Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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jeitc t4 Gemeindeblatt der Js laelitischen ReligionSgemeind^ Dresden Nr. 8 nur der Ttrafze lag ein gefesselter,-Prachtvoller, fett?r Widder. Ter Fnhrmanu und seine Fahrgäste., die seit la raem kein Fleisch genoücn hatten. waren über den merkwürd gen Fund zugleich verwundert und erfreut, nahmen das Tür auf den Wagen, gedachten es bei -bet nächsten Gelegenheit schlachten .u lauen und freuten sich ans den Braten. Ter Widder lag inbig und schaute mit groszen Augen auf die Passagiere. Aus einmal verzog sich sein (Besicht, er begann mit inenschlicher Stimme zu lactien. feine Beine lösten sich aus din Fesseln, er -klatschte Innig mit öen Pfoten und verschwind unter ichallendeni Gelächter. Ties war natürlich ein .Lez", der «ich mit den Reifenden cincii Tpasz gemacht hattc. (Tahcr ..Lehelacki". Tpottgeickückiten, Anekdoten.) Tie Tchc um waren niäN io gutartig und stellten meist Schaden an. Ter heilige Tag geht zu Ende. -In der Tänmerstunde -.'rfammeln »ich alle Familienmitglieder und nehmen eine» kalten Imbisz ein, das „Tcholcindes". Ties iit die Stunde, in der die ..Ncscbome Iesserch", die zweite Seele. d?n Körper verläüt. Psalmen und fromme Lieder geben ihr dc s Geleite. .'Äit tiiiibriidi der TnnkelKit verrichtet man das Abendgebet. Ter Pater schenkt einen silbernen Becher voll Rnsinenwcin ,in. eine geflochtene Kerze aus verschiedenfarbigem Wachse wird angezündet und mir zu halten gegeben. Ter Vater spricht über dem Weine das .^Hawdole!.' lScheidnngsgebet), durch das der heilige Tag.vom profanen geschieden wird. Alle beglückwünschen sich mit einem „Güt' Noch ". Ter Tabbat in zu Ende. - Man darf ivieder feiner alltäglichen Beschäftigung nachgeben. Aber die Stimmung des heiligen. Tages hä t noch an. .Aancher. die den Tabbat über entbehrt batten, lecken vergnügt ibre Pfeifen und Zigarren in Brand, Vater und Groszvater spazieret! ans und ab durch das Zimmer und singen 'ronmir Lieder, in denen der Prophet Elias cinaelc den wird, recht bald mit „Moschian, dem Sprossen Tavid". zu er --heiiien. Ans den -Mmeri! cricfwllt Gesang und Biolinspiel. Tie Fugend macht sogar ein Tänzchen, allerdings in grofzen Füchten: Mädchen mit Mädchen, Burschen mit Bi nchen. Tie profane Stimmung zieht erst am nächsten Tage ein. Tväter. als reifer Mensch, der weit gereift wa und viel »weben battc. besuchte ich Galizien und fand n kleinen Städtchen das jüdische Milien noch unberührt. An manchem Freitagabend stand ich vor irgendeiner armselicsen Hütte, das 'Gesicht an die Fensterscheiben gedrückt, nitd sah im Innern die weihevolle Sabbatstimmung. Grosze! Rührung siberkam mich jedesmal. J Viele Völker.der Erde feiern ihren Ruhetag, die am Freitag. jene am Tonntag. aber kein Volk begeht seinen Tabbai in solcher-Weibe. Wenn diese Menschen, die ein so eigenartiges und io abgesondertes Leben führten, venglichcn. in welcher W^ene üe und die russische Land- und Ttidtbevölkernng ihren Ruhetag verbrachten, wenn ne am Tpnntag die überfüllten Schnapsbuden sahen, den Lärm und die häufigen Raushändel, so darf es ntcfit wundernehmen. das; sic in ihrer Absonderung und Weltvergesseubcit sich für ettvas Besonderes, für ein anserwähltes Volk hielten. Ich habe nicht schöngefärbt, habe nur einen schönen Zug erzählt z solcher gab es abei: viele. Sicherlich war der Edelgehalt dieser Züge von der Schlacke vieler Unarten umgeben. Tas armselige Leben dieser Menschen hatte auch seine bäfzlichen Seiten. Tiefe si id aber oft genug von Bcrusenen und noch öfter von Unberufenen an den Pranger gestellt worden. Leider ist im E ier oder absichtlich, aber beinahe immer das Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden. <>)ar uterkwürdig berührte es » ich später, wenn ich selbst Juden sah, die scheinbar vom i.eben und von der Ethik ihrer Stammesgettosscn keine Ahnung hatten, aber in der Rolle der Schimpfer sich gefielen. Wann werden die Menschen endlich bei ihren Nächsten nicht nach deni Schlechten und Abstoszenden. sondern nach dem Guten und Anziehend 'n Ausschau halten?- In diesem jüdischen Scbbat steckt, wie mich dünkt, nicht nur ethische Schönheit, sondern auch soziale Weisheit. Tas Gesetz, zwingt die Gläubigen, einen Tag der Woche menschenwürdig zu leben. Geist und Körper zu pflegen. Wer am Sabbat sich nicht gütlich t in wollte, erregte den Unwillen der Gemeinde. Es wird zu ' Pflicht gemacht, seinem Nächsten zu helfen, damit auch er in die Lage koivme. sich das „Töneg schabbos", das Ve gnügen des Sabbats, leisten zu können. Also: Nicht nur nicht mißgönnen, sondern selbst des Genusses nicht froh werden, wenn ein andrer zli gleicher Zeit entbehren innsz! Ties ist es, was mir schön und weise erscheint! Breitet die Pflicht gegen den Nächsten auch ans die übrigen sechs Tage der Woche ans, macht den Menschen zur Pflicht, auch an diesen Tagen ein incnschcnwürdiges Tasein Zu führen, und ebenso zur Pflicht, seinem Nächsten z» einem gleichen Tasein zu verhelfen, und - das soziale Problem ist gelöst. BULGARIA das *elbitt3ti{< Waachmttt« zur Erzielung weiter Wiscl Ukralk^ 1 Achten Sic b. Einlauf darauf, daliiede Packung versehen ist rtiif dem Wertboh 1 1 —. I — Kapfztfmeister ^Griffet empfiehlt sich für erstklassige musikalische Darbietungen bei 7estüchkeUek fetter Ort, utie Konzerten, Vereinsoeranstattungen, Ib&tten, hochzeiien usw. 'Übernehme auf Wunsch Besetzung der Kpf^Hc in Jeder Größe, sowie auch Jazzband, deren fjeistungen sich — allgemeiner fbeliebtfceit erfreuen. CLnfragen und ttesteUungen beliebe man rechtzeitig zu machen, um allen Wünschet< Rechnung tragen zu können. Dresden-CL. 28, % ramschstr. 18 h, redfrts Telephon i 12*91 ' und Llnoleumhaui HADE & CO, , Walsenhauutr. IO Am Centrkl-Theeter, gagenCibar Kaffee König