Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 emeindeblatt der Js caelttischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Bogen I i r a e l s im Tale I i s r e e I zerbrechen. Ter Bogen des „Oi o 11 e 5 ft r e i t e r e“ zerbrach, aber er zerbrc ch im Tale „göttlicher A u s sa a t". Der entwafsnete Kämpfer wurde zum Sämann, der die heilige Saat über die ganze Erde streute und sie nur zu oft mit seinem edelsten Blute düngen mutzte. Nur zu oft haben rauhe Stürme die Widerstandskraft unsres alten Stammes erprobt, sie haben feine .Krone zu Boden geschmettert, seine Blätter und Blüten allen Winden preisgegeben, aber ihn selbst vermochte i sie nicht zu brechen, nicht zu beugen, seine unverwüstli hen Wurzeln. das Vertrauen auf Gott und die Liebe zu fe ner Thora, konnten üe nicht erschüttern, und diese führten ihm so wie die Wut des Ungewittcrs sich erschöpfte, stets frische Lebenskraft und frische Säste zu. datz er aufs neue sich verjüngte, mit neuem Laub und neuen Knospen nur noch schöner sich, noch reicher schmückte. So steht das Judentum noch heute da — ein Rätsel der Geschichte, wie man sagt, ein Rätsel aber nur für den, der das Judentum nicht kennt.. Von unsrem Stanimvater Israel berichtet die Schrift, datz er sich über den Verlust seines Sohnes Joseph nicht trösten konnte. Warum nicht? frägt ein Midrasch. Hat doch der fromme Dulder, der im Leben soviel Leid erflchr, den Tod der heitzgeliebten Rahel auch verschmerzt. Die Antwort lautet: Wir trösten uns wohl über einen Verstorbenen, aber niemals über einen Totgeglaubten, solange der letzte, noch so schwache Hoffnungsschimmer nicht erlischt. Daher sagt der Talmud: „Wer über Jerusalem trauert, der sieht dessen Auferstehung, denn es heitzt: Freuet euch mit ihr, die ihr um sie trauert." — Solange wir noch um Zion trauern, ist Zion nicht tot. Das i st d e r T ro st des Neunten Aw. (Gcniemdcblatt der jüb^ Gemeinde Berlin.) SephardisÄ^e Dichtung und Literatur Von Tr. klrtur Sakheim, Frankfurt a. M. Tie Legende berichtet mancherlei über ura te jüdische SiedelllNgeu in Hispanien. Zu Murviedro, dem alten Saguntum. zeigte man einen Grabstein mit der Jnsck rift: „Hier liegt Adoniram, Knecht des Königs Salomo, bei gekommen ivar, steuern zu erheben, und starb." Dennoch iat es wohl in der Zeit salomonischen Glanzes und auch in ter schweren Ncbukadnezars keine Juden ans der spanischen .Halbinsel gegeben. Eine merkwürdige Hypothese besagt, datz karthagische Kolonisten, nach dein Fall der souveränen Mutti rstadt, teils aus lleberzeugung, teils aus Furcht vor Rom, jum sprachverwandteu Judentum übertraten und alsdan t mit den schon früher eingewauderten Juden verschmolzen. Nicht unzweifelhaft ist es. ob der Prophet Lbadia mit .Sepharad Spanien meint. Mi'chna und Talmud zitierqn Spanien und die Stadt Cordova. Tie Jbi beriefen sich auf den romantischen Schimmer ikster Abstam muug aus Tavidifchem Königsblut. Toledo sölte von jü bischer Kraft erbaut sein. Auch Granada, Luce ia, Sevilla, Cordova. Saragossa galten dem Empfinden der Urenkel als alte jüdische Städte. Ein judenchristlicher Se stierer mit Namen Jakob, der Apostel Jakobus also (Santiago), sollte auf dem Campostela den Märtyrertod erlitten I aben. Ein' anderer Judenchrist, Saulus oder Paulus, sprich: von seiner Reite nach Spainen. Sicher ist es, datz es lat ge vor den Alanen. Vandalen und Westgoten in Spanien geben bat. Aber die hoben Güter jüdischen Geis es, jüdischer Dichtung und Literatirr sind uns erst aus de> Araberzeit überliefert. Die von den katholisch gewordener Westgotenkönigest unermüdlich Gequälten und Unterdrücken erleben im Gewühl und Gewirr der Maurenepoche einer: politischen, sozialen und geistigen Aufschwung ohnegleichen. Tie sephardischen Juden wurden wirkliche und freudige Bürger dcS Landes, darin ihre Ahnen seit undenklichen Zeiten lebten. Juden ge> Tas Arabische wurde die Sprache ihres Alltags und ihrer wissenschaftlichen Arbeit, ihrer Praxis uyd ihrer Erkenntnis. Mohammedaner und Juden ergänzten einander um so fruchtbarer, als die christlichen Elemente zunächst ausgesckialtet waren. Aus der ganzen Welt der östlichen Diaspora, «us Babylonien beispielsweise, strömte ältere jüdische Kultur in das neue Getriebe. Später vermittelten Juden zwischen dem geistig wegbereitenden islamischen Südspanien und der kulturellen Eigenart des christlichen Nordspaniens. Stiefkinder des Landes blieben sie zwar darum doch: aber wesenseigentümlich wurde immer mehr ihr erweiterter Horizont. Früh erblüht die Dichtkunst, aber beharrlich werden auch Grammatik und Poetik getrieben. Tunaschben Labrat (in Babylonien zu Hause) und Menachem ben Saruk produzierten Verse und schrieben grundlegende grammatische Arbeiten, ohne die ein intensiver künstlerischer Ausbau des Hebräischen unmöglich gewesen wäre. Dunasch trug in die organische Gebundenheit der heiligen Sprache die Metrik der Araber - hinein. Menachem, aus Nordspanien, inklinierte weniger zu Arabismen als die Volksgenossen im Süden. Talmudisches Wissen gelangt' ans Babylonien über Kairua» (Nordafrika) in die jüdischen Zentren Andalusiens. Der leb eifrige und ausnahmefreudige Samuel Hanagid wendet sich noch in strittigen Fragen an Nissim von Kairuan und durch diesen an den Babylonier Hai-Gaon. Aus Marokko nach Andalusien kommt Isaak Alfasi und gründet die matzgcbende Talmudakademie zu Lucena. Mose ben C h a n o ch steht an der Shitze der Jeschiba von Cordova, Samuel Hanagid leitet die Hochschule von Granada. Es entsteht eine wesentliche, von grotzen Könnern und Kennern gepflegte Methodik und Systematik des sephardischen Talmudstudiums. Auf höchste Kultur der Mauren und Juden Grotzandalusiens deutet es, datz der Kalif Al Hakim, für seine einzig- FernsprecfrAnlanfoi jedes Systems Vollautomatische [Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühlampen-Zent^alen, Haustelephon-Anlagen ln höchster Vollendung In Kauf und Miete fahren aus Dresdner Pnvat-Telefon-Ceiellfchalf Femspr.-Satnmel-Nr. $5631 Wilsdruffer StraSelS Auskünfte und lngenteurbesuctyc kostenlos und unverbindlich Rerucfcnchfifjf umcreliKcrmfai