Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (2.1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 meinde Dresden Gemeindeblatt der Israelitischen ReligionSg <R-ttos, nud dies iiieinde sranzöü'cher und bölnniiäle-r Hilden. Aber schon damals gab es mir io viel Tstjnden chs Wen- »nd ,-jeiitraljnden Allerdings strebe^ die bier in Amerika Geborenen heran-:- in zusammen. Allerdings waren diese Tstjnden fast alle in den letzte» ii'hii fahren eingewandert, die noch in geschlossenen schlossenen Ansied iingen allmählich verschwinden^iverden. iveil Manen in besonderen Stadtteilen wohnten, und die deshalb der neue /Zuzug fh iebr-langsam die Spractx- »nd die ('k’lminctK’ des neuen Landes aiiinabmen. Nr. 2 besteben znm grasten Teil noch überall. Eine kleine Answandernng nach Amerika ging schon seit iasr bnndert fahren ans Bolen, Galizien »nd Rumänien vor nch aber nur in verbältnismästig geringem Maste, erstens, weil der Snicf vis vor vierzig fahren nicht sehr stark ivar, »nd n-en a»ä> die'e M'aiien unseres Volkes ganz bedürfnislos 'in >'>etto die>er östlichen Länder lebten, »nd auch wohl, weil die Mittel zur langen Reist' nach Amerika absolut fehlten. Bon l''7> an. als Bestarabien nach Säilnst des Russisch- Türkischen Krieges endgültig dem Zarenreich einverleibt N'nrüe. gingen groste geschlossene Manen ans dieser (stegend 'ort. und das war der Anfang einer.nnmer -stärker »'erdenden Ansivandernng nach Amerika, ^e stärker der Truck. der Verhälrnist.- durch Vogrome und durch Borköttiernng einerseits und durch Emanzipation anderseits wurde, desto starker wurde dieier Avstrom nach Amerika, bis allmählich fast die ststiltte der ^nde» des alten russischen stteickx-s ihren Weg nach Amerika aeinnden batte. ihit vollständig anfgebört hat. Tiefe.reichlich drei Millionen unseres Volkes, die in den letzten dreistig bis - vierzig fahren eingenxindert sind, haben aber das ganze jüdische ^.'eben erfrischt und neu-belebt, und da dieser groste. plötrliclte /jnsrroin noch die ganze Atmosphäre der östlicktz-n (stettos trägt, ist es beute schwer zu sage», nüe die Weiterentwicklung in der Enst Amerikas sein wird. Vis vor zelm oder fünfzehn fahren bestand eine fast voll ständige geiellsclxiitljche Trennnng z'.vischen den alteingesessenen dentickieii Hilden »nd diesen Misrachjnden: aber in den letzten fahren sckieint diele Trennung schwächer;n werden. und es ist keine Ausnahme mehr, dast die liier geborene» srinder dieser getrennten (strnppen sich miteinander oer heiraten, »nd dast dadurch eine allmähliche Verschmelzung an ge stabnt ist. Roch bestehen starke Vorurteile und absolute Schichtungen ziviscivn diesen (strnppen. aber man siebt schon eine Möglichkeit des Zusammenkommens. Run kommt eine ganz neue Erscheinung. Ein groszer Teil der scpbardischen ^nden. die vor >7>H fahren ans der Iberischen -Halbinsel vertriebe» wurden, batte sich in den Balkan Znianrinenfastend kann man sagen, dast die Einivandernng ' on 'epliardischen Waiden schon bei Veginn des vorigen Jahrhunderts abgeschlossen war: dast von Napoleons >. Zeit bis l^ln die groste Einwändernng ans Süddentschland war. dast von lN-Mi bis 1-s.mi ^nden' ans Prensten. besonders ans den Brovinzen Vosen. Tst und Weskprensten. und ans Oesterreich lind Eliast estiwanderten. und dast diese Elemente, obgleich noch vollständig getrennt lebend, doch schon den gleichen amerikanischen Eebenssrandard »nd die gteictx' Lebensart erreicht batten. Tast - dien- Hilden schon dnrchiveg englisch iprecivn und in jeder Weile versuchen, sich dem amerikanischen Standard über Erziehung, Eebensweii'e und Religion anzn vasten. Ve''onders die deutschen Hilden, die bis jetzt die tonangebenden ivaren. da das sepbardüche Element fast voll ständig verschivnnden ivar. ivetteiierten in den -verschiedene»!stro»;städten. ivelche istemeinde am schnellsten alte jüdisclze,(stebränche abstosten konnte, und als ich in Amerika ankam. ivar der istottesdienst in den iogenannteii jüdischen Reiornigemeinden kaum vom (stottesdienst in einer liberalen christ lichen >tirche. wie;. B. der Unitarier oder der Universalistischen (steineinde. zn uitterscheiden. Auch gründeten sich schon damals überall sogenannte elbische Stnltnrgemeindcn. in der sich Hilden und Ebristen gemeinschaftlich zniu (stottesdienst zu 'ammensanden. obgleich auch hier in diesen Sirene» ganz nnbeivnstt eine absolute Trennung im gest'llschaftlickx'n Verkehr zivischen nichtjüdischen und jüdischen Mitglieder» bestand. Man gab nch keine Rectiensclxift über diese Tatsache, aber ne. bestand. Es i'ah w ans. als ob in einigen Generationen die »^nden Amerikas stch vollständig mit den vielen anderen Bestandteilen der verschiedenen Völker assimilieren ivürden. und dast" ibre besondere Eigenart im Schmelztiegel Amerika verschwinden würde. ländern, die unter tiirfiidK'r -Sährschgst standen, ansässig gemacht: auch in den Inseln des ältlichen Mittelmeeres lind an der mrischen stüste. x'n den sortiväbrenden siriege». die gegen das osnianische Zlteich geführt ivnrden. verloren diese fast ihr ganzes. Besitztum. und auch die Ciiin-l» und die Hilden, die dort nwlmten. tainen unter .Herrschaft von Völkern, die ihnen nicht io gut gennnt waren, ^tbr Eos verschlechterte sich so, dast Tausende dieser nipbardischen ^nde» gezwungen ivaren, Hans nnd wn» zn verlosten, und io kamen sie von 1 (H)S bis Ist 17, in groste» Masten in Amerika an: nicht als wohlhabende Sianflente. wie ihre Vr»der vor. 174i fahren, sondern arm und verlassen und der Sprache nnknndig. und mit einer ganz fremden Weltanschauung. [ Schnlipuher. Strastenarbeiter. aHrii* »nd ,Trnchthansierer wurden sie'in Amerikg. und so wurden'sie. und so lind sie beute noch die älensten der Amerikajnden, lind der schon längere..seit hier aniästige Misrachjnde betrachtet dienlepliardischen Hilden als. Menschen niederen Rmiges. Und io bat sich der Ureislanf vollendet. Ter Sepliarde. der sich weit über seine dentiche» Brüder dünkte, betrachtet es beute als groste Elire vom ärmsten Tstjnden ansgenommen zn werden! Wenn man in einer kurzen Eebensspanne diese ganze Entivicklnng in Amerika selbst gnitgemacht bat, die doch gar nicht anders ist als die allgemeine Eebensgescbichte iinieres Volkes in den letzten tausend fahren, dann begreift man so recht, dast wir von unserer langen Eeidensgeschicbte wenig gelernt haben. So schnell sind wir bereit, unsere ärmeren Volksgenossen;» meiden und zu mistachten, meint es »ns geinngen ist, festen nnst irgendwo.in der Welt zn fasten. Und jeder, der einen knappen Vorsprung erreicht bat durch/ Verhältnisse. die er selbst gar nicht geschaffen bat. fühlt sich hoch erhaben, und so und wir unser eigener schlimmster sveind. Tann kam der mächtige Zustrom ans den Gettos des üstens, und es bildeten »di in den Groststädten Amerikas neue Inserieren Sie im israelitischen Gemeindeblatt? 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