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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-02-01 · 2 (2.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
2 (2.1930)
Date
1930-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Leite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden -7-:-- Iudenfchickfale Eine Betrachtung über die Geschichte der Juden Amerikas Von I^lkrmLnn>5 c lt o c k e n , Dresden Nr. 2 \dt »»erbe oit antgeiordert. über 'Jlmei ifa zn iyrcdteit. lieber 'Jlmerifa-iin allgemeinen zu ibredtcii in eine iinendlidte •Jliirrube. und e-? in fritou io viel 'JlüiU'nu'iite-;- darüber iiciant ivorden. dar. idt e-? für viel wichtiger halte, für jüdiictie tiefer vorerst da-? Judentum Amerika-? zu beipreclteu. 2lber andt die>e Aufgabe in zu vielseitig und faitn von vielen ('ieiid)te-- riiiifteu au? behandelt werden. Mir liegt daran, mehr als einen flüchtigen Bericht zu geben, darum bin idt gezivnngeu. mein Thema ..Das amerikaniidte Judentum" in Avteiliingeii ui teilen und biete einzeln zu behandeln. , Lei 'Anfang einer Abhandlung Uber Sic! Juden Amerikas iii ganz natiiriidt die Frage: ^h>er sind die Juden Amerika-?^ Kolter-naiiimen ne. und ivie und ne dahsii gekommene Wenn id> dieie fragen eingehend und klar'und wenn an.dt notgedrungen kurz behandle, io wird iidf ein Bild des ganzen liiSiidten Gebens der Well anfrollen. denn die Inden Amerikas nnd an-? allen Weltteilen, znm groizen Teil in den letzten hundert Jahren und znm allergrößten Teil inde» letzten vierzig Jahren hierher getommen. - Lie iind nidn znm Bergnügen nadt Amerita getommen. sondern ite haben sdtiveren Herzen-? Länder verlassen, in denen ihre Boriabren. meistens idto» viele Generationen Hindurch gelebt hatten. Lie haben .\xm-?. Heim und Familie änsgegebon und haben den Lvielplätzen ihrer Jugend und'den <Arabern ihrer Allernächsten für immer den Rücken gekehrt nnd find in ein neue» üaiib gezogen, denen Gebräuche und def'en Lvradv ihnen fremd ivar. nm sich unter fremden Men'dten eine neue Eiistenz zu fdtafsen. Ta-? tun M'enidten gewöhnlich nur. ivenn >ie. von bitterster '.'tot dazu getrieben iverden. lunh Religions-Verfolgung kamen die erneu Engländer, Hnrikaner nnd Dnäker. unter Führung Wm. Penns nadt den nördlichen Ltaaten und nadt Pennntlvania und die erneu engliidten .nalholiken nadt Maryland, lind io kamen andt die erneu Inden nadt Amerika an? Religionsverfolgnng. Hnnger und 2>ok. ■Sa? uh nun 'agen »'erbe, iii keine abiirakte Abhandlung, an? allerlei gelehrten Geidndtt-?biidiern znsammengetragen. iondern es ist znm allergrößten Teil „Lelberlebtes". Id) kam vor et:va-? über Ist Jahren nadt Amerika. Damals lebten im gaitzeit Vande knapp »1 *wmt Inden, »nd letzt ivohnen in der Ltadt blenvork allein zivei Millionen nnd im ^cutbc Amerika vier nnd eine viertel 'Million Inden. Alfa die große Einlvaiidernng habe idt mikerlebt. Idt habe diese mehr als drei Millionen meiner Mitjnden geieben, dl-? ne in großen.wrbeit iitetiteii-? im Fwifchended arm und verlassen nnd der Lpradie nnd der Litten de-? Vanöe-? »üht kundig, in Amerika ankamen. Idt habe mit ihnen gelebt nnd habe ihren sdtiveren (lampf. Fuß zn fassen ans fremder Erde, beobadtten können. Idt habe ihre Rot. ihre Verzweiflung mitgefühlt, habe geiehen. une viele zngrnnde gegangen find, habe andt gesehen, wie sich die meinen bineingefnnden, bineingele/tt. hineinaearbeiket. hineingeicltoben Haben in-? amerikanische Leben. Einige find moralisch zugrunde gegangen. Biele haben ihre hohen jüdischen Ideale verloren nnd sind grobe Materialisten geworden. Lie find alle »odt im Gärungsprozeß begriffen. Es.brodelt und id'änmt. nnd es ziidtt nnd schlägt oft Ldtlamm auf: iver heule oben in. kann inorgen unten fein. Das ganze Leben fdieint »lateriälistiidt eingestellt zu sein., »teil jeder ganz losgerissen ans feiner alten Umzäunung invIstampfe iteht. ndl eine Ltcllnng zn idtaffen, und weil jetzt itodi die ganze geiellidtaftlidte Ltellnng von weltlidten Gütern abhängt. Aber »in die vielen Gotteshäuser aller religiösen Richtungen Herum und in den Bnai Brit und anderen Logen, die soziale .sMlfe betonen, und in