Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 8 iemeindeblatt der Israelitischen Trr nruntc Ab Ter neunte Ab, „Tischo bow", der Tag der Zerstörung Jerusalems durch die Römer (Mitte August), war dagegen ein Fasttag und ein großes Trauerfest. Tie lebte Mahlzeit - wurde bereits in der Täninlerung des Vortages eingenommen: bis zu in Abend des nächsten Tages durfte weder speise noch Trank genossen werden. Im Tempel wurde Heu auf den Boden auSgebreitet, weil die Gemeinde zum Zeichen der Trauer das Schuhwerk auszog und auf niedrigen Stühlen oder auf dem Boden fast. Jedermann zündete eine zrerze an und schlug die „Klagen Jeremias" vor sich auf. Ein Vorleser „ entfaltete eine große Pergamentrollc, die „Megile", auf der ’ die „Klagen" niedergeschricben sind, und las laut, mit vorgeschriebener wehmütig-gcsangliclier Betonung, schweigend oder leise murmelnd folgten die Andächtigen dem Texta. Tiefe Seufzer erfä-ollen; über manchen ergrauten Bart flössen bitter die Träne». — lind die stimme des Vorlesers hallte monoton und wehklagend: „Wie liegt die Stadt so wüst, die voll. Volkes ivar! sie ist wie eine Witwe; die Fürstin unter den Heiden, die eineKönigin in den Ländern war, muß nun dienen." — Mau hörte manclx'n laut aufschluchzen. Tie ganze Bitternis der durch Jahrhunderte erduldeten Ernicdrigungei und Mißhandlungen, der Verachtung und Geringschätzung floß in diesen Tränen... Tic Erinnerung au die Vergangenheit war das Ventil für den Jammer der Gegenwart! ... — > Als die Vorlesung leendet und das Pergament wieder: Religionsgemeinde Dresden Seite ir> zttsammeugeroUt »vorder meinde. Man wischte mit Jehudo bei, Halevy, verfaßte Elegien über die Zerstörung des Tempels. Wir .(linder konnten die Bedeutung des Tages noch niclil veistchen. Für uns war er ein Fest, ein Trauerfest gber ein Fest. Hunger ließ man uns nicht leiden. Es gab allerdings kein Feiertagessen, dafür aber war nian schulfrei und di, Sommcrsericu begannen. Wir hqtten schon deshalb allein keinen Grund, traurig zu sein. Tie Lausejungens batten sich für diesen Tag sogar eine lustige Tradition zurechtgelegt. hon am Vortage sammelten sie Kletten, „Barelach", in den Fildern, stopften alle Taschen voll und bewarfen sich damit in» Tempel in den Gebetptinsen und auch während des ('V bätes. Ter Ursprung dieser Unsitte ist mir nicht bekannt. Eine dein Nachbarn geschickt in'die Paies eingebettete .(elette ki nntc dem Betroffenen, zum Gaudium der anderen, nicht geringen Verdruß bereiten. Auch mancher envachseue Jude b:kam eine von Lausbubenhand geworfene Klette in den Central'Theater Ruf 12312 Kasse täglich von 10 Uhr an geöffnet Ab 1. August täglich 8 Uhr Die Peltini-Tschetschorkewar, erbob sich seufzend die (*Jesich die Tränen aus den feuchten Bärten und ging trübe nach Haufe. Tort saß man ebenso wie im Bcthause zum Zeichen der Trauer nur aus Schemeln oder auf der Erde. — still und gedrückt ging mau zu Bette. Am nächsten Morgen wurde» nach dem Gebete wieder die „Klagen Jeremias" verlesen und viele andere von Tichtcrn, REVUE Es ist was los! Musik von Robert Gilbert BUCHLAOIN STRAUSS & BUTTULA DRBSDBN-A., CHRISTIAN-, BCKH AUS STRU VBSTR.1 S JÜDISCHE LITERATUR SORTIMKNT ------- TBL. 14535 Max Braun Dresden «A. Rathcaaaplatz, Ick« Mafstnl«, im Rilllclüiias, (Cf MflNr tfcr SyMiagc Dresden - N. Ltipii|cr Stnta, Eck* Utautnl«, Kletk ElMakakakrtckt. R*ti il74) Zigarren / Zigaretten Tabake Besonders empfehlenswert: Zigarren ln allen Preislagen der Firma L.Wolf, Hamburg weder mit der Qualität unserer Waren. noch mit der haarscharfen Kalkulation % unserer Preise. So dürfen wir mit. Umsätzen’ rechnen, die es uns ermöglichen, Ihnen immer eine Auswahl vorzulegen, aus der Sie einen umfassenden Überblick über alles gewinnen, was neu auf den Markt kommt. Gerade das, was für Sie paßt, zu niedrigstem Preis finden Sie bei uns! mvi-