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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-03-01 · 3 (3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
3 (3.1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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seile 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. B Purim 'Jlndi ,u'fn' IkUu'ii ilirc Schicksale, während Echminkkah im Lanie der Feit zu einer schlictiten und geräuichloien Erinnernngsieier herabsank, t)at sich uiiser Purim schon srülizeitig und je iveiter um so mehr zu einem rechten Fest der Freude beransgebildet, und das ist aus der Lage des jüdischen Volkes heraus verständlich. Denn je nicdcrdrückender und entmutigender die Verhältnisse fiir die Inden wurde», um so tröstlicher und herzerhebender mußte es sein, sich in eine;>cit znriick- ,»verletze», in der alle seindlichen Ansctiläge eines D>n»a» so nrvtöhlich znsctianden gemacht und den unschuldig llnterdrücl ten eine solch glänzende Genugtnnng zuteil ivurde. Man iäiivelgle sörmlich in dieser Erinnerung, und es mar, als ob man sich am Purim sctzadlos halten wollte für alle die sonn verkümmerten und vorcnthaltenen Freuden, um einmal so recht nach Jerzenslnit die Füget schießen zu lassen. Heißt es doch amh znm Schlüsse des Esrherbuclies, „daß man diese Lage feiern sollte als Tage des Mahles und der Freude und Gaben schicke einer dem andern und Geschenke an die Durstigen^'. Und wie verstanden unsre Altvordern das Purim zu einem wahren Volksfeste zu gestalten. Der wichtigste Teil blieb allerdings die seierlicbe Verlesung der Esiberrolle am Vorabend des JJ. Adar. Diele Verlesung galt als w wichtig, daß selbst das Studium der Lebre. das man sonst allem andern voran» 'tellte. znrückgesetzt werden sollte gegenüber dem Anhören der Megilla, woran ^sjch jeder beteiligen mußte.. Der erhöhten Feierlichkeit des^Tages zu Ehren gelangte auch der Magen zu seinem :>ieä>te. Die Mahlzeit am Purim war besonders reichhaltig. V^ir ersaliren ans einem Pnrimtraktate etwas Näheres über ein solches Menu, das an Reichhaltigkeit nichts zu wünsä'en übrigläßt. Es werden u. a. ausge^äblt: Pasteten, Fische, Turteltauben. Braten von Reh und .Jirsch, Gänsen, Enten, Hübnern und Fasanen, scruer allerliand Torten und Pfefferkuchen, ivobei es vor allem auch an deinen nicht schlcn durste. Für Hebung des Frohsinns wurden ierner an diesem Tage allerband Spiele erlaubt, besonders das Ball- und üegclspiel. Auch der Tan; wurde gestattet, wenn alich init der Einschränkung. daß hierbei eine sondernng der Geschlechter einzntreten lxibe. V>as aber dem Pnrimsesle erst seinen eigentlichen, luskigiibermiitrgen Ebarakter verlieb, das war eine Art üarnevaltrerbenunter den verschiedenartigsten Verkleidungen. Auch Pnrimipiele wurden gern anigciührt lwch dem Beispiel der christlichen Fastnachtsspiele. Mit Vorliebe wurde zu diesem Fweck der ston des Eslberbuches dramatisch bearbeitet, doch mußten auch andre biblische snjets, ivie die Geschichte Josephs und seiner Brüder. David und Goliaths. fiir derartige schau? spielansstthrungen berlkilten. .'in Mitwirkenden zu diesen Spielen gaben sich gerne die Taliniiöjiinger her. Am Airsange des Ix Jahrhunderts wurde ein solches Dilettantentbeatcr in Frankinrt a. M. einen ganzen Monat hindurch zur Ausnihrnng gebracht und erregte solch ungewöhnliches Aussehen, daß sich niclit nur Inden, sondern aiirfi Ebristen zu diesen Borskellungen drängten. Das Piirinispiek bat auch später bei den Juden in-hohem Aniebeu gestanden, selbst die Rabbiner erhoben dagegen keinerlei Einsprache, ja ließen sogar übermütigen Anssclireitniigen. mit denen am Purim ort die (Grenzen des Erlaubten überschritten wurden, freien Laus, so m es verständlich, daß