Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8 RetigionSgemeinde Dresden Seite 5 Gemeindeblatt der Israelitischen artige Bibliothek i» Eordova, den Talmud, mindestens eine zweckvolle Auswahl - durch I o s e p h i b n A b i t n r - übersehen lies;. Ibn Abitur ivar ein Poet und Eordova danials an Bevölkerung eine Millionenstadt' und ein intellektnelier Brennpunkt ersten Ranges. ■ Spanien erbte den kreist der babylonisch jüdischen >tnltnr. Tie A l b a r g e l o n i s und B a r s i l a i s übersetzte» an dem Arabischen. Andere trieben Graniuiatik. Lerikograpbie, ivissenschaftliche Eregese. Es gab Sprachwissenscliaster wie I e h n d a E h a j » d s ch. v's s a a k i b n GikatilI a. Ib n Dscha nach. Man trieb Seinitologie, aber auch Latein und «bevor die richtigen Spanier selbst so recht dazu kamen» Spanisch.^ Rirgcndivo in der Weltliteratur ergab sich so häutig die Synthese Dichter und Gelehrter. Ich erinnere nur an Mose ibn Esra, der ans Granada kam, dann viel im christlichen Spanien herningekouiuien ist, vergleichende Rhetorik und Literaturgeschichte trieb, die arabische und kastilUche .Poesie genau kannte. Der Denker S a l o in o n i b n G a b i r o l ist ein Dichter, dessen Dichtungen Melodie, Rhythmik, ’ Erneuerung und ivnnderbare Bereicherung sind. Gabirol trug das Weiibiid der Renplatonikcr und Renpythagorecr in die jüdische Philolopliie des Mittelalters hinein. Während die Religionsphilosophie des offiziellen Indentnuis iui kräftigen Rarioualisinus des M a i in o n i d e s gipfelt, führen schicksalhafte Linien von der werdenden, inöglicherweise aber auch schon längst geivordenen Ziabbala zu Gabirol. den die christliche.« Scholastiker, ohne zu wisse», das; er Jude war, als richtunggebenden Philosophen unter dem Rainen Avicebron verehrten. (Gabirol lernte von der Versknnst der Araber und schuf den klassischen Stil der nenhebräüchen Poesie. Andalusiens Mittlertnin, iinvoreingenoinuiene Bersöhnung der Enlture» und ewig sehnsüchtige Metaphysik verschmolzen in jhm. Salomo» ibn Gabiröls iJijriT, Mystik, Philosophie sind Großtaten. Er ivar ein Schahhüter, ein genialer Ltopf. und hatte das Herz eines Propheten. Er ist über seine nuinittelbaren Borgäuger in der Poesie, über Abitur und Iizchak ibn Gaj a t, ja über den großen Begründer paitanischer Dichtung, «den Babylonier oder Italiener» Eleasar .Ealir, hinausgewachsen. Man kann, ihn mit Hölderlin vergleichen und mit gcivissen Lyrikern der französischen und engkischen Rvinantik, vor allen« mit Shelley. Alles in allein eine ««««er börte Berbindiing/von echtesten« ötünstlertnin und echtester Iubruilst. Mose ibn Esra ist Poet, Linguist. Philosoph, kultiviert und vielseitig. Er zitiert als Autoritäten Pythagoras. Sokrates, Platon. Aristoteles, Empedokles, Aliarahi, Saadia und Gabirol. Er ist sin Fornikünstler des Hebräischen, ernit und «veltlich. In älterer Zeit «verden nianche seiner Gedichte denen Iehn da Ha levis vorgezoge». Dieses Ichvöa Halevi Raine hat ja nnn einen unverges;lic1ien -Elang in der. Weltdichtnng. Er ist das Gewissen'des jüdischen Volkes, «ein leuchtendes Herz. Seiner zarten Sensibilität bat die Sprache der Urväter alle Tiefen erschlossen. Er dichtet Ratnrhyinnen. grandiose Elegien, unsterbliche Verse. Jüdische, persische, arabische Farben spielen in seiner Dichtung und Philosophie. In Iehuda Halevi erreicht die Dichtung der spanischen Glanzzeit ihren Höhepunkt. Feurig und sein gestaltet er Strophen von Jugend und Liebesglück: Verse, die pulsierender Süden sind, Blüte und Rachblüte. Tann plötzlich genügt ihm die n ückselige -Halbinsel nicht mehr. Fern und noch