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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-07-01 · 7 (7.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
7 (7.1929)
Date
1929-07-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 7 Seile 5 lemeindeblatt der Israelitische» Religionsgemeinde Dresden Mein Weg von Oft nach Wett Po» Jehndo Epstein Pur kurzem erschien im Vertane T. Engelhocns Rochf., Ltultgart, das,Buch ..Mein Wen von Cit nach West", (frinncruiiflcii des jüdischen Malers Jehnd: Epstein.. Der Verfasser schildert darin seinen Lebensweg. der ihn aus der Enge des jüdischen l^eltos im Lstcn in die Welt des Westens führt, Für uns Juden ist das gutgeschrieben.' Buch »och im besonderen dadurch von Wert, datz cs uns eine bildgetreue Darstellung des Borkriegsjudcntums des Ostens gibt. Robert. Reumann schreibt über dieses Buch: „Ich muH weit zurückgreifen, che ich ein in Thema und Gehall paralleles Buch finde. .Meine Kindheit' von Gorki ist das einzige Werk, das sich in dieser -öiiisichl mit dem Epsteins vergleichen lägt." Mit (Genehmigung dcö Verlages drucken wir nachstehend ein Kapitel, das die östliche Labvalfeier schildert, hier ab. Das. Werk ist im Buchhandel zu haben. Preis i» Leinen geb. 7,50 M., brosch. 3 M. Die Redaktion. Oestliche Sabbatfeier Tic Feiertage nnd der Tlbabbes (Sabbats waren die lichten Punkte unsrer ärmlichen Existenz. Ter Sabbat ist im orthodox-jüdischen Milien eine eigenartige Fciör von hohem ethischen Wert. Tie Talmudisten haben diesen Tag mit vielen Reihen von „Umzäunungen" umgeben, um den .(lern, den Sabbat, für den dem Herrn immerfort in den (Gebeten gedankt wird, vor jeder Antastung zu schützen. So heilig wird dieser Tag gelxilten, das; „Mcchallel Schabbos", den Sabbat cntiveihc». zu den ärgsten Sünden zählt, die ein frommer Mann aus sich laden kann. (Das biblische (besetz strafte die Entweihung des Sabbats mit dem Tode.) Damit an diesem, nur der Ruhe .ind der Beschaulichkeit geweihtem Tage absolut keine Arbeit verrichtet werden könne, sind die „Umzäunungen" geschaffen wordeu.-So darf zuin Beispiel am Sabbat keine Instrumentalniusik gemacht werden, obivohl musizieren als keine Arbeit angesehen werden kann, damit der Musiker von Beruf nicht in die Lage komme, arbeiten zu müssen. Damit keine Lasten getragen lvürdeit, ist das Tragen jedes beliebigen (Gegenstandes, sogar der Taschenuhr verpönt. Die Kleidertafchen müssen am Freitagabend sorgfältig entleert lvcrdcn. ja. selbst das Schnupftuch darf nicht eingesteckt werden, sondern inus; nin Hals oder Arm gebunden werden, wodurch es den'Anschein eines .Kleidungsstückes gewinnt. Ter Dürftige sparte die ganze Woche, »in „Schabbes machen" zu können. (Gegenseitiger Beistand, um einander ein würdiges Begehen des Sabbats zu ermögliche», war ein frpmmes Gebot. Einen solchen Eifer habe ich später in Spanichi gesehen, wo die arme Bevölkerung sogar daS Bettzeug ins Versatzamt trägt. »:» Sonntags das blutige Stijcrgefccht besuchen zu können. Schon der Freitag ist ein Halbfeiertag. Tic Hausfrau, die für diesen und für den kommenden Tag Vorsorgen mus;. hak viel zu tun und schafft emsig. Auch der Ehegatte, und :oe»n er noch so gekehrt oder noch so vermögend wäre, findet es an diesem Tage nicht unter seiner Würde, persönlich in der Küche helfend Hand anzuwgen, um sich „zu Ehren des Sabbats" nützlich zu machen, qenn solche Dienste sind gottgefällig nnd werden im Himmel gelohnt. Er geht einkaufen, putzt das Besteck oder die Leuchver, spaltet Holz: mit einem Worte, er trachtet sich mannigfache Verdienste zu erwerben. Zeitig früh wird bereits mit den verschiedenartigsten Arbeiten begonnen, denn auch das werfze