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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-01-04 · 5 (4.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
5 (4.1.1930)
Date
1930-01-04
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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reite 4 Gemeindeblatt -er Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. Lieche beiderlei (sjefchlechts, vor allem natürlich für Arme, fehlt. Chile das; ca möglich iir, an dieser Ttelle näher auf die schwierige Frage der Altersheime cinzugchen, fei nur das eine gesagt: alles wird auch bei der Tckiaffung von Untcrbringungsmöglichkeiten für Tieckie darauf ankommcn, daß ein Fehler vermieden wird, der leider bei einigen Altersheimen gemacht worden ist. nämlich, sie in Einrichtung und Betrieb io teuer zu gestalten, daß sie tatsächlich für -die Aermncn und Bedürftigsten nicht in Frage kommen, ja, daß an einigen stellen sogar Plätze leer stehen, die aus Mangel an Mitteln nicht belegt iverden konnten. Und noci, ein letztes. Tie Internationale Hygiene-Ausstellnng möge auch die jüdiiclv Gemeinickxist erneut und verstärkt aus große Ausgaben internationaler jüdischer Gesundheitsfürsorge und aus die dringend notwendige Mitarbeit an ihrer Lösung Hinweisen. Ich denke dabei vor allem an alle Bestrebungen für die auch unter schwerer G e s u n d H c i t s n o t 'leidenden i ii d i i ch e n Mafien in den -"C it - länd e r n. Tie Geiellickiast ,.C s e" und ihre Crganiiationen in den verschiedenen Ländern, die sich dieser Arbeit widmen,! iverden. soweit mir bekannt in, ihre Ausgaben und ihre Wirksamkeit aui der Ausstellung darstellen, Neben dieser großen! und bedeutsamen Arbeit besitzen wir aber noch eine andere Form nxihrhast international türkender jüdischer Gesundheitsfürsorge, die-wahrsckieinlich a is der Ausstellung nicht dargrstcllt iverden wird. Ich denke an die j ü d i s ch e n Tuberkuloseheilstätten in der T ch w c i z < Tavos und Leisüns und in Italien (Meran). (isewiß ist es ein ebenso schönes Recht wie eine Pilicht der, Juden dieser beiden Länder, die zu den uiirtidjaftlid> begünstigten gehören, für diese Einrichtungen zu sorgen, und nur stellen dankbar fest, ivie stark und nüe erfolgreich sie ich dieser Ausgabe widmen: aber die so dringend notweudig« Ausgestaltung dieser Einrichtiyigen — die nach der Znsaminensttzung ihrer Patienten dnrctxius internationale Einrichtungen sind — wird doch in irgendeiner Weise durch eine int, rnationale jüdisclie Leistung im Zusammenwirken mit den Tchweizer und italieniick-en Juden sichergestellt werden müfen. < f - . To wird die Internationalle Hygiene-Ausstellung in Tresden in einem Zeitpunkt cr.üsnet. in dem die deutillv und die internationale jüdisctie Arbeit in dei Gesundheitsfürsorge vor neuen und großen s> uigaben steht Es ist sicher, daß die Ausstellung auch für ihrs Lösung starse Anregungen geben wird.! Die Geltung der Hygiene bei den Ir^derr Pon I>r. i»e>l. <I.-^kar Wolfsberg. Berlin Tie Rolle, die die Medizin im allgemeinen und die Hygiene im besonderen in der jüdischen Gesetzgebung und im jiidiiciien Tenken allezeit geststelt, wäre unerklärlich, wenn das Judentum n u r als R e l i g i o n i. skr. zu gelten hätte: der Grnndhaltuug einer Religion überhaupt, und auch des engeren rein religiösen Bezirks des Judentums entspricht eine geringere Beioc-rtung aller irdisch-menichlickien Bemühungen um Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit, Bon ditzicr Ebene her gesehen ist wirklich ein Wort wie: c-.xEi'isr re lAuch der beste der Aerzte gehört in die Hölle» verständlich, l'loltes ist die.'oerrfdvift über Leben und Tod, Gottes ist die Teilung der ztrankheiten: -ZHI' ~ •:» •: - < Tenn ich, dein Gott, bin dein Arzt). Israel, lediglich als Bolk betrachtet, hatte nie und nimmer alle Hygienischen Borschriiteu mit soviel Weihe und - ich möchte sagen — Pathos iimkleioen können. Es hätte Höchstens zum Ausbau jani rarer Maßnahmen kommen können, wie sonst in anderen Ttaaten, und da wäre der Ertrag in alter Zeit sehr dürftig gewesen. Tie besondere Beziehung des Judentums, in