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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1930-01-01 · 1 (1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
6 (1930)
Issue
1 (1.1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Nr. 1 Sette 4 Gemeindebl itt der Israelitischen N^eligionSgemeinde Dresden iie rau bei Pen oiiöcii: das i orter miiirntteiic- .stapitel. Hier tppi Jüdische Frauenskizzen Von I)f. Lerts ösckt-Ztfaull l ein oft behandeltes, che Jiifle orientalischer Araneitireieunelumij: Eheschließung, (. liescheidnng rein voin Manne aus gesehen, scheinbare Min!>erwertigkeit Vertrau aitr die wichtigste Sphäre jüdischeil Valkslebens. die Welt der religiösen llebnng übertragen. Zn gleicher Zeit iviederuni t'öch'le Anerkennung der Tran in Talmud und Midrasch: sie sei nicht nur 'rascheren (»leistes als der Mann ffiid zugleich eine bessere Menschenkennerin »was mancher neuzeitliche Viffcholoite hinterher initneuer Begritndnng wiederholte) denn schon die kluge Snnamitin habe ilt dein Propheten Elias den Mann (Lottes eher erkannt als ihr (flatte. Sondern sie und seinem Pflichten den srommen Tranen npten zu danken: eine iil»e£treffe den Maim selbst in der i-hn trei?c porbelfaltenen religiösen Sphäre sei bekanntlich die Besreinng aus Aes Tülle äbnlicher Midraschim schließt sich dieser Meinung an. dieser Toppelporgang. Lobredner mrd Tadler Merkwürdig und bezeichnend, daß sich die Spaltung jüdischer Stimmenin der jüdischen Tran. inder jüdischen Literaturgeschichte später noch einmal wiederbolt. In der jiiöud »-italienischen Literatur l's. Jahrhunderts in '.freilich einer allgemeinen Zeit - Kranen ein beliebtes - - v —..- nroiniuig folgend» Lob lind Tadel"de Tbeina dfäfterisclier-Streirschriften. Tä greift Jakob den Elia aus Tano iii seinen Terzinen die grauen aulind Abraham »ns Sarteano zäblt gar alle schlimn en Leiber von Lilit!» eis Giebel in seinen Ladern aut. Dagegen aber erklären sich Tavid ben IebnSa. Elia ans Wenezaiw und andere mit ihren Gedichten, die mein den Titel „Schebvch Naichim" lLob der trauen» tragen. Ist liier Zeitslröniniig der Nenaissance dichtuug nnverkeifnbar. so gebt die alte Ausprägung dieser Toppelnimfifiiifg. die sich in der gesetzt chen Stellung lind der Erziehung der Tran spiegelt, doch wohl ans tiefere Erkenntnis der weiblichen Ausgabe zurück. Nicht Weringschätznng der Ärau als des Weschlechlswesens drückt ivohlerwogene Loslösung der Tran P Oes Mannes und Zuteilung eines eige gabeif. die-nir das Tortbesteben der Wciamtheit vollans ebenso ^nichtig waren, wie dte 'Pflichten dec bekannt, daß nicht mir ein Puch de Pflichten widmet, sondern daß es eimj ganze Literatur gibt., die nch mit ihnen besaßt. Tie'e Pflichten aber beschränken licii nicht nur ans da-?' Hauptgebiet der «Tran und Mutter - „Ehalloh. Niddoh. Haölokob. Und wie Eine soll umgeben nit ihre Zedokob" zäblt das Tranenbnchlein auf —, sondern ui sehr alter Zeit schon' üebt man einen eigenen nitfls-frci; der- Tran Por sich, der über die Pier Wände ihres Hauses hinausgeht. Wenn man genauer zniiebt, io spricht ja auch das Tran, der berübmtc Treitagabend-Psclm. den der EKemann sagte, wenn er ans dem Wottesöiensli eineransgebreiteten wirtschaftlichen über die Wrenzen des eigenen Hansts hinansreicht. Hier 'lndeil wir das Urbild der selbständigen und erwerbstätigen Tran, wie iie schon in jener fernen Zeit nicht eben selten gewesenzu sein scheilit. Tenn schonj der Talmud setzt für solche Tranen Sicifernng des Vermögens durch oöllige (ssiitertrennnng fest. Immer, wieder begegjnen wir dann in der sich hier an.