sabbatbrot, ,-EhalcS" genannt, wird zu Hause gebacken. Wir Kinder gingen wohl in die Schule, aber es >var kein rechtes Lernen an diesem Vormittage. Man repetiert^ am Freitagvormittag nur das Hohelied Salonidus. lllebrigens durchaus keine passende Lektüre für kleine Jungen.) Man durfte später als gewöhnlich kommen, zu Mittag zeitiger Weggehen, und der Nachmittag ivar jranz schulfrei, damit man.zu Hause behilflich sein könne. * An diesem Tage sitzt auch der ärmste Jude an einem weis;- gedccktcn Tische, hat eine Fisch- oder Fleisch-, ja sogar Fisch- "n n d Fleischspeise und Dessert, den „Zimes". Ter koscher zubereitete Hecht ist eine Spezialität »nid tatsächlich eine delikate Sache, die auch -Ungläubigen gar lecker schmeckte. Auch ein Schnaps würzte die Scliabbcsinahlzeit. Wein war zu teuer , und an rituelle Vorschriften gebunden, unser schlechtes Bier -mundete niemandem. Sogar wir kleinen Kinder bekamen ein /Räschei) Schnaps, das wir mit weigern Brote austunkten. Ten groststädtischen. um die Erziehung ihrer -Kinder über besorgten Eltern wird dies wohl ungeheuerlich erscheinen, aber ich kann versichern, das; deshalb keiner von uns später ein Trinker geworden ist. Auf das Dessert, den Zimes, freuten sich die Kinder.besonders. Diese Speise, bereitet ans Rübe» nnd Zucker oder Honig, genos; groszcs Ansehen. Ich as; sie. wie ich bereits er zählte, leidenschaftlich gerne. Auch den Erwachsenen schien der Zinies zu »müden, denn von einem schönen Mädchen sagte man: ,,A' Moid ivie a Zinies?' Wohlhabende Leute geuieszen anstatt des Zinies ans Rüben etiva ein Rosiuez, oder Pflanuienkomvott: den Rosinen zinies. Es gehört sich aber, etwas, das so delikat schmeckte nur zu Ehren des Sabbats zu verspeisen. Wein.es einfiele, an einem Wochentage sich Zinies bereiten zu lassen, der ivürde stadtbekannt und als ein „Fnchler" '<Verschwender) verschrien iverden: sein Kredit wäre untergrabe», und er gälte von nun an als leichtfertiger Mensch. Tic Hausfrau ist am Racknnittag besonders stark beschäl tigt: es heisst mit allem fertig werden und sich vom Sabbat inicht überraschen lassen, mit denen Beginn jede Arbeit ei,n lgestellt werden inus;. Das städtische Tainpt'bad ivird rechtzeitig angeheizt: Ter Badediener begeht die Stras'.en des Jndenviertels. schüttelt einen Bikkenbesen in der erhobene» Rechten nnd ruft laut: „Jüden in Bod erain!" Tie männliche Bevölkerung stellt hierauf ihre Hilfsdienste ein, versorgt sich mit midier Wäsche nnd eilt ins Bad. Tort trifft sich, die ganze Gemeinde. In dest Tanipfstnbe ist-eine treppenartige Estrade ausgebant: auf der obersten Stufe, wo es am heistesten ist. sitzen die Honor-., tioren und besprechen Gemeindeinteressen und Privat angelegenhciten, ebenso wie die hohe Politik. Tort hörte jch unter Wassergeplätscher und unter dein fröhlichen Gejohle der sich mit Birkenbesen a.bklopfenden Badenden zum ersten Male die Namen Bismarck und „Büchsenfeld" (Beaconssield) nennen. Am späten Nachmittag ging nian eilig airs dem Bade heim. Tie nassen Paics hingen bei den Tbrcn wie Mäuse ichivänzchen herab. Man zog schnell den Schabbcsrock an und lief ins Betbaus. Tie Schabbeskleidcr find bei den Frommen aus schwarzer Seide oder ans Atlas verfertigt, bei den weniger Frommen aus schwarzem Tuch. Ein Mann, der Anspruch auf Gelehrsamkeit erhob, ein' sogenannter ..aüter Jnd". oder gar der Row in porünnn, kleidete sich auch in schwarzen oder braunen Samt. ( Alle machten sich aus den Weg ins Betbaus. In den Tempel soll man eiligsten Schrittes gehen, nin zu zeigen, n ie sehr man daraus brenne, Gott zu dienen. Dagegen gebt man Ktoilwerci^ Kakao Schokolade i Pralinen

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