Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gemeindeblatt der Jsrc elitischen RetigionSgemeinde Dresden Nr. 7 Wand erung in Rom Von S. H. fii: in, fielt das die 1cm den :d)fclüü!lcu depunkte 'JUs ich bei einem Besuche Italiens nach Nom mein Intcre'ie neben all dem andern Sehensiverten einige Stadt in unerschöpflicher ,Hille bietet, vor a jüdischen Tinge», jenen uralten Zeugen unsrer we Geicknchte, die uns an die verhängnisvollsten Wei^d der Geschicke der Indönheit erinnern. Ich stand vor dem Triumphbogen des „frevler-:" Titus, ivie ilm der Talmud nennt, der itnii vor fast lixx fahren iiir die Zerstörung des jüdischen Staates und Iecnsalems gesetzt nmrde.. Ein wclnnütiges Gefühl iiberkoiimt den jüdilcben Linderer, der diese Erinnerung an den Untergang der jüdischen Selbständigkeit siebt, die Bilder des Triumph- Zllges, in dem die heiligen Geräte ans dem Tenuel Jerusalems als Beutestücke mitgesiihrt werden, der iieb:narmige Leicchter, der Schaubrote-Tisch, die gros;en Posaunen, und andre Geräte, lind doch kann der Jude gerade b n diesem Triumphbogen seines Feindes mit Stolz daran denken, das; jener Sieger, seine Macht und seine Kultur vcrs bivundeil lind, während das jüdische Bolk and seine Religion ich kraftvoll bis ans den heutigen Tag erhalten haben. Ueb igens ist es diesen Bildern des damaligen Heindes zu verdanken, das; nur ein getreues Abbild der Menorab überliefert tekoinmen haben, dieses jüdischen Symbols und Kultusgegenüandes. Auch ein andrer Zeuge jener trüben Zeit ist noch heute dort zu sehen, sreilich den meisten unbekannt, In »er eüinipagna Noms, an der Bia Appia, wenige Minuten vor dem allen Nomreisenden wohlbekannten Grabmal dei Eäcilia Metella^ ist die Indenkatakombe. Hier war zur Zeit der Neligionsversolgnngen, unter denen Judentum und das neu» entitandene Christentum in gleicher Preise zu leiden halten, der Trt der heimlichen Gottesdienste und die Begräbnisstätte. Nur selten kommt ein Zremder hierher. Tie in der Nähe liegenden christlichen Katakomben interess eren die Reiienden mehr. So -nxir ich denn der einzige Bes» cher, der, von einem alten Manne geführt, die Stufen zu d m nnterirdischen Gängen hinabstieg. Jeder von uns hielt ein dünnes Wachslicht in der Hand, bei dessen schivachem Schein ich fast eine lmlbe Stunde in dem sinskeren Ort heriimgin;. Längs den Wänden waren in etn>a vier Reihen niedrige N schen eingemeißelt, die den Toten als Nnhestätte dienten. Tie Gebeine sind längst zerfallen: die Nischen sind leer. Nur-feiten in auch noch eine Inschrist zu sehen, übrigens mir atcinische odex griechische Inschristen, aber keine hebräischen, wie denn auch die Namen der Toten römisch oder griechisch sind; mir ganz vereinzelt kommen hebräische Namen vor. Wir haben hier ein deutliches, Zeichen der starken Assimilaticn an die llmwelt. Taß es sich aber um Juden handelte, ieht man außer an dem hebräisch geschriebenen Wort Schalom (Frieden) an den ungelenk eingemeißelten Symbolen. Garptsächlich und es die Bilder der Menorab, bisweilen "auch P ilmzweige oder Früchte. Tie meisten der Inschristen wurden neuerdings entfernt und im Thernienmuseum ausgestellt. Ueberall herrscht tiesste Finsternis: nur an einer Stelle ist^cine schmale Lichtössnung nach oben. ES ist anscheinend die Stelle, an der der Gottesdienst abgehaltcn wurde. Ich war froh, als ich nach dem langen Herumtappen im Finstern schließlich wieder an den Ausstieg zum Licht kam. Man kann sich kaum einen grös;eren Gegensatz denke» zivischen diesem versteckten Andachtsort nnd der neuen prächtigen Synagoge, die vor fünfundzwanzig Jahren an oer Stätte des alten Getto in der Nähe der Tiberinsel errichtet ivurde. Biele Jahrhunderte hatten die Juden Roms hier in elenden, ungesunden Luartieren hausen müssen, die den säst regelmäßigen Ucberschweinmungen des Tibers ausgesetzt ivaren, ohne die Möglichkeit, sich weiter aus,zudehnen und von den demütigenden Schikanen der päpstlichen Herrschaft und des rohen Bolkes drangsaliert. Jetzt steht an derselben Stelle eine von weißem Marmor und Gold strotzende prachtvolle Synagoge mit einer riesigen Kuppel, offenbar nach dem Borbild der Peterskirche. Wären im Innern nicht zur Ausschmückung die Menorah und die hebräischen Inschriften, man könnte danken, man iväre in einer Kirche. Ter Gottesdienst weicht in manchem stark von dem unsrigen ab und ist zeremonieller. Tie Jude» sind vollkommen assimiliert und, da die Italiener vielfach selbst sehr jüdisch aussehen, von diesen säst nicht zu unterscheiden. Tagegen erkennen sie gcwöhnlich — soiveit sie ein Interesse daran haben — rasch den fremden Glaubensgenossen, wie manche heiteren Fälle zeigen. Unter den Ltraßenhändlcrn Roms, die Ansichtskarten, Reiseandenken und ähnliche nützliche Tinge feilbieten, sind nämlich eine große Anzahl Juden. Es ist erstaunlich, wie diese Leute den Glaubensgenossen herausfinden und ihn durch einige Jargonworte, -z. B. „Meziec", zum Kaufe ermuntern. Weit mehr als durch die prächtige Synagoge wird unser jüdisches Gefühl durch die unsterblichen Werke der großen Meister der Renaissance erweckt. Tief ergriffen sieht man die Moses-Statue des Michelangelo. Nirgends sind der gewaltige Geist und die unbeugsame Willenskraft des Gottesmannes so sinnfällig dargestellt wie hier. Unzählige haben seit Jahrhunderten dieses Werk bewundert und sich an den Gestalten der alten Propheten in der Sixtinischen .Kapelle begeistert. Ein seltsamer Widerspruch: Man verherrlichte die großen Geister des jüdischen Volkes: das Volk selbst ließ man in Erniedrigung und Trangsal dahinleben und verweigerte ihm die einfachsten Menschenrechte,- die eben iene Propheten verkündet haben. Vielleicht haben aber jene Meisterwerke mit dazu beigetragen, später in edleren Geistern den Gedanken an die Menschenwürde und die Menschenrechte der Juden zu erwecken, der schließlich zur Befreiung unsrer Vorfahren gcftihrt hat. Tragen Sie die g Sie halt. Kleidung was sie verspricht