppe (der Westteil wurde w in seinem Innern ein Verwaltungsbau oder ähnliches, ivas auch nach außen in der Fassade der Senefelderstraße zuin Ausdruck kommt). Ein großer Garderoberaum kann einerseits bei Gottesdiensten, anderseits — von der kleinen .Halle aus —. bei Gemeindesaalbenutzung verwendet werden. Ein Nebeneingang an der Engelstraße führt zu Predigerzimmer, Chor- und Nottreppe, zur Gemeindesaalküche und zur Hausineisterwohnung sowie zum Hof (mich zu Keller und Heizanlage). Unter der offenen Pfeilerhalle führt ein dreiflügeligfeierliches, breites Gittertor, cisenbeschlagen. in tiefer Nische ins Haus. Der Eingangsraum ist hell, geöffnet gegen die Halle, von der die breite -Haupttreppe Männer und Frauen nach oben zur Synagoge leitet. Ter niit geschliffenem Marmor bekleidete Pfeiler trägt die .Hausinschrift nnd einen hebräischen Werhespruch. Vom Eingangsvorplatz öffnen, sich zwei getrennte Türen zu Männer- und Frauenteil der Wochentagssynagoge — einem bescheidenen Raum von eindringlichem Stimmungswert. — mit seinem elfenbeinfarbenen Raubvutz nnd Svmbolschmuck. grüngrauem Gestühl auf Ziegelboden, dem schlichten Schrein mit Vorbetertisch aus Kiefer und der Meningöllamve, dem ehrwürdigen Ewigen Licht. Alle Vorränme sind licht und klar. Windfangtüren führen weiter zur kleinen Halle, den» Vorraum für Gemeinderersomnilnnaen, Vortragsveranstaltungen und Feste; von hier aus der Aufgang zu Verwaltungs- und Sitzungszimmer. In den nächsten Stockwerken die stattlichen Logengesellschaftsräume lmit Sveisenabgabe und im Tach liegender Küche), darüber die Bibliothek und der feierliche Logentempel monüinentalen Ausmaßes, mit seiner eigenartigen, tiefliegenden Fensterreihnng. dem Meisterpodinm und der rotgebeizten Balkendecke dem großen, in die Wand geschnittenen symbolischen Stern. Tie Raumwrm ist einfachst und klar überschaubar, jedoch neuartig in S u e r s ch n i t t u n d A u s g e st a l t u n g. Ter Grundriß zeigt nicht die oft angewendete Zentralform: aber in engstem Rund und die Sitze der Beter, Männer und Frauen, zusammen gefaßt, starke Konzentrierung erzeugend um den Lrt der gottesdienstlichen Handling: Almemor. Heiligem Schrein und Kanzel Tie gescha fene Beziehung aller zu Gottesdienst und Prot rat wird voll endet durch eine gleichwertige Sichtbarkeit von allen Plätzen: ne .Harrptgalerie erhielt eine zunehmende Steigung der Reihen, tvas freiesten Blick gewährleistet. Tie feierliche Geschlossen!»eit des Raumes erhöht diesen Ausdruck der Kor zentration. Tie Ausstattung und Ausschuückung ist schlicht und doch fe i, e r l i ch — oder »icrade hierdurch feierlich, denn sie ist nicht nüchtrn. Wie stark wirkt die Hervorhebung eines Besonderen, h er die schmuä haste Bedeckung der Sstwandflächeu mit Symbolen in zurückhaltender farbiger Sgrafittotcchnih die gleich feierlichen Teppichen — den Raumteil der geheiligten Handlung umfasse». Tie Gcsamtraumfarbe ist als graugrüner Grundton fortg'führt: in feiner Farbenskala von Elfenbein, Grau, Rot und Schwarz hat der Künstler Lois Gruber die Symbole unserer jüdischen Feste in den Wandputz geschnitten sdi» Wirkung ist eine lebendigere und dauerhaftere als von Alfreskomalereiiu). Die "Darstellung ist Ergebnis einer liebevollen Vcrtiefi ng in deck Stofs und ursprünglich-künstlerischen Schaffens: sic ergibt die von mir erivünschte feierliche Steigerung des Raumeindrucks gegen Dsten — ohne Lautheit und ohne Prui k. Im übrigen sind die getönten Putzflächen der Wände nur an wenigen Stellen der Galeriebrüftung Unterbrochen, sowie auf der oberen Westlvand durch hebräischen Schrift chmuck, der so wundersam feierlich und typisch wirkt. Bo!>en und Untcrlvände der Estrade sind mit Juramarmor b?deckt: Messinggcländer und -rahmung des Heiligen Schreins geben mit ihrem inetallischen Glanz Feierlichkeit: tieffarbig schimmert im Brennpunkt das Grün deß Feiertagvorhangs auf dem Aroun-Hakodesch. Feierstimmustg geben aucl> die beiden im Raum schwebenden Reihen schlichter Lichtkuscln. Der G e s a m t a u s d r u ck ist, wie ich gl aube, der einer lveihevollen Ruhe und Würde — nicht mehr des wohnten Prunkraumes, sondern des feierlichen Versammlung, der inneren Sanmlung. der Hebung zum Höchsten, der Gcuuinsamkeit in < siott. Glcichwi die Seele des Besuchers zum Andacht geführt und in Konrgehalten. Ter Gemeinde zum durch Musik soll beim Eintritt Mitklingen gebracht »verden, zuh zentration oder erhebeirder Feicrstinnnung fe Raum selbst möge durch diese Kraft für die weihevollen Symbol werden! - - So — scheint mir — ist ein typischer Ausdruck des jüdischen Kultraumes gestaltet. — Und man sage alsdann: Tiefer Bau ist ein „Zweckbau unserer Zeit", — so sei dies gern bejaht. Hinz »fügend: „E i n Zweckbau mit idealem » n d höchst Ju der nächsten Nummer we der neuen Synagoge vcröffentl sonst gc- Srtes der »ndächtigcn Er- :dcn wir ciui chen können. m Zwecke!' ge Abbildungen Ausschuß des SSMcheu lsraeMchen Semiudeverbaades Ter Gemeinderat der Israelitischen Religip Dresden hat in seiner Sitzung I»om 16. April des Herrn Tr. John Levy Herrn Samuel ordentliches Mitglied des Ausschusses des Sc tischen Gemeindeverbandes gewählt. Als Äusschußmitglieder wurden gewählt: An Stelle des^ Herrn Tr. med. Adolf Saul W e i n r e i ch und an Stelle des W e i g e r Herr Karl Ch. B o ch n e r. Tie Wahl gilt für die Zeit bis zum 31. Ttzcmber 1931. Sächsischer israelitischer Gemeindeve» band. Rechtsanwalt P a u b Sal i n g e r. Versitzender. Tie in der März-Nummer dieses Mitteilungsblattes ent haltenen Veröffentlichungen: Jüdische Einrichtungen für Studentimhilfc Bevölkerungspolitik und Lrganisction sind der Zeitschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" mit freundlicher Genehmigung ihre, Schriftleitung entnommen. - Tsie Redaktion. / nsgemeinde zu 1030 an Stelle W e i g e r als cschsischen israelistellvertretende Strauß Herr Herrn Samuel