Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (12.1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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reite 6 Gemein »eblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 12 s liniere Zeit bedrängt, er in uns nnd neben uns lebt, s Aiiatomen, er dringt ein ’d\rtlidu\ bas riernnd lriebbane, das die Menschen durch einanderwirft nnd vor 'ich berjagt. Nnn findet Zweig Lbrache nnd ^orm nir das.- ivc '»ergliederk den Meirichen, ivie er inik den nnbeirrten Händen eint in die ver'chn'ieaen'ren >iren;iii gen der Gedanken, er gibt 'einen Gestalten Tdem nnd Trier, er jagt iie nnd beiticht ne lä'-.l ste airseinander'allen niid » r'tört iie. 2o enlikeben die ..'N'vvellen einer Leideii'd'a'l". dir „Amokläufer". der ..Briet einer Unbekannten-, »in nur di,ie liier zu nennen. Es entirebr ..Berivirrimg der Gefühle". jene Titelnovelle ans dein dritten Bande der ...nelie". die e neu Gipfelpunkt im Dcbaifen .hveigs bedeutet, nnd ..Bieriinl zivanzia Dtiiiiden ans dein ^'eben einer Zran". '.Ille Mem'cben Zweigs iind Amokläufer, ven einer ra'enden '?eiden'diast getrieben, die andern ent» zündend mir 'iirdubarem Br.»d. mit ichliestlidi nieder- '.nbrechen. Tie letzte >i s n i e g n e n z ans der li ItZake.il d e s G e * ii h L :• i >‘t d a s 2 v e z i' i k n in ' ii'r die Zweigiche Novelle. Nicht das Hervoraebrechene verbatken. nicht die Beberr'dmna alio — sondern das 2ichi'ingeben nnd Berblnte i. das Beiesieniein in t'Scfctj in die'er Welt. Und wenn Zneig dem Band ..Berwirrnng vie dieie: der l^enible" Zeilen voranievt ..Dir 'ine nian irabr, solang Und nur den BN», oon dein wir uns bewahren, :r gan; entbrennen, stefl BNn un und im Bl»! tief) fennen" ’c gibt er 'elbst die Ideologie »'jeder, ne wollen eben ..Blirr in erkennen -iinö dieier Tanstb im grandiose Timamit der Ziveig ''eine 2vraü'e znm Edelsten eebört. ivas »ns ie geboten ii'nrde. bedar' bier keiner bei» Zweig E'iaybände. ..Baues Geistes" nennt. er seine siegt das Geb^mnis ''einer anstj rordeittlichen Wirkung darin, daü der lebeiststae. zndeiide 2lg'' in eine ziichtvolle. meüer- 'charte 2vrache ae'd'lo''en i>'r. .'.'eben der .>tetie" schrieb inei'ier der Mell. Tnvologie B-'r'nche. Tie>'e mir ivnndervolltin klarem 2trich gezeichneten Männer einsame Graste. die a iS den gigantischen Ge'ügen ibres l'-eines die nnberriickbar.'n nnd ewigen MonnmeNte der Tichknng schii'en. sie nnd i'o wobltnend als Menschen nnd nicht als Heroen geschildert, auch ne ''leben im ...tlampf mit dem Tamon". mögen ''ie i'.'iem'che deinen: auch ne baben des Gebens emvor v.i ibrer 01 ri Welt. Mit derei, Unverstä '.'n'.menbrachen. vor ibrer Geni nne Destojev'sti nnd Balzae. T ''einer Novellen am denen Geist" nnd „Geiit im Blut" rd zur Eiirbeit. ans der die cken Novelle entsteht. Tai; »deren Betonung. Und es nnn .Hölderlin, Kleist oder ich an den W'derwärtiakeiten ne biiign'niiniiben. nnd eben idnis ne Mal um Mal znlität in die wnie an znnnaen. ieie Ziveiaschen Versuche sind keii-esn'lls nur literarische. Von der' Kurve des Lebens »»rd der ">rad der Tichtnna noukran zwistben Ta'ein nnd 2> aus diei'em >kontran die Gen . E''ans nndebenso vbilologi''b ivie vbilosovbisch. ebenso lästernd' wie v'ncholoai'ch n id mir denken dabei mebr an die lnedinuisch orientierte Psti bologie. baeleien. Zweig deutet den ifvt'ü'n und beivein. ivie eben alität ''ich emvorringt. Tie nicht mit dem Porträt allein. aenebmj.ni Tiskretbeit den 'st Ointerarnnd. 2o. wenn er be 2itnation Pren' ei's in den deutet oder bei Niep'cbe ans die beriichtiaten Gründerjabre Ziveig begnügt sich er malt auch mit einer annotwendigen. geschichtlichen 'vielsweise bei gleist ans die Navoleonsschen Kriegen binnach G," Bor allem erschein mit d NN Tämon" tnv'sch ''ür di Einst'iblnnasaabe. 2tesgn Zn Tichter. er in auch ein grober D sjnder in dem einsamen Gesti i'ivv. das die arosten Geister durchschritten und dnrchkämvst baben. II Es kann iveder iiii're '.Ins inis der Band „Ter .Qnintn Ziveigsche iiabezn nnerrcichke eia ist nicht wir ein grosier enter nnd Erklärer, ein Pmd- •,ur Beringung stellende Nanm das ge'amte Merk 2tefan Ziv Mir konnten uns das bereits 2krichen in Erinnerung riiü’i;. nm uns io den Dichter als Mir verweisen aus das :'Ileger über 2leiaii Zwerg, das erscbiciien iir/ labe sein, noch würde es der rechlsertigen. an dieser 2tcllc igs umfassend z» würdigen'. Borliegende in nur ilüchtigen u-:-ge;eichuele Buch von Erwin m ^.