zioniniidten si reifen, die ganz auf Idealismus und Ci'ieru'illiflfeit eingestellt nnd. kristallisiert fielt allmählich ein neues geistiges Leben, das vielleidtt unserer großen Bergangenbeit iviirdig iverden wird. Bor etwas über Hundert Jahren lebten in Amerita knapp OOOO Inden, fast alle in Nenyork und Philadelphia. Das ntaren ineiftens sephardifdte Juden- Wie kämet die hierher^ Es ivird jetzt von ernsten ltseschichtssorfchern lals fast sidzer behauptet, daß .Oolninbus, der Entdecker Amerikas, Jude war. Bon Mutter-? Leite soll er ans einer angesehenen jiidisdten Familie. Ponte Rosfi, stammen, und von väterlidter Leite von der alten italienisdten Fainilie Eolloin. Ganz fidter, daß er als Fiirspredter am -vtofe Ferdinands und Isabella von Lpanien drei Marranen igeheime Inden) hakte. Louis ' de Lantangel, (tZabriel Landtez und Inan Eabrero. Diesen gelang es-, It'abella so für die Entdeckungsreise zu begeistern, daß ne bereit tvar, ihre.gronjinvelen zu verkaufen, iins.das nötige Geld aufzubringen. Das >var nicht nötig, weil Lantangel ans privaten Mitteln 1700 Dukaten (100 000 Dollargab. Wie Professor B. Adams richtig sagt: Nicht Juwelen waren die Finanzbasis für die Entdeckung Amerikas, sondern Juden. . Am 22. Angnsk 1102 segelte Molumbuo nach dem Westen. Der jüdisdte Professor der Astronomie Abraham kfacnto ans -Lalamanca, die zwei jiidisdten Aerzte Marco nnd Bernas nnd der Dolmettdter Louis Torres ntaren seine Begleiter ans dieser ersten Fahrt. Am 23. August 1-102, einen Tag nach der Abreise. tvaren 300 000 Inden gezwungen, Lpanien, das schöne Land, das für viele hundert Jahre ihre Heimat gewesen war, zn verlassen. Wie eine Gottesfügung eridtciitt das, wenn man heute daran znriickdenkt. t Lchon im Jahre 1 ."> 11 führte die spaniidte Regierung die Ingnisikion gegen die Inden in Liidmnerika ein. Im Jahre inil in Mexiko. Als Holland Brasilien im Jahre 1021 von de,, Portugiesen vorübergehend eroberte, lvanderten viele iephardifche Inden dorthin ans: aber als die Portugiesen daS Land im Jahre lOä-t wiedereroberten, flohen diö Inden nadt den französischen .Kolonien Martinigne und Eayenne. Tnrdi Edikt Loni-?' XIV. tvnrden ne von dort vertrieben nnd flüchteten nadt denzwei holländifdten »olonien Enrmgo und Neuamsterdam, dem heutigen Nenyork. Audi der englifdie Duaker Roger Williams, Gouiterneur der benadtbarlen englifdten Moloitie Rhoda Island, gab den Juden Religionsfreiheit und Redtt zur Anfiedlung. Erft im Jahre 1727, als Nenamsterdam sdton viele Jahre in englisd-em Besitz war nnd Nenyork hieß, ivurde die erüe Lynagozze Nordamerikas erbaut. ,jur :jeit der amenkauisd>e» Revolution lebten in den 13 Kolonien knapp 3000 Inden. Im Jahre 1730, als die Momtitiitioit für die Bereinigten Ltaaten von Amerika angenommen ivurde, Ntar es das erste Land der Welt, das den Juden gleidx' Bürgerrechte gab. Aber io stark ivar das Bor- »rteil gegen Juden, daß sich gegen die Bestimmung der Konititiltion allmählich ein Passus eiuidileidteti konnte gegen das passive Wahlredtt. Erst im Jahre 1321 nadt langen, erbitterten .stämpsen. denen die Republik die Trennung von Liird-e und Ltaat zu verdanken bat konnte dieser Passus gestridzen werde». Als vor etwa hundert Jahren deutsdte und andt ein paar -ostjüdiidte Emigranten in Nenyork ankamen, wohnten im ganzen Lande etwa 0000 Juden, fast alle Lepbarde». Die erste größere Einwanderung jüdiidter Massen kam ans Liiddeutsdtland in den Jahren 1327, bis 1310. Was veranlaßte diese Ausivanderung^ Napoleon hatte am Anfang des 10. Jahrhunderts den Juden im Elsaß, in Lud- und Westdeutidtland Religionsfreiheit gebradtt. so daß die Ldtreden des (Ghettos ndlösten. Tie Metternichsd)e Reaktion hingegen bradtte große Unzusriedenlteit. und die Jugend ans den kleinen Dörfern. Liiddeutschlands hatte kaum Fuß gefaßt in der freieren Luft, als ihre Lage fdtlediter wurde: und diese jungen Leute sind notgedrungen zu Tausenden nach Amerika ausgewandert. Man hörte, daß es den Glaubensgenossen in der neuen, freien tssepublik sehr gut ging. Lie ivaren ja die Großkaufleute, Bankiers und Finanzlente.

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