Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 7 (7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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- Avignon 1× ep/1047822
- Mohel 1× ep/1006163
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Sette 2 (Seineiiiöeblatt der Jjr.lelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 7 aber noch nvnig cutinicfeit mar, fdmfen sic eine iu 'fi- Jülle sinniprudiartiger Gprichwörter, die ebenso wie die .irabiidien geiammelt wurden. Tozn ko in inen die takkanot oder Genieiiidesatznngen. Neditsentsdx'idnngen, Verträge und Beidiliine. an dt die in echt ronwniicher Erzählknnsk a ^gefaßten maasse- oder C^efdiiditenbiirfilein, darunter die von '. Petrus Alphonst. dein getauften Ärzte des arragoniichei Königs Alfons lateiniidi flcidiricbenen 'Jiovcllen [ isciplina Clerialis, von denen einige noch Steinschneider s >äter ins Hebräüdle übersetzt wurden. 2ie aUefamt lassen sic ) zu Bildern ausgestalten. die einen Enihlick and) in die gckeiniste» Negungen ihrer 2eele bieten. Tie nieiskeii der spanndvii Juden waren dem .'cktjiöcI ergeben. Ta;» berähiflten sie ihre vielseitigen 2p'ad)fenntniffe. ihre Beziehungen midt vielen wandern bin. ihre Otelvandtbeit int großstädtischen Perkebr und die tt IrnuDiidie NechNprechnng mit ihrer schieds>ierid)tlichen Ent dieiduiig. Audi die allgemeine (Geldknappheit und.das Bedüisnis nadi Waren kamen ihnen .;» töilfe. Außer ('ielömedv lern und 2te»erpäditern ^wer g<ck es unter ihnen and) Gel chrte »nd Aerzte. Äskronomeii und Philosophen. Tolmetitier und Tiditer. Tie Kranen der Neichen gingen zumeist ci ttadi und schmucklos. denn sie fiirditctcu den Vorwurf. das; üc ihr Vermögen den andern geraubt hätten. -Biele aber trug m seidene Gewänder. reidwn 2dmi»ck und fuhren in stolzen Karossen, so das; in den Wortes über ne Beschwerde geführt w»rde^ wir lind die freien, sie aber stellen sich den Fürsten gle dt 2elbst der mildgesinnte König T. Älphons V. sprach m seinen Üibiidien Beratern: '..Euer- Verstand hat i’id) gemii dert. dodi nicht euer 2tolz" und forderte, daß sie wie die andern nur wollene 2toffe trügen. Allein die Aerzte pflegten jn seidener Kdeidnng auf Nonen oder Manttiere» zu reiten. Iber.andi die Göhne der Neichen zierten fidi mit seidenem Wai is, feinen Kapuzen und vergoldeten Tegen, ihre Pferde Hatt?n prunkvolle Toupets. ihre Maultiere kostbares Geschirr. S her da sie fed'ten lernteii. sagte das Polk. üe wollten die andern erschlagen. und itodi größere Erbitternng erregten zun eilen ihre eleganten Abenteuer mit den Töchtern vornehme c Häuser. Wenn die Volkswirt entfacht wurde, kam es zu blutigen Metzeleien. 2dion die Jreindartigkeit der täglidce > Lebensimnie führte zur Entzweiung, die durch Tispntationen unter Leirnng der Mirchc nicht ausgeglichen, sondern noch geschürt wurde. Eine solche wnrde von dem letzten Papste des Gchisinas, der zu Avignon residierte, in Tolosa den N. Josna Halorki übertragen, der nach seinem Uebertritt znn Ehristentiim von den Juden MeGaDeF ^der schmähende Lästerer) genannt wurde, weil er den Namen Maestro Ger mimo De sta. Fe angenommen hatte. Ta er z» seiner Behauptnng, der Mevias fei bereits cridnencn, die Verse im Jesaji 1, IS 20, anfiihrte, entgegnete ihm der Führer der jüdisdien l^elehrten. T. Vidal Benvenista. in wohlgesetzter, eleganter afctniidwr Nede. die Trohiing madie eine Tisputation nnmög ich. io das; der ihm wohlgefällig zuhörende Papst jenen znredtwies. Tie jüdischen (belehrten wurden danach zwar in Ehrei entlassen, aber die Meinung verbreitet, ihre Gemeinden verh nerten die Lebensmittel, io baf; iie zu leiden hatten. Päpst' und Abtrünnige wetteiferten, um die Macht der Kirche über das Volk zu erhöhe». 2o wurden die spanischen Hilden,von dm Fürsten gehegt und geschützt, vom Volk-und seinen geistlichen Führern >cker bekämpft und venolgt. 3br Alltagsleben war durch religionsgesetzlickie Veranstaltungen fest geregelt. 2chon vor Tagesanbruch weckte der pregonero oder Ausrufer die frommen zmn Gebet, uild schon die en'ten Verrichtungen des Morgens waren von den birkot haschachar begleitet, die am Beginn unsres Gebetbuches stehen. Man sprach sie. wenn man die Augen anfichlug, seine Glieder reckte, die Lagerstatt verließ, die ersten Gchritte tat »sw. Bei der großen Bedeutung, die den Träumen selbst von ihren Neligionsphilosopheu beigelegt wurde, sagte man nod) einem schleckten Traum den 121. Psalm, andre Gebete bei nächtlichem- Ansgange, lvenn man das Bad anfsnchte, beim Anblick heiliger 2tätten, auch beim Ziisammeickrechen der zur Ehre Gottes Verbrannten. Wer Gpeise und Trank ohne die entsprechende Eulogie zu sich nahm, n>arb angesehen, als hätte er dem Weltenherrn sein Gut geraubt. Wie der Tageslanf. so waren auch die .Höhepunkte des Lebens von religiösen Einridltnngen begleitet und geweiht. Wurde ein Knabe geboren, so fand die Beschneidnng in der Gynagoge statt. Bisweilen erlernte des Kindes Vater den heiligen Akt, um ihn nur einmal, wie der erste der Patriarchen, am eigenen Gohne zu vollziehen. Ter mohel, der die Zirkumzision ansführte, und der Gevatter nahmen auf golddnrchwirkten Polstern Platz, die zur Heiratsausstattung gehörten. Wenn sie sic verließen, rief man ihnen zu: al kol hammizwot! es sei auch angerechnet. als hättet ihr alle Gebote erfüllt! und dem Vater: bessimon tob! zu guter Vorbedeutung! Er erwiderte: otro tanto! das gleiche (werde euch zuteil)! oder: gam ato tiskel and) du mögest rein erscheinen! Im .Hause folgte ein kleines Mahl mit dolces, Bonbons, deren .Hüllen den wagen David oder das Heraqrammaton als Gchmnck zeigten. Ein diadiam oder Talmudgelehrter hielt die darasdiika, einen kurzen religiösen Vortrag. dann wurden die Angehörigen beglückwünscht. Wurde ein Mädclien geboren, so fand am folgenden 2abbat das fadar la hija, die Namengebung, im Gotteshanse statt. Auch hier wurden die Eltern beglückwünscht: bessimon tob V en!a hora masalosa! Zu gutem Vorzeichen und zur glücklichen 2tnnde! War das Mädchen zwölf Jahr, oder noch früher, dachte - inan an ihre Verheiratung, dem Gebote des Talmud folgend: Madie selbst deinen Gklaven frei und gib ihm die Tochter zum Wecke! -Heiratsvermittler brachten ihre Anträge, über Mitgift und Aussteller fanden Verhandlungen statt, die mehr Schwierigkeiten beim Bräutigam als bei der Braut mit sich brachten. Ihre Einwendungen gegen barsches Wesen oder das unschöne Aussehen des ihr Angetragenen wurden ihr ansgeredet und ins (llegenteil umgewendet. Zweimal durste sie einen Antrag aussdüagen, das drittemal war sie verbniiden. einznwilligen. Tie erste Begegnimg fand auf einer Promenade oder im Hause der Brauteltern statt. Hatten die beiden sich gesunden, so wurde ein Vertrag mit den .Heiratsbedingungen aufgesetzt und ihnen vor Zeugen vorgeleien. Tann faick der kinian statt, die llebernahme der Eidesleistung. Ter diadiam brachte ein weißes Tuch, ließ einen Zipfel von dem jimgen Mann, einen andern vom Mädchen erfassen, dann fragte er jenen: Willst du die N. N. Heiraten und keiner andern Trauung, Eheberatung und Geschenke geniähren? .Hatte er mit Ja geantwortet, so ließen sie das Tuch los, und der Vertrag wnrde vorn Bräutigam und zwei Zeugen unterfertigt. Ter Hochzeitstag wnrde festgesetzt und dem Bräutigam ein Teil der Mitgift ausgehändigt. Tie Braut erhielt Obren-, .Halsschmuck und Ilrmbänder, der Bräutigam Temsprecli-Anlaq«ii jedes Systems Vollautomatische A Glühlampen-Zent in höchster Vollendun g nlagen, Reihenschaltungs-Anlagen ralen, Haustelