Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/4892693-5739404-5769943--1474-4894079
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 3 lemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Di Versuch über Arnold Jweig Po» Manfred Stiirmann, München IHiie svrach« ist nicht schön, men» sic nicht knini ist. und U-ftcii Hildes wird mon finde», dnst in Ansrbnna der Lvrnchcn „-chönsteii" identisch ist mit ..Mfilnilkit“. VcoDoröi. I. -lls ich diese Pforte des grosten Italieners las, i»ns;te ich aii die Schöpfungen Arnold Ziveigs denken, nnd es schien wir richtig, diesen Lat; einein Bersnche voran',»stellen, der es sich zur Aufgabe niackst. das wirken dieses jüdischen Dichters dnrznstellen. Ein solcher Bcrsnch ivird ei» labiles Unterlangen sein: Arnold Ziveig, l.^7 in 'N'iederschleüen geboren, also l,ente nur wenig über vierzig Iabre. ist einer von denen, die nach .Kriegsende einen völlig neuen Aufschwung gesunden haben. Er ist mit den „Novellen inn Elandia", jenem Buche, das ihn vor dem Kriege bekannt machte, ganz plöhlich in die vorderste Reibe der deutschen- Erzähler gerückt, nnd damit war die erste Periode seines Schaffens beschlossen, denn der Krieg wirbelte ibn binaus, und der Dichter kebrte an de» Schreibtisch als andrer zurück. als jener nämlich, der den Roman „Der Streit »in den Sergeanten Oirifdw" schrieb. Das war wiederum ein Beginnen und ein Höhepunkt zngleich. Wir sehen also, das; sich Arnold Zweigs Entwicklung nicht gkadlinig vollzogen bat. sondern crnvtiv, in steiler Kurve. Eine solche Entwicklung nach;»zeichnen, zumal wenn der Dich ter schassend nnd wirkend unter »ns lebt, also eigentlich distanzlos nachznzeichncn, »ins; notwendigerweise ein Bersnch bleiben. Seine Svrache. nnd von ibr wollen wir zuerst reden. stellt Leopardis Svntbese von „Schönbcit" nnd ...Kühnheit" in idealem Maste dar. Ibr Zauber liegt darin, das; sie überall, selbst in dem verstecktesten kleinen Enay. schöpferisch, also neuartig ist. Sie gleicht einem bluinenbasten (Gebilde, das aus dem Mutterboden des (Geistes kübn emvorschiestt. ne ist immer herb» von (stedanklichem geradezu geladen lsebr typisch in der Novelle „Der Spiegel des groste» Kaisers", von der iwch die Rede sein wirdl, sie übt knapp über dem Darzustellenden wie ein meisterbait gefertigtes (stcivand, sie kann auch zn iveilen sebr lyrisch sein «wie in.-hen „Novellen »in Elandia"). aber diese Vnrif ist sebr sublimiert, in de» Iorinen seiner unbestechlichen (Geistigkeit erhärtet, so das; neben dem Schönen das Kübne. das Männliche nie, fehlt. Sie ist vielleicht der Sprache Martin Bubers verwandt, wenn man einen Vergleich ziehen darf.- j Arnold Zweig ist der Dichter der Wirklichkeit. Schon in' den „'Novellen um Elandia" iinden wir eine wunderbare Sinngebung des Gebens. Nie strebt in seiner Dichtung der bewegte Strom derHandlung vom Leben weg in das Transzendente. sondern genau umgekehrt: die Idee der .Humanität —- und sie erfüllt alle Werke des Dichters — mündet in das Wirkliche, gibt dem kleinsten Borching ihren Sin» s,-,(strischa"!