sich im Volksmnnde das bekannte Sprichwort bilden konnte: „Am Purim n't alles frei!" Leider hat es heute einen große» Teil jeii es Einflusses aus das jüdische Gemüt verloren. Die lustigen Begleiter des Festtages, das schenken, das Verkleiden und di! Purimspiele lind aus der Mode gekommen, und das Volksl Den, das den üarneval erst ernröglicht, fehlt im Galuth. Dc S ist sehr zu bedauern, denn Purim bildet ein interesiantec Kapitel des jüdischen Volkslebens. Das Ehanukkahjest ist zu hohen Ehren gekommen, und ivenn auch Purim nicht so heroische vriemeiilc ui sich trägt, wie der stampf der Makkabäer, jo liegt doch genug Romantik darin, um üie-Hojsnung zu rechtfertigen, daß es wieder aufleben wird. Das Buch Esther gewinnt eine Vvrzngsbehandlnng. Rührend kein einziges Buch, das über die siege der Makkabäer berichtet, kanonischen Itaug erhielt, hat das Buch "E sther, dem der Talmud eine läiijere Abhandlung widmet, einen Platz in der Bibel gesunde >. Besonders aber in der allgemeinen Literatur ist das Buch beachtet worden. Reben zahlreichen wissenschastlicheu Aussätzen jüdischer und christlicher Gelehrten-bildet das Buch Esther in den letzten sechs Jahrhunderten eine Fundgrube für Klon ödien, ernste Dramen und Dperetten. Die Bibliographen zählen einige hundert Dramen, welche die Geschichte Esther b Handeln: sie sind in allen wichtigen sprachen geschrieben u id teils verlegt worden, teils in verschiedenen Bibliotheken vorhanden. Baron James Rothschild besitzt allein 13U Dra ucn darüber in deutscher, englicher und französischer spräche. Der große Gegensatz zwischen der stolzen und eingebildeten Vaichti und der schlichten und anspruchslosen Esther, zwischen dem uuversäiämten und zudringlichen Antisemiten Haman und dem einfachen.und gutherzigen Mordochai, der dem Ztöni >e das Leben gerettet hatte, die verschwenderische Pracht des Königs, und die großen Festlichkeiten, die beinahe ein Jahr lauerten, der leichtgläubige und schwache Eharakter des Uöniz s und seine übermäßige Neigung zu Esther, der unvermutet: Sturz des Jaman und die Erhöhung des Mordochai, die plötzliche Umgestaltung der königlichen Politik ■—, alles dieses zab Dichtern und Schreibern Material, schon im U. Jahrhu idert gab es iranzösijchc,, deutsche, polnische, englische, russische und hebräische Dramen. ivelche das Buch Esther znm Vorwurf hatte», die teils sogar gehässig und voreingenommen waren. Einige katholische Schreiber entstellten das Buch und mähten daraus ein Dramc, in welchem ne die jüdische Ration v»i -Haß und Reid erglühen ließe», so taucht im 1<>. Jahrhundert die tragikomi'cite Legende aus, daß Abasverns der wandernde Jude sei, elme jedoch den Fnsaiunienbang des Ahisverus mit dem Inder zu erklären. Einige benutzten die Mei ulten dieses Buches, ui i in ihren Dramen gutbekannte Politiker anzngreifen nrd berabznziehen. In einem solchen Urania Mir Cardinal iPolsen, der stolze Pemierminister Heinrichs VIII., als böser Mrman gezeichnet. Die meisten dieser Dr.rmen habe» leider nur sehr geringen dramatischen Ü'öcrt, mit Ausnahme des Meisterwerkes „Efiber" von (lirillrxirzer, welches unvollendet ist. Von den zahlreichen hebräischen Draimsn „Esther" von denen einige satirisch sind, bat keines höheren einmal „Aliasverus" von (Goldfaden. Das bete Drama. welches nie seine Bedeutung verlieren wird, is Esrber selb». B>ert, nicht das Buch FemsprecfrAnlaaen jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühlampen-Zentralen, Haustelephon-Anlagen tn höchster Vollendung ln Kauf und Miete führen aus DresdnerPrlvat-Telefon-Gelellfchalt Femspr.-Sammel-Nr. 25631 DT6S|IC0~A«1 Wilsdruffer Straße 15 A uskünf te-und Ingenieurbesuche kdstenlos und unverbindlich

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