Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 «Semeindeblatt der Israelitische n Religionsgemeinde Dresden Seite 7 zal war int Hebräische» und im Spanische» des SangeS kundig. Ein so ausrergewöhnlicher Mann wie Isaak Abarbanel konnte cs für nötig befinden, Werke des TbomaS von Aqnino ins Hebräische zu übertragen. Ter berühmte »abbalist Abraham Abulafia hatte ohne Zweitel chriskianstierende Neigungen und Ersüllerträninc. In solcher Atmosphäre brachte es ein talentierter Rabbiner. Talomon .Halevi, als Paul de Santa Maria, Paul von Burgos. zum Erzbischor und »anzlcr von Kastilien! Es eristieren von ihn» boshafte Satiren auf jüdische Sitten und (Gebräuche. Ter Sohn dieses gefährlichen Apostaten. Alonzo de Cartag e n a . betätigte sich als erotischer Lyriker. Einer der begabtesten altspauischen Poeten, der letzte wesenbaste Trpiibadonr, war ein Schneider und Trödeljnde ans Cordova, A n - t o n i o d e M o n t o r o. Als Künder der fröhlichen Kunst und Wissenschaft an den Königshöfen der .Halbinsel immerhin znm Tcheinchristentum gezwungen, schrieb er Lyrik. Episteln, geschätzte Satiren und Epigramme und verhöhnte gelegentlich mit seines Wortspiels Spitzen auch die „aus Ueberzcngnng" vom Indentlim Abgefallcncn, darunter den RodrigoCo t a. Tiefer verirrte Cota war der erste jüdi'ck'e Theaterdichter seit dem Alerandriner Ezechielos und zeitlich der erste »'panische Tramatiker überhaupt. Er war einer der Autoren des kühnen Romandramas „Celestina". Eine sonderbare Westalt war Word Zernandez de Aerena. Mohammedaner geivorden, dann Ehrist, zuletzt wieder jüdisch. Pon ihm sind einige verzückt amonröse und religiöse Hymnen und Tden überliefert. In dieser Stickluft der talentierten Charakterlosigkeit gediehen noch manche andere dunkle Ehrenmänner und inöf;i,i begabte Literaten: so die getauften Indcnchristcn AlphonZ von Palladolid, Pero Ferns, Tiego de Valencia. Aber die Stimmnng wurde immer unjsemütlichcr. Tic Tämonen der Ingnintion rückten heran. Am Ansgang des fünfzehnten Jahrhunderts sind nichl alle Inden und Maranncn aus Spanien und Portugal aus gewandert, aber doch die meisten. Tas spanisch-portugiesisch« Iiidentiim behielt auch in anderen Ländern die scharf »m grenzte Kultur und besondere Sprache. Tie aschkcnasischei Inden nannten die ans Spanien und Portugal Enliertei „Scpharden", die christliche Welt bezeichnete sic als Port» giescn; im Trient hiesten sie «Franken. Zwischen IE uni l liI7 emigrierten mehr als stNONON Inden. Einzelne Ma raiinenfamilien lebten noch im siebzehnten und achtzehnter Jahrhundert, ja noch in unserer Zeit in Spanien und Por tngal. Tie sehnsüchtige produktive und reproduktive Pfleg« der spanischen sowie der portugiesischen Literatur ist in dei svolge ein starkes Bindemittel der weit zerstreuten sephar dischen Indcnheit. Das Hebräische Ivar den zumeist längs Assimilierten nichts weniger als geläufig. Im übrigen rich tete sich der Strom der in wirrster Wirrnis gesetzestren We blicbenen in erster Linie »ach Italien, in die Türkei, na«t Nordafrika und Palästina; die Marannen hingegen fläch teten zumeist nach Südfrankrcich, Holland, .Hamburg. Si> sind dann ivieder Inden geworden, vielfach sogar strengste, Richtung. Ironie der Weschichtk! das; Menschen, die vor bei Iiigiiisition flüchteten, in ihren Wemeindcn einen Rigoris imis einführtcn, deren Tpfcr beispielsweise kein Wcringcrci als Spinoza wurde. « Tas Idiom ihrer spanischen Heimat brach überall durch: in der Türkei, in Amsterdam, in Hamburg und ans Jamaika, sogar in Italien und Frankreich. Sie liebten die biegsame »nd zarte, prunkende und feierliche Sprache Kastiliens. In Italien, z» Ferrara, entstand, von Ab rach am ll s a n e redigiert, die klastische Bibel der Spaniolen, die vielbernfeste .Ferrara- oder Maranncnbibcl. Es ist die wörtlichste Bibel Übersetzung, die man sich denken kann; wie sich auch Siddiir und Machsor der „Spanier" »nd „Portugiesen" dunst be sonders wortgetreue Anlehnung an den Ilrtert a»s;eich:ien. Salonion Usgnc übertrug Petrarca ins Spannch.' »nd dichtete, znsamme» mit L a; a r o Bl r a z i a n o , das erste jüdische Traana: „Estber". Tamals entstandey auch W. Camillo Enlerlein Waisenhausstraße 23 Das Fachgeschäft für Koffer und feine Lederwaren / spanisch-jüdische Mischgcdichte. Volkslieder 'in reiiiem Spanisch und im Jargon, im Ladino oder Indaismo. Man schrieb und schreibt diese Sprache zumeist mit bebräiscbe», manchiual auch mit romanischen Lettern. , I M o s e Pinto Telgado'war als Zivangschrist im j südlichen Portugal geboren, ging nach Rom und Iraukreich und wurde Jude. Seine Tichtungcn sind Melancholie, Klage, wegen Verfolgung des jüdischen Volkes. Seine Epen „Ruth" und „Esther", seine Klagelieder nähern sich dem Stil des französischen Klassizismus. Ein anderer Maranne. der iebr gelehrte und dichterisch hervorragende Angustiiiermövch L n i s de Leon, hatte das .Hobelied der allegorisch chrsti lichcn Teutnng entkleidet, ivas Uni von der .Kirche recht übel genommen wurde. Tiefer Luis de Leoii erduldete eine mehr jährige Inqnisitionshaft, schrieb sonderlich klingende, wirklich gute Lyrik und starb in Spanien als Maranne und von vielen verehrter Meister. Tie Stoiswclt der Vertreibung behandelt in spanischen Tktavcn. in iveichen Reimen »nd wie vom Buch Hiob entzündet, Jakob I s r a i.’J B e l m o n t e zn A inner dam. T a v i d Abc n a t a r M e l o s. des ersten Rabbiners von Amsterdam, religiöse .Hymnen sind ergreifend nnd echt. >vnndersüs;e Wortnnisik dazu. Pablo de P i n a liiast der Rückkehr znm Indentnni Renel Iestnrnnt dichtete portugiesisch eine slammende Totenklage auf den Tpiertod_eine? grauenhaft gemarterten, weil ivieder Jude gewordenen Iran ziskancrmöiicstes nnd einen Tialog der^ sieben Berge Palästinas. den junge Marannen in der Synagoge ansführten. Jakob ll s i e I feiert in epischer Tarstellnng den König Tavid. Biel bekannter sind die Heldenepen „Sinnon' des A n t o n i o E n r i g n e z ('l o in-e z nnd - „Macabec< des Miguel de 2 i l vey ra. Silveyws Wedicht ist von wahrem Enthiisiasmns getragen, bewnndernsivert reich an volltönender Phantasie. Cervantes und Lope, de Bega schätzten ihn als Kunstgenosten. Einige Tramen des Antonio Enri- KTOHBSGEIIOSSENSaitfT SpezsJioehxeitsfcdveten. DRESDEN EJÜJtBÜ AlBMCHTSTßASSE S £€«.NSPß.ECH£Q Erstklassiges WagemrvocferiaL Sill kl. Kauft stets bei unseren Inserenten!