Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (1.1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/4892693-5739404-5769939--1420-4894027- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 1 tZZeineindebla 1 t der Israelitischen Neligionsgemcinde Dr tis!d c n | Fra«; Rosenzweig | Lene i reicht imenuiutot trifft die unnde vorn Tode ^rauz Posen »weigs das jüdische Deiitschland, die jüdische '.hk'U. 2o bekannt sein 2dwtU‘ii, so volkstüiinlich allmählich sein Paine geworden Ivan, so wenig war isas lUiortijrium verborge» ge blieben, das hier einem Meiifcheu auferlegt wurde, der di>? höchsten Höhen des (Geistes erkloinnieu batte., aberschwerstem körperlichen Diechtnin anheinigefallen ivar! ,^raif; Posenzweig, in dein Peiche jüdisches Wissenschaft läiigst >Zn hoher t^eltung gelangt. war eine jenör (Gestalten, deren Datei» auch die (ZZesamtbeit fühlt, obwohl es nicht nninittelbäv zu ibr spricht, er war ein Velirer der! lehrenden, ein <üeist^ der hip endlich befruchtend wirkte, auch ohne das; sein Wort injui Mund . >11111 Ohr der Allgemeinheit dtjingen konnte. ,>ranz Posen ziveig war lv^ii in /»lasset geboren. 'sii gepflegter llmnobmin verbrachte! er seine Engend. jik eineni Hanse von alter jüdischer, abct auch künstlerischer lleberlieierung. Ausbildungsjabre. nnb^lastet von den Dörgen des Alltags. schufen durch eine sorgfältige Erziehung eine nicht ge ivöhnliche Allgemeinbildung, ans.deren ttZrnndlage er znnächst den Berus eines Arztes'aufbanen ivollte. Bald ge»i,gt ilnn dieses praktische Dtndinni nicht mehr, er gebt zur t^eschichtsforschnng über und wird in Berlin Dchüler Meinekes. Dein erstes Werk „Heftel und der Dtaat" zeigt, wie es ilnn,gelungen, war, die tiefen philosophischen /snsainincnbänge deutscher t'ic fchichtscntwicklnng zn erfassen, deren Erforschung ihr» danials noch Lebensaufgabe schien. Aber schon in dieser /seit hatte, ihin selbst fast nnbewusjt. in seiner lveisieswelt dap jüdische Element die^Dberhand erlangt. Der Einflns; des Alterswerkes von Herniann Eohen führte ihn zur Philosophie, die er durch beachtenswerte Dchriften bereicherte. Uird auf diesem Wege fand er, das; die tiefe Perbnndenheit zui» Judentum, die in ihm schlummerte, ibn zu jüdischer Arbeit drängte.j das; sein philosophisches, sein geschichtliches wissen, sei» sprachliches .uönneu nur dann bleibenden Wert gewinnen konnten. wenn er sie in den Dienst jüdischer Wissenschaft, jüdischerAufgaben stellte. Posenzweig war damals uickft-Anhänger einer positiv jüdischenPichtnug. Er war in jenen fahren der 3iuiio nach . seiner eigentlichen Bestiininnng nicht orthodor, nicht /sioiiisl. denn er wehrte sich gegen die Abstempelung seiner Persönlichkeit mit dem /seichen einer Bewegung, deren Thesen er damit voll anerkennen sollte. Deine Wesensart hatte eigenen Dtil und lies; sich die Delbsländigkeit nicht nehmen. lliid durch eigenes forschen erschloß sich ihm schlieszlich der Urgnell des Iudentums, die Propheten zogen ihn zuerst an. der Talmnd wurde später der Magnet, der ihn ilicht mehr loslieb... Die Entwicklung seines Werkes nnterbrach die brutale .Katastrophe seines /Zeitalters, der.Urieg. Aber in de» Unter ständen in Polen und Mazedonien erkannte er klarer als andere die (tZebotc der /Zeit. Bon dort richtete er an Herma»» Eohen den offenen Brief „/Zeit isl's..., (tZedanken über das Bildungsproblei» der (tZegenwgrt". Hier tvnrdc ziim ersten Male der (Gedanke der „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" klar entwickelt, uüd feiten war einer Anregung wie dieser der unmittelbare Erfolg beschieden: die von ilmi geforderte Akademie trat so ins^eben. wie er sie vorgezeichnet batte. Dabei ging es ilmi nichts »in die Wissenschaft als solche, losgelöst vom -^eben des Tages, jüdische Wissenschaft sollte . die Perantivortnng für das Dein des Indentnins übernehmen und durch ihre Leistungen es wor Angriffe» decken. Dtets war fein Dchaffen von diesem jÄedankeii getragen.; Noch eine an de re Delbstbesinnnng brachten ihm die. Satire des soldatischen Gebens. Plülosovlüe nnd Tbeologie. Wi'sen schäften, deren .Aenfzerünge» er in nng»chenreni /Zas'iings vermögen in üch ausgenommen balle, schiene» Berlocknngen z» bilden, die an der jüdische» t'Zriindlage seines,Wesens z» rütteln begannen. Da entstand-in ibm der Plan zn seinem Hauptwerk, dem ..Dtern der Erlösung", in dem er in einer meisterhaften /'glianimen'assniig tbeologischer und vbilo sovlüscher (>irn»dsäve es verstand, eine» Wall um die eigen! lich jüdische Tbeologie zu bauen, ne i» eine ,»orm moderner Wissenschaftlichkeit nnd modernen Lettens )» gier,en. die iveg weisend werden sollte für das Pingen einer ganzen EZene ralion. ..Der Dtern der Erlösung" stellte ibn mit einem Male in den Mittelpunkt der Bestrebungen. die i» den ^abren nach dem .Uriege eine.Peiiaissaiue jüdischen ('Zenibls herbei führen ivollte». Martin Buber tral'in fein Z/eben. A'ebemias Nobel flöf/te ibm feine Begeisterung ein. als er nach ,>ra»tinrt überüedelte, >pn dort das südliche ^ebrhans ins Eeben Zu rufen. . . . >ianm ei» kurzes ^alir »ngrbemnilen Dck>»inens balle ibm das Schicksal noch gegönnt. Eijne'.furchtbare Ertrank»»,;. eine .uopigrippe, e'rfafzte ibn nnd 1 iilf; seine» >törver allmäblich ab sterben, 'Aber sein (')eiii unterlag nichl. iveil er nicht inner liegen wollte, 'm sieben ^alnfeu nngeltenerlicher Mübe. \u letzt ohne die Möglichkeit ielbii d»ngeringsten Pede oder '/>- wegnng, schuf er ein Pernändigiingsslislem. das der üch ibm aniopfernden (»Zatliii es ermöglichte, die z'lrbeilen seines (deines iii schrütliche '.'lennernifgen um »netzen. Unter dielen Umständen begann er mit Buber sein Ueberseiziingsivert der Bibel. Berwnrzelt in zivei .Unltnren. meinerle er in gleicher Weise die bebräjiche ivie die deutsche Drerackie. schuf nach.nnd schuf neu. sand überraschende'Erklärungen, tiibiie Wortbil dnngen. die trotzdem dasleben!,. .als seien ne immer so ge wesen selbst sai'l ei» Provlvi. ivar die Dvrache der Pro pbeten seine geistige Heimat. Berber schon batte er mit der Uebersetrnng der t'Zeiänge ^el'tsda Halevi.s üch fitr das grefze Werk vorbereitet, das er nur bi^- -zniu Provbeten ^ei'aias fort 'übren sollte. Nur noch die gewaltige .uralt seines Wollens batte den .uörper so lange ansrechterbalten. bis da-s- »nab iveisbare Ende eintreten. mnszte. Nick» mebr konnte er dem ebrenvolle» Nur als Universitätslehrer rolgen. a.l'er der Wider schein seiner Persönlichkeit n>ar doch so stark geivorde». das-, die jüdische tüelebrtenivelt. die jüdische Engend, das strebende nnd forschende ^ndentnin überlt»i»vt in ibm allmählich Mittel vnnkt und ,Tiibrer geseben balttfn- Ein Held., ein Märtnrer. ein. Prophet, ein Ü»ntit von zeitloser l'Zröfze so lebte er in nnierer Milte, als gebender fast bereits eine sagenliane'!>>esiall, beiile schon'eingereibt in den .Uran; der t^roszen, der Pvrlsilder nnd Führer;» einer besseren /Znknnft. , » z'lm Donnerstag, dem l-, Dezember, wurde /»ran; Posen ziveig auf dem nene» jüdischen! /Zr-iedboi in?»rg»l>i,rt a. M. zur.letzten Nube gebettet, ivo ibm die Israelitische lüemeind«- sx-ranksnrt a. M. das erste t'irab in der Ebren.reibe ängeivieien batte. Deinem letzten Wnniche.eiilivrechend. ivnrde ein ruf nicht gesprochen, und in ebnürchtigem Dchlveigen niabm. eine ungebeure Tranerversainniliing. dariinter die erste» jüdischen EZelehrten ans ganz Deutschland, z'lbschied von i>ranz Nosenziveig. Hl " vv 5tou=wercW Kakao Schokolade i Pralinen. i