^sondern 5» dem Pflichtenkreise len Bereiches pon Ans Mannes. Es nt ja Talmuds sich diesen Hohelied der jüdischen l beimkebrte. schon Pon' Wirksamkeit, die weit \ (Geschichte des jüdischen Volkes dieser ganz ans sich selbst ge stellten Trauenerscheinnng. Ohne die landläusigen und wick» tigen Pflichten der Haussran nnd Mutter beiseite zu setzen — denn die meisten dieser Trauen sind perheiratet , baut ne sich ans dieser bäuslichen Wirksamkeit ein großangelegtes Unternehmen, an dessen Spitze sie selbst als Organisatorin und Leiterin steht. So ungesäbr diirsen wir uns jene „königliche Tran" denken, deren Vild' Naichi zeichnet: nicht mit llnrecht bat mau in ihr das Porträt einer ibm persönlich bekannteil Trau vermutet. Sie leitet ein großes Unternehmen, überwacht piele Angestellte, und der Siegelring an ibrem Tinger dient nichtzu Schmuck und Tand, sondern um ihre Anweisungen damit zu siegeln. Auch in dem Zirakaner „Trauenbüchlein" ans dem Jahre 1k,77 wird eine dieser ..großen Trauen" geschildert, die einem weitausgebreiteten Hauswesen Porslehen: sje ist eine Königin, wie ibr Mann ein -Ziönig in seinem Hansez.Tie sorgt für das Vieh, noch ehe sie ihre Ztinder ans dem Veit bolen läßt; auch gegen Arme ist sie „liplich". Aber sie schmückt sich mich und ziert sich für ihren Mann, daß sie „wol geielt in seinen Angen und daß er nit feine A ugen gibt aus sremde Trauen . . ." .äein Wunder, daß die Zeit der Nenaiisance, die allein halben den gemeinschastsgebnndenen Menschen des Mittel alters zur Treibeit seiner eigenen Seele leitete, auch im jüdischen Umkreise diese keimenden Triebe zu Poller Ent saltnng brachte. Hier finden wir jetzt eine Tranengestalt. die bielen (»leschlechterii säst znm Losungswort geworden ist - bis sie in unserer Zeit zli Unrecht vergessen wurde. Wracia Naii (.CfJracia Mendesia) entslainmt den portugiesischen Marranen. pon deren neuer Erweckung uns jüngst Ehrenpreis in seiner „spanischen Weife eines Inden" erzählte. Eine der seltenen jüdischen Tranen, deren äußere Erscheinung im Bilde' sestgehalteit wurde. Ein Medaillonrelies, das sie im Alter von ls Jahren zeigt, gibt einen anmutigen Mädchen kops mit klaren, klugen Zügen in der prunkpollen Wewandnng der Zeit, mit hohem Halskcpgen und goldener .stette wieder. Man würde dieser Tran ein ungemeines Schicksal zntrauen auch lpenn man nichts ivoiter pon ihr wüßte, als was ihr Antlitz perrät. Ibr Leben spielt sich in ewigem dramatischen Ans und Nieder von Wliick und Leid ab. Weboren^n Portugal (um 1210), wird sie nach der Litte der Zeit früh an einen Landmann, den Marranen Trancisco Mendes-Nasi, verheiratet. Schon 12:12 stirbt der Watte; die 22jährige Witwe bleibt mit ihrem Töchterlein Nelina in dem umstürmten Lissabon zurück, wo gerade damals die .»tämpfe für und wider die Einführung der Ingnisition lobten. Vergebens versuchten die reichen Lissadoner Inden, unter ihnen auch das Bankhaus der Mendes, das ihr Watte geleitet hatte, durch Weldopser die römischen Teinde^. zu beschwichtigen. Als die Einführung der Ingnisition sicher ist, flüchtet Wraeia mit dem Töchterchen nach Antwerpen, wo ihr Schwager ein Bankhaus leitet. Aber schon damals-beseelt sie der Wunsch, dem Scheinchristentnm. in dem sie ausgewachsen ist, zu entsagen und zum alten Wlauben znriickznkehren. Lchon ist alles vorbereitet, der Schwager will mit ihr und seiner Tamilie das katholische Tlandern verlassen - -da stirbt auch dieser Mann und läßt Wracia, öie Trau, als Haupt der Tamilie und Leiterin seiner Femsprecti-Anlanen jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühlampen-Zentralen, Haustelephon-Anlagen in höchster Vollendung in Kauf und Miete führen aus Dresdner Prtvat-Telef on-Geielllchaft Ü.H.I.IL Femspr.-Sommel-Nr. 25631 0r6Sll6D*A<1 Wilsdruffer Straße 15 Auskünfte und lngenieurbesuche kostenlos und unverbindlich

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