-M.-2vaeth-Pcrlag, Berlin, Typus in unsrer Zeit zu vergegenwärtigen. Mas uns hier speziell angeht, ist eine andre nrage. Mir alle willen, das; 2tcsa» Zweig?nide in, das; er als >tind jüdischer Eltern in.Wien geboren wurde. Wir wissen aber auch, das; die Geburt bei eintill Tichter iüdiicher >ioni'ession allein nicht jrenügt.' nm ihn auch als j ü d i s ch c n TillNer zrr kennzeichnen. Wir könnten leider eine Nnzabl jüdischer 2christskelleriia»ieii nenneii. bei deren ..Nlang man eber geneigt wäre, ibr Judentum;u vergessen: denn ibre Mentalität bat lick io weit von der jüdischen entsernt, das; ihr». 'Abstammung das einzige iit, ivas ne noch von ibren nichljüdiichen 2cbriitnellerkollcgen unterscheidet. Wie liegt nnn der ,Zgll bei 2teian Zwcig't Zällt seine Mentalität mit der jüdischen zusammen, bat er ganz bewns-.r einmal fragen, die niis Hilden angebc». in seinen Böerke» berührt, und wie in das Ergebnis gelvefen. positiv oder negativ? Mat er den Mut gehabt, sich zu uns zu beköiinen. nnd bat er bewiesen, das; er einen noch lebendiaeii Zuiammcnbang mit seinen Glalibenstzenosse» besitzt? 2icher lvird man zuerst an den „lleremias" denken. Hier bat Zweig eine biblische, eine jüdische Genglt in den Mittelpiinlt seines Dramas gestellt. Hat ibr eine leidenschaftliche,' eine biblische 2prache in den Mund geleat und iie mit beis;er Angst erfüllt mit das Geschick des bedränaten .Jerusalems. Gewis;. das in ein bewnsztcs Bekennen .zur jüdischen Bergangenbeil. Und doch scheink uns das Drama zu losgelöst, zu sebr iür sich stehend und zu wenig das .Züdiiche betonend, als das; wir es geradezu als ein jüdisches 2lück bezeichnen könnten. Wir sagten auch schon, das; seine?Zdee mebr eine mcin'chbeitliche denn eine jüdische in. und das; sich seine gros;e 2ymbolkrast mebr ans die 2iti>ation Europas nn üriege denn ans eine jüdische bezog. Wenn mir die ,Zrage beantivorten wollen, wo sich 2tcran Ziveig als jüdischer Dichter crivicsen bat, w müssen wir vor allem an die Novelle „Untergang eines Herzens" aus dem Bucke „Berwirrnng der ('lesühle" erinnern. Hier bat Zweig tatsächlich in der Gestalt des Gcbeimen .nomminionsrates Dalomoniobn den Typ des Hilden ivie wir ibn sehen, wenn wir objektiv sind mit einer Bildtrene und Ueberzengnngskrait gezeichnet, die erschüttert. Eine solche Novelle wiegt ein Dutzend der gescheitestem Aussätze über die 2oziologie der e»den in Europa ani! Lalomonsobn bat sich ans cngnen Berbältninen beransgearbcitet. Er bat nach jabrzebiilelanaer Plackerei ein Permögen erworben, einen Titel, eine Billa alles, nur nm die Zran und die einzige Tockter zn beglücken. Er selber, der nch während seines ganzen langen Gebens kaum einen Urlaub gegönnt bat, aber mit zwölr Iabren schon Geld verdienen mnnte, verlangt nicktS iür freti, er will das Geld nur den beiden Wesen, die er liebt, in den 2cho>'; schütten. 2ie nebinen es bin als eine 2elbitversrändlichkeit, Mutter nnd Tockter gleiten durch ibr Leben wie ansgeputzte, »eiertägliche Puppen er aber arbeitet nck bernnter f iir sie, wird ein alter, leidender Mann, .tirnmmbeinig nnd ungebildet, macht er eine lächerliche Zignr neben seinen Damen, neben den Lnriisiveseii. die er mit seinem 2chweis;c ernährt irud vor allem Bösen bewahrt hat. Einmal bat er sich anigerant, den Alltag zu vergessen, nnd ist iür ein paar kurze s^erientage nach Ggrdone aereiir. Es sollten Tage der Erbolnng sein und werden Tage seiner Bernichtung. 2alomonsobn gewährt durch Zufall, das; sich seine nennzehniährjgc Tockter dem erilhenen Lnitikns hingibt, das; sie sich wie eine Dtrasiendirne in fremde Betten schleicht. Deine Welt wankt, das >ileiirod seines Lebens, dieses .ilind, fiir das er sich und seine Lebenskraft aniaeovsert hat, ist nickt mehr wert als irgendeine. Er ist zn sckwgch denn zu sehr ist er den beiden Kranen versklavt —. über seine Entdcckniig etwas verlauten zn lassen. Er srint seinen ganzen Zorn nnd schmerz in sich hinein. Beraeblich vernicht er sich aui.znlehncn nnd die beiden zur Heimreise zu zwingen, en diesen stunden des verzweifelten Umbcrirrens, da der 2chmcrz ihn zerrcisit. erkennt er seine Kläglichkeit. Er in nur noch ein lächerlicher Clown neben den eleganten Francn. er siört sie nur bei ihren Flirts, seine Gegenwart ist in dem Gardoner Lurushotel blamabel, er ist nicht imstande, an sranzösiich gesübrten Unterhaltimgen teilzunehmen, die sie mit jungen Burschen führen. Er beobachtet,