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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Nr. 2 Seite 11 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden malischen Arbeiten isl »och besonders zu vernierle» seine drei bändige (beschichte der Berliinsr Arbeiterbewegung, die in den Jahre» UXX» bis 1!M-erschien. In den Jahren 1!>11 vis 15H."5 gab Bernstein zusammen mit Bebel den Briefwechsel zwischen Marx und Engels heraus. In dieser Zeit bereitete ihm, wie allen, die sehen und höre» konnten, die .Kriegsgefahr große Sorgen. 1011 brandmarkte er in einer Schrift „Tie' englische Gefahr und das dentfche Volk" die ans einen Lrieg hintreibende englandfeindliche Politik des Reickzes; in der von dentsckn'r Seite gegen England betriebenen Hetze erblickte er hie wirkliclie „englisclre (B'tahr'. Im Jahre 15)13 trat er. entßegen der .Hriltnng der Parteimehrheit, gegen die Wehrsteiiervorlage ans. Bei Ausbruch des .(iriegesj hat Bernstein zunächst für Betvilligung der' .(kriegskredite gestimmt. Er ivar überzeugt, daß Rußland der Urheber des strieges sei, er sah in der Ermordung Ianrös' ein Werk rittsisckier Agenten. „Nur so kann ich cs mir erklären ", berichtet er, „daß ich in jenen Tagen alle die großen Gesichtspunkte vergaß, die dagegen sprachen, daß die Sozialdemokratie durch Bewilligung der Ziriegslredite an die Regierung Wilhelms II. sich des großen politisch,, Kredits beraubte, den sie bis dahin in den Temokratien Europas genossen hatte und der gegebenenfalls sich als ein bedeutsamer Aktivposten für das dentsclie »Volk hätte belehren rönnen." Im Juni 1015 aber erließ er bereits, zusammen .mit Hugo Haase und Ztantsky, einen Anfrnf („TaS (B?bot der Stunde"), in d«pn es hieß, der .(tricg habe seinen Eharakter geändert, man mute der Sozialdemokratie wohl die Bewilligung der Kredite zu, gclvähre ihr aber keinen Einfluß ans die »riegspolitik: die Bertretcr der Sozialdemokratie müßten sich der Aufgabe getvachscn zeigen, die die veränderte Sachlage ihr anferlege. So war Bernstein durch die Ablehnung des .Krieges wieder .stautsky nahegekoinmeii. Er schrieb nun auch wieder in der „Neuen Zeit", von seinen resorinistischen Freunden, von den „Sozialistisckien Monatsheften" aber mußte er sich trennen: so entstand die Unabhängige Sozialdemokratische Partei, und jUKir gegen beit Widerstand Bernsteins und .(rautskys, die keine Trennnn^ ivollten. Nach dem Umsturz ivnrde Bernstein Beigeordneter im Reichsscl-atzamt: es entsprach dies ungefähr der Stellung eines Staatssekretärs. Taß er bot) Weimarer Nationalversammlung nicht angehörte, hat seine Ursactze darin,, daß er kurz vor der Ausstellung der .Kandidaten aus der Unabhängigen Sozialdemokratie ansgetreten und der Mehrheitspaxtei wieder beigctreten ivar. Er hatte zunächst versucht, beiden Parteien anzngehören, nm so ihre Bereinigung anznbahnen: diese Taktik wurde aber abgelehnt. > Tem Berlangen nach rascher Sozialisierung ist Bernstein mit eingehend belegten Himveisen ans die großen Schwierigkeiten dieser Arbeit entgegengptrete». Ueberall sei selbst im Einzelfall sorgfältige Untersuchung der Sozialisiernngsniöglichkcit geboten. 1020 wurde ^er im Wahlkreis Potsdam 11 in den Reichstag gewählt, hat. dort im SteneranSschuß gearbeitet und vornehmlich an der Steuergesetzgebung der Jahre 15)20 bis 1022 teilgenominen. £s» dieser Zeit bat er auch Gastvorlesungen ail der Berliner Universität gehalten, die später in Buchform heransgekonnnen sind. In diesen Borlesungen ist sein ivissenschastliches Bekenntiiis ivohl in der volikoinme iiten, abgeklärtesten Form niedergclegt. Hier hat er ailch mit der „bolschewistischen Abart des Sozialismus" abgerechnet. „Tie bolschewistische Toktrin mit ihrem Arsenal von Marx entlehnten Schlagivorten sei so sehr ein vergröberter Marxismus, daß. während dieser gerade die Grenzen der Macht des Willens in der Geschichte zur Erkenntnis bringt, der Bolschewismus als Toktrin sie tendenziös ignoriert und in einen Abergl inben an die nnbegrenztc Schöpferfräft der (Gewalt verlänft, der in der Praxis der Vater einer unheilvoll stümpernden Erverimeukiererei gewordeit ist." Alt der Schtvelle des biblischen Alters stehend, blickt Eduard Bernstein heute auf ein reiches Leben znrück, reich an Erlebnissen nird reich ait Leistungen. Und mit der Freude, die, Goethe zufolge, der Brave an seiner Tat enlpfindet, freut er sich, daß es ihm vergönnt um für die Besserung des Loses der Unterdrückteit zu wirken. Noch ist seine Arbeitskraft und Arbeitslust nicht ersclwpft. Noch können diese klugen Augen blitzen aber eS ist nicht mehr das Feuer des .(tämpfers, sondern der Glanz der Weisheit und der Güte. Weiße Wochen Beginn*. 3. Februar 1930 Wir bringen in d iesen Wochen weiße Waren aller Art, welche zum Teil eigens -für diesen Zweck aufgestapelt, zu enorm billigen .■ Preisen zum Verkauf Staunenswerte Innendekoration Hermann Hetz Das Warenhaus am Postplatz

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