Lehre und Leben, im unreflektierten Bolksempsinden und in nachdenklichen Betrachtungen, zu allem Medizinischen, findet nur ihre befriedigende Lösung, wenn die Sonderstellung des Judentums erkannt wird, das einerseits volkhafte Gemeinschaft .Ration, ist, anderseits diesen Bolkskörper nie losgelöst von seiner Historischen Tendung denken kann. Für ein Bolk ist Gesundheit und die Sorge um dieses Gut ein politischer Faktor. Für-die politische Räson ist Wirken und Tenken in dieser Richtung selbstverständlich. und Therapie zu treiben keine Bermeisenheit. Aber für den Gläubigen bedeutet es doch eine Ueberwindnng. einem Menschen Heilende Gaben zuznerkennen. Ter Religiöse muß erst in der Thora ausdrücklich die Berechtigung finden. Tie i st in der Tat gesunden: slattung Autoren usw. in Berbindung stehen, werden als bewußt hygieniillje Borichristen aufgejaßt. Manche Autoren erblicken in den r-KE'7 HB' -:sr m,-;s -,h;c hb" hbh , Wie dennoch auch hier gelegentlich das religiöse Tenken möglichst einschränkend interpretiert, dafür ist Nachmanides eia interessantes Beispiel: er. ialbst Arzt, Hält es für zulässig, den ärztlichen Berus zu ergreifen, tadelt es aheir, einen Arzt zu konsultieren.) - Tehr vieles ist über die H ygien e bei den Fuden gesagt und geschrieben worden. Tehr viele Gesetze und Bräuche, die mit Ernährung. Zlleidung, Wohnung, 'Waschungen, Be- * „Heilen, ja heilen soll er' — 2. Mos. 21, 19. Daraus folgt, daß dem Arzl die Erlaubnis gegeben ist, zu heilen. hygienische Weisheit, glauben ir ihnen Borläufer, der Tes infektion und anderer moderner Maßnahmen zu sehen. Tie religiösen Interpreten der Neuzeit drangen ge n die hygienischen Motive zurück, weil ihnen diese nicht hini eictien, um der einschlägigen werden, auch mag dabei der Gesetze als hygienische.Bori und von der Dignität Her Gebote gerecht zu Umstand mitsprecken, daß viele schritten nicht ihren Zweck voll erfüllen würde modernen Wissenschaft in vieler Einsicht überholt worden lind, Tazwisckvn stehen ruhige, kritische Beurteiler, die an einen, Xon liquet nicht vorbei können. Tie Gesetze de: Reinheit uno Unreinheit lassen sich nicht mit hygienischen Gesichtspunkten identifizieren. Insbesondere ür d die Dorschlisten über die durch ticriiche Ztadaver bewirkte Unreinheit i n Widerspruch mit dar modernen Auisassung vin der Insekt on: denn eine Zisterne, in der ein verwesender .stadaver liegt, gilt als rein, - Auch ist medizinisch völlig unssaßbar, was etß'a ein 6rleideiundHäufer-Zaraath' sein soll. Eins steht jedoch fest: v Wirk u n g gesundheitstördcrn vor allem , die Fleischbeschau, von manchen besetzen Höchste ieie Gesetze iud iii ihrer d. Tie Tpeiiegeseve. und aus welchem Motiv sie auch immer gegeben und. Haben dis BolksgesundHeit gefördert vielfachen Tciutz: Phimose, isgeschaltet. lluch die Aus Mila bestimm sei, die Libido Aussatz. i Tarlegungei nicht um voll Erörterung hc ndeln, wie das Tie Eircumciuon gibt einen Paraphimoie, Balanitis sind ä sassung des Maimonides, daß die zu mildern gehört nocl) in Gri'nzgcbiete der Medizin. Tas große Gebiet der Bäder und Wafchün icn ivird eben falls von frühen autoritativen T nikern im Timie der Hygiene und Reinlichkeit gefaßt, so von )elmda Halevs. Es,kann sich in diesen knappe: ständige Auszählung und genaue einzelne, wie das Ganze zu bewirten sei. Äbcst es bleibt doch zweierlei als sehr eindrucksvolles Resultat b Flehen: da ist einerseits die starke Turchdringu ig der Gesetzgc bung mit Bor schristen, die im Effekt die Gesundheit föriern. Cb das Motiv hygienisch, ob bewußt Erhöhung der Gesundheit er strebt oder instinktiv Gesundheitförderliches religiös ergriffen und festgelegt ist, ob die Weisheit des Gesetzgebers hier die .Heterogonie der Zwecke ins Spiel setzte — genug, wir sehen, daß die im Bereich des Gesetzes verharrende Iudenheit vor einer Reihe.Krankheiten verschobt blieb, anderst in geringerem Maße zum Cpfer siel. Man mag auch einmal der Frage nachgehen, wieweit überhaupt religiöse Disziplin, Gehorsam gegen ein Gesetz, in dem Mäßigkeit auf allen Lebensgebieten.

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