> und typisiert das Beispiel. So, wenn Zweig in den „Novellen um Elandia" die Differenziertheit und das Sehnen nach Schönbeit der Borkriegsinenschcii darstellt, in der „Seudnng Semaels" die Iudentrage, im „Regenbogen" das Leid des Nachkriegsmenschen und im „(stri^cha" schliestlich die Iriedens- * idee. seine Arnold Zweig Leier mit der n lerbittlick e» Iordernng heran, sich mit seiner Zeit anseinand /anen zum Nachdenkeu aut, er Ter ivabre Tickster sch mi 11 nicht allein zur -Hände andrer /legen zn dienen und die Lei seiner (staben lu'itiimiito. In ichter Erzieher nnd politischer Dichter, weil Nur natürlich, das; ein Zweig das jüdische 2 rischen Lebens lieht. '4 ('Selnirt zuweilen hin r.meben spit nicht düng zn eSden Seite 8 lio ist nicht nur Erzähler. Er tritt an er rüttelt die Dumpfen und gestaltet nnd fordert zugleich, nm der Schöpfung willen, er rcnde ndd Erbauung sein W«.'ick in die ander» isine Ausgabe ist es. der Idee riiillen. zu der ihn dieKstiade diesem Zinne ist derUvckbre Politiker, nnd Ziveig ist beides, l Er ist er seine Iorderung an die Zeit stellt, so bewnft jüdischer Mensch wie Arnold bickial ijjii Breniipnnkte seines schöpfe- >ir haben in »ivejg den jüdischen Dichter schlechthin. Das änstert ück nicht iit gelegentlicher Stel lungnahnie znm Jude, tnni. wie es andre Dichter von jüdischer souderi jüdischen Leben stebe^g, das In fische, auch dort nicht abstreiit wo es thematisch nicht der Hninanität mit d fordert, fordert er als In seinem „Ealiban". dem grost.irtige» Werke über den Anti seinitisinns, bat er die die Irage des Indenb „Dstjüdischen Antlib" Während des Krieges. bedingt väre. Bei ihm fällt die Idee st des.Judentums ziifanimen. wo er Jude. »>> er klärt, klärt er als Jude. itnasicii des Judentums, weit über ines Hih'aus. neuartig bestimmt. Im bekennt er 'ich liebend zur jüdische» Mast'e. im ..Neuen Kanaan" hissend zur jüdischen Zukunft. in der B Dstens. fand Ziveig eine neue Antor der ästhetischen, ein weniä dekadenten Elandianovcilen zog er in den Krieg, (fr kebrte fei nt und brachte die Idee zn seinem (strischaronian iiit. Bon Dsten kam ihm der neue Anschwnng nild die '.stotwendi, fe-it zu einer inneren Umorientiernng. II Jene, die ibn besonders lie Buche „Növellen um Elaydia" gezeichnet fanden, weil ne in dieiem Ticliter den .Künder ihres ästbetischen (strnndgesistes erkannt batten jene äiigstigten sich nm ihn und suchten voll Scnnerz scstnen mit .Kriegsende abgebrochenen Weg. Dieser Diiiter ivar damals vielen ein ivährend der iväbrtc seine darin, ivie er. mitte» im rührnng mit den Inden des Nelodic für sei» Werk. Als sten. weil ne sich in seinem mit alten seelische» Registern Sorgenkind: zn abgeböge» wai seine Arbeit Iabre unmittelbar nachKriegsiide. zn lange „schöpferische Panse". z Nach seinen ..Aüfzeichnnnge» über eine Iainilie Klopfer", der begabten Erstlingsarbeit, di» aber noch nickst in breitere Schichten der Leser zn dringen p'rniockste, erschienen die „Novellen um Elandia" und bedeutet >n ei» lstipiel für die deutsche Prosa. Tas Buch wurde geradezu zur Bibel des kultivierten Menschen: denn nirgend anders ivnrde mit solcher Zartheit die Seele des isteisligen gedeutet mit allen ihren Abgründen nnd Höbe», (stefabren und Möglichkeiten^ nirgend anders mit solcher Schärfe der .Konflikt des geistigen Weibes anfgezcigt. I» diesem Buche bat jinvig - nnd so lxit er es selbst einmal erklärt — „die Annäherung von Menschen aneinander Der große Purim-Bali * Sonnabend, den 22. Alär:; 1930, abends 8*-2 Uhr, in deh Sälen der Kaufmann» sdiaft, Ostra»Allee 9 Oberkantor Alanfrcd Lcvvandovvski, Berlin^ singt bebräisebe Lieder ^umTan^ spielt die bekannte Kapelle von Blietzscb-A^arko. Zionistische Ortsgruppe Dresden i i Eintrittskarten;um Preise von 2.5oM, im1 Vorverkauf A,— Al.* an der Abendkasse Büro der Ortsqruppe, Seestr. 7, III., Tef. 117rl, Theaterkasse Rcka, Buchhandlung Strauß Ar Buttula, Struvestr. 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.