Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (8.1929)
- Date
- 1929-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 emeindeblatt der Jsi aelitischen ReligionSgemeind^DreSden Der Neunte Nw Pcn Prof. Dr. E. Baneth Nr. 8 Und wieder nabt der Tag, der leiderfüllte, da „Zions 3ölnit' im ttiiiiiiiien Schwer; zu Boden sitzen, Asch: ans dein Haupte, gehüllt in Tranerkleider. da-? Haupt ncfenf: ,;iir Erde, die Töchter Ieriisll»alajiins". Es naht der Nennte 'J m, der die Erinnernngen weckt an die furchtbarste xatastrop >e unseres Volkslebens, an die folgenscbwersre Wendung unsrer Mit ibiren erioactN das tausendjährige Web. das i itiiiic Zeit alte, kanin verkiarbt zu fchlniiunern scbien. und brecivn blutend ivieder ans. In später Abendstunde rx'riammelt die Geineil r'tottesbanie. Ter düstere Nanin ist all seiner Zie: entblöszt, nackt bietet die beilige Lade dein ninslorten Blip sich dar, innen stehen die Tborarollen ibres Silbericbmulls oon Sllnilckan, Pult tind >ian;el tiat eine zitternd« seidenen Tellen entsernt, Jetzt tritt der Vorbei Pult. im Säzeineeiner einzigen >ter;e. der d Tnnkelbeit nur noch sllxuiriger macht, trägt er mit ledämpfter Stimme das Abendgebet vor: dann setzt er sich ans die Erde nnd beginnt mit der bergebr«rlliten ipehmntsvollen nrallen .Klagelieder. in denen ein. Prophet, der Z verzweifelten Ringens geivefen. den unsagbaren seines nnglülllillien. einem erbarmungslosen Feind, erlegenen Volkes ergossen bat. (beschichte. Wunden „Wie liegt ne verödet die volkreiche Stack -Wie in ne;nr Witwe geworden! Tke Fürstin der Völker, die -Herrin der Länder Tribut;n entrichten gezwungen! de sich im entkleidet, .Hand die r an das * lastende Weise die enge jenes Igmmer Zartgemnte Franfni kochten Eigenhändig ihreKinder, Atzen ne in der Verzweiflung, Tie mein armes Volk ergriffen." ... Schweigend verlassen die Andächtigen nach Beendignilg des Gottesdienstes diegen»eihtcl Stätte, freunde reichen wortlos sich die -Hand zum Abschied, ohne Gruß und ohne Segenswunsch gebt die Menge änseinander, um sich am frühen Morgen im Gotteshanse wieder einznfinden. Tie Männer legen iveder Tallis an noch Tefillin. leis verrichtct^die Gemeinde ihre Andacht. Nachdem der Porbeter die Lchemone Eire wiederholt hat, öffnet inan die heilige Lade, cntnirnmt ibr eine Thorarolle und lieft aus dem fünften Buche den Ab schnitt vor, in ivelllzem als Strafe des Abfalls all das Unheil vorhergesagt ist. das viele hundert Jahre später sich Wort für Wort erfüllte: * j „.Himmel Nnd Erde riif ich heute wider euch als Zeugen an, daß ihr dann bald verschwinden werdet ans dem Lande, zu dessen Inbesitzergreisung ihr den Jordan überschreitet. Lange werdet ihr in ihm nicht Indien, denn hinweggetilgt, ja weggetilgt werdet ihr werden. Und OJott wird unter die Nationen euch zerstreuen, nnd ihr werdet als kleines -Häuflein übrigbleiben unter all den Völkern, zu denen (hott euch führen wird." Ist diese Ankündigung schön niederschmetternd, so wird sie vielfach überbvtcn in dezn jum folgenden Prophetenabschnitt, der in die Worte ausklingt: Ach. sie weint in stiller Nacht. Tränen netzen ibre Wangen — - Unter allen, die sie liebten, Auch nicht.einer, der sie tröstet, freunde baden sie verraten. Sind zu Feinden ihr geworden" ... furchtbar sind die Bilder, die diele Lieder uns entrollen, erschütternd, herzzerreißend die. Szenen, vor denen »er Genius der Menschheit trauernd sein Haupt verhüllt. ...Kinder fragen ihre Mütter: Gibt's kein Brot-mebr, keinen Wein? Ohnmächtig nnd fal)l wie Leillren Liegen sie ans allen Straßen; Tort verhaucht ihr junges Leben In den Armen ihrer Mütter. Wo ist noch ein Leid wie deines. £ Jerusalem, du Teure? Wo ein ähnlich Los, zum Tröste Tir. mein jungfräuliches Zion? . . . Wie das Meer, so unermeßlich. Ist dein Schiner; ' wer könnt ihn heilen?" * * „Glücklich, die das Schwert erschlagen, Eb' der Hunger sie getötet; Tenn ans ihrer Todeswunde, Nieselt noch die Frucht der Felder. „So höret, ihr Franeh, das Wort des -Herrn, euer Lhr .vernehme den Spruch seines Mundes. Lehret Wehklage eure'Töchter und eine die andere Trauergesang. Tenn Tod steigt durch unsere Fenster, dringt in unsere Hallen, zu tilgen den Säugling von der Straße, die Jünglinge von den Plätzen. Verkünde: So spricht der Herr: Fallen n»erden die Leichen der Mensch'n wie Dünger ans das Feld und wie. die Garbe hinter dem -Schnitter, .(reiner, der sie bestatten wird." Und an diese grauenvolle Benediktion, ein Dankgebe^ Treubcwährten, der vollbri t er geredet, denn alle seine W keit." Welch ünerschütterl vertrauen! Und welche S Botschaft schließt sich die übliche an den König der Welt, „den gt, was er verheißen, erfüllt, waH orte sind Wahrheit und Gerechtigiches, welch unbeirrbares Gotteelenstärke! Nachdem man die Thorarolle lvieder in die heilige Lade gestellt hat, beginnt der Vortrag einer langen Reihe von Liedern und Gesängen, die sich zumeist auf den Untergang des Staates und die Zerstörung des Heiligtums beziehen, zum Teil aber auch auf die Schreckensszenen, die sich während der .Kreuzzüge in vielen Gemeinden abspielten, und auf die zahlreichen Märtyrer, die ihre Tretie zum ererbten Glauben durch den Lpfertod bewährten. Man kann diese Elegien in drei Grlippen einteilen. An der Spitze.stehen die Dichtungen des sprachgewaltigen K a l i r. Es folgt eine Sammlung von Klageliedern aus späterer'Zeit, die von verschiedenen, teils bekannten und teils unbekannten Verfassern stammen. Den Schluß bilden die sogenannten Zionslieder. Unter den Gedichten der fSTOU=WERCI-( Kakao Schokolade Pralinen.