strahlender äs Sepharad ruft Erez Israel. Iehuda -Halevi «virkt alles i« allen« jüdläudisch-elysisch, gleicht einem Patriarchen an E lanbenskrast und trägt die goldene Lauipe orientalischer Magier. Der Philosoph Iehuda Halevi bekämpft in« Buch „ tnsari" Ehristentuii«, Islani, Ztaraiten und jüdische Aristo t« liker und neigt sehr zn einen« skeptischen Mysli zisiuus, >oie e »ui jene Zeit verivandteu Sternes auch bei den Persern b ü Saadi, Hafis, Firdnsi anzntressen ist. A b r a h a in i b n Es r a «vaudert nnrnhevoll durch Wirt l chkeit, Wii'seusctiast und Dichtung. Er bringt den Inlfe«, in Frankreich, England und Italien die frohe Botscliait von Spaniens freien« Geist. Dieser kämpfende, sehnende, ringende. .> ritiker, Ereget und Dichter, ist dein christlichen Mittelaller v.«r allein als Astronom und Mathematiker bekannt gewor dm. Seine Werke über Mathematik «vnrden von den« beriihiuten PetrnS d'Albano in Padua ins Lateinische über t 'agen. Unter den« Rainen Abraham Indaeus «später in Aveuara korrumpiert» «vurde er in« Mittelalter und in der Renaissancezeit noch als ideales Genie der Mathematik ge triesen und ans symbolischen Bildern dargesrellt. Er bat S pi noza im Innersten befruchtet, der Ibn Es ras Eregeie « nd Myslagogik enträtselt und benutzt hat. Die goldenen Tage Aiidalnsiens zeitigten blitzende Heiler k.'it und formale Uederflügelnng. Feinfühlige, keiintuisreiche « iteraten schufen Brücken von der griechischen Fabel, >on dem Märchen des Orients nach Europa. Ein Meister der Aus i riicksknltiir ist Iehuda Alcharisi. Seine Verso« o>a «ollt und spreizt sich zierlich und natirrlich. Ei» witziger, fharf beobachtender Euleiispiegels ein vielgereister Mann. «,t Alcharisi von der Ueberlegenheit sephardischer .Uultnr und Herrlichkeit über das. einfachere Indent»»« anderer Länder «oll überzeugt. Indessen gipfeln Philosophie. Methodologie, uodifiziernng in den Werken des unvergleichlichen M a i in o n i d es. Es geht bei ihm nicht mir iim talinudische Bezirke, sondern in» Altgeuieininenschliches. Halacha wird zu wineuschaftlkaier Disziplin. Dieser klarste »nd gründlichste Rationalist wird 'öpnlär bei Freund und Feind. Er sucht nach den Wurzel», «ach der Grundlage. Die Logik des Religiösen konnte damals nir unter Inden eines-islamischen Landes entstehen. Mai nonides kannte den Islam, arabische und griechische Pbilo opben. Von jüdischer Gelehrttwit in christlichen »tnltnrändern hält er nicht viel. Seihen Sobn warnt er sogar ' wr anderen als sephardischen Bekanntschaften. ..Unsere Brüder, die Andalnsier oder Sepharden, haben Verstand und lare Ztöpfe. Vor allen anderen hüte dich!" Abraliaui b n Dan d, ein Vorgänger des „R.ainbam", will auch nicht.' >on den Aschkenasiin. diesen jüdischen Rordniännern. mü oii ind hält es nicht für nötig, Raschi zu erwäbüen. Dem ura »scheu .Enltnrkreis ferner stand'Bach ja ibn Pak» da. )ur übrigen suchten sie alle für die-Offenbarung eine Stütze n der Philosophie, so verschieden die Methodik ivar. Bachja. Sahirol, Abraham ibn Esra, bis zu einem gewissen Grade »ich Abraham ibn Dand und IelNida Halevi knüpfen an de» h'eilvlatüliisinus an. Alle suchen sie, Iiidaisnnw und Pbilo ophie zu verschmelzen. Alle sind sie Apologeten. In« übrige» .'etonen Gabirol und Bachja das asketische Prinzip, welches dem Bibel- und Talumd-IüdciitNin fast fremd war. Gabirol!,at die Ethik des IndentuniS (und scholastischen E'iriüentnuis» KottierLtluntreL-o. Dresdner Verkaufsstellen: Grunaer Str. 26 und 33 Größtes Unternehmen der Höbelbranche in Sachsen ♦ Eigene Fabrikation in Chemnitz und in Zeulenrodas Hobel in Jeder Preislage