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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1 Gemeindeblatt der Jsrae litisckien Religionsgemeinde Dresden Seite ä -Hier aiiüen. eigene weitverzweigten Unternehmungen, ja sogar als Boriniinderi» seines einzigen Töchtcrchens zurück. Von nun an erst ist sie die Gracia, die inan bewundert. Sie ivird zur jidischen Politikerin. Xiaiser Marl V., der gegen den verstorbenen Schivager die Anklage des Jndaisiercns erbebt und sein turn mit Beschlag belegt, weis; sie durch ein Darlehen biinstig zu stiniinen. Sobald als möglich aber verlässt sie mit ihrer Familie Antwerpen und begibt sich nach Venedig, jvo seit alters auch unter den Hilden ireieres Leben herrschte aber erlebt sie bitterste Enttäuschung, die ihr nicht von sondern aus dein Streife ihrer Nächsten kommt. Die Schwester, wohl von schlechten Ratgebern beeinilnsst und durch das Testament ihres Gatten verlebt, dennuziert sie als heim liche Jizdin und ossenbart ihre Absicht, nach der Türkei zu fliehen. Nur durch das Eintreten des Sultans -Soleima», an den sich einer ihrer Ressend gewandt hatte, erreicht die tapfere Iran endlich die Ansfiihrung ihres Planes: sie begibt sich nach Monstantinopel und tritt nnu auch änstcrlich zuni Judentum zurück, das sie in 'Wahrheit nie verlassen hatte. -Hier in Monstantinopel, in ihrem schönen Palast Belvedere, beginnt nun eine großzügige Wirksamkeit sür-ibre verfolchen Stammesbrüder. „Schubengel der Marranen". so nannte sie ein jüdischer Dichter, der ibr sein Werk widmete. Ähre' Tätig feit scheint sich nach zwei Richtungen erstreckt zn haben: Ei» mal mag sic so etwas wie einen.Hofstaat bedürftiger jüdischer (Geistesarbeiter nin sich versammelt haben: sie baut Siniagogen und Lehrhäuser, sötzt jüdischen Gelehrten, eine Rente ans, richtet auch wohl einmal einem Dichter jaus der Jamilie der llsguc) ein Bankgeschäft ein (es ist nicht überliefert, mit welchem Erfolge).;^ii gleicher, Zeit, aber greift sic in die jüdische Anstenpolitfk ein. Papst Paul IV.. der finstere Spröszling ans dem Hause der Ebaraffa. batte damals die Juden von Ancona grausam verfolgt. >Donna Gracia erwirkt einen eigenhändigen Drohbrief des Sultans an den Papst, der solches Verfahren aufs schärfste 'mißbilligt. Weniger Erfolg bat die tatkräftige Iran freilich, bei einer inncrjüdiscl en Bekämpfung dieses Widersachers. Durch ihren „Hansrahbiner" läßt sie einen Bann über den Hgsen von Ancona ansiprechcn. verbietet allen Inden, ihre Waren fernerhin noch dort zn verladen, und empfiehlt statt dessen den Haien von Pesaro. >vo der Herzog von Ubaldo den Juden Schub versprochen l»attc. Aber das Schicksal so vieler bedeutender Inden ereilt auch sie: es findet sich ein Gegenrabbiner,'es finden sich Fürsprecher für den Haien von Ancona der Plan komiiit nicht zur Ausführung. Hier scheint die Tragik-dieses'stolzen Lebens .;» liegen' Schmuck,anf der (las; und Mräiik in der Herberg" be!s;t das alte jüdische Volkswort. Die Menge ihrer Glanbensbrüder jubelt ihr zu. Gedichte widmet inan ihr, Lobreden hält man ihr. Aber mit ihren Nächsten »ins; sie in dauerndem Unfrieden gelebt habe». Und das ist nicht einmal verwunderlich: mag es doch den Nächsten am ichwersten gefallen sei!», ihre geistige Ueberlegenbeit. die sich!wahrscheinlich auch ih einer gewissen Herrschsucht ausprägte, anznerkenncn. Immer!wieder hören wir von Streitigkeiten liiit ihrer jüngere» Schwester, die ihr offenbar niemals das Testament ihres Gatt«)» ver ziehen hat: auch ein Neffe, dem! ne Geld geborgt batst'. mns; sich unredlich gegen sie erwiesen haben. Nur am ihrem Schwiegersöhne Joseph Nast. dent späteren Herzog von jNarös. fand sie einen verständnisvollen Mitarbeiter. Im Jahre '76!l ist sic gestbrben. noch nicht! Et) Jahre alt. mitten unter tausend neuen Plänen und Entiviirfen für die Wohlfahrt ihrer Stammesbrüder. Man kgnn-fic sich nicht als Greisin im Rnbesessel denken, Gracia Nast ist die vollkommenste Ans vrägnng jenes jüdischen Jrauenthpns, der in de» alte» 'Be richten immer „did (lrosze Jra»!" genannt ivird. Ei» dnrchans aiidercr Lebeneirlmthinns herrscht iin Dasein einer jüngeren Zeitgenossin der! Donna Grgcia. die ibr an Rnlii» beinabe gleichkam: der schönen Venetiaiierin Sara Eovia Snllam: Dichterin. Philoivpliiu. Jrenndin bedeutender Männer. Jür uns heutige Jrgnen ist diese (Gestalt deshalb besonders aufschlufzreich. weil sie im Meime schon die Eigen schäften der emanzipierten Jüdin des 1\ und beginnenden!!t. Jahrhunderts zeigt: fie „lässt iich's gelüsten nach der Männer Weisheit, Mitnft und Wissenschaft", zeigt-sich wob! zn Seiten azich nicht ganzfrei-von dem Verlange», mit fremdem Jener zu spielen - aber auf der Höbe ihres Lebens - besinnt sie sich und steht fest i»M sicher z» dem „Gesetz, nach dem angetrcten". - . Sara Eopia. deren Wesen etwas von dem höftfcheu Reiz der Jrancn eines Ghirlandaiv oder Erivelli zii eigen gewesen sein mns;, bat durch Jahre hindurch eine im Stile der ,',eit platonisch gefärbte Liebesfreundfchaft zn einem christlichen Dichter ans Genna. Ansaldo Eeha. gepflegt. Ihre Briefe an den verehrten Mann, den sie ^uemals mit Auge» gesehen batte, atmen schwärmerische Bewunderung und ein ivenig von jener weiblichen .Koketterie, wie ne damals i»nd nicht mir damals) üblich war: ihr Bild schistt ne dem Jcrnen. auch eine Arbeit von ihren geschickten Jingern, v.nd versichert ihm. das; 'ein Werk, die „Esther", sie bei Tage und bei Nacht nicht verlasse. Ansaldo Ecba aber will, mehrals die Liebesfxenndschaft einer Jüdin: er will eine Seele retten, .Meiner feiner Briese, der nicht von diesem Wunsche beseelt ist-, (immer neu wandelt er diesen einen Wunsch feines Herzens vor ihr ab. Und sie ist nicht etwa verletzt oder in Versiichnng geführt: mit einer naiven Juverücht zu sich selbst wesst sie ihn ab, will aber dabei keineswegs ans seine Bricfe-.nnd ans seine Momvlimeute verzichten, Gewiß, cr-darr für ihre Bekehrung zur b'hriftju beten: aber dann mns; er ihr erlauben, ein gleiches klebet ftir feine Bekehrung znin Jlidcutlnn znm Schöpfer empor znschickcn. Die schöne Sara inag dies ei» ivenig unvorsichtige Spiel mit dem Jenenvohl später bereut haben. Denn sicher geschieht cs anfänglich nicht olnie Einwirkung dieses damals vielbesprochenen Briefwechsels der Jüdin mit dem Ebristeu. das; sich ein (Glaubensgenosse des Ansaldo, der jiiiigö Geistliche Balthasar Bonftacio ans Rovigo. mit einer viel peinlichere» Anfrage und Anklage an sie weirdet. In einer Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele klagt er Sara an. sie leugne diesen für Inden wie für Ehrtsten gleich heiligen Grundsatz: der Metzerin drohen von ferne Uhou Jnanintio» niid Tribunal. Da richtet sich Sara, die vor kurzem erst von schwerer M'rank heit genesen lvar, ans und schreibt „in zwei Tagen", ivie ste hinziisetzt. ihr „Manifest": eine kurze Widerlegung seines An griftes nnd Darlegung ihrer Stclknng als überzeugte Jüdin die in ihrer knappen Sachlichkeit und überlegenen Bestimmt heit auch heute noch lesenswert erscheint. „Als ich fand", beginnt ne. „das; Ihre Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele an mich gerichtet ist ruid die falsche Behauptung enthält, gerade ich sei diejenige, die eine so hohe Wahrheit bestreitet, da wußte ich nicht, ob ich diese ühcrtiiluic Verlenm dnng mehr bewundern oder verachten solle. Es ist möglich, das; ich in irgendeinem Gespräche mit Ihnen einen philo für SiroJbe und Qe/eilfchoft SEIDENBAUS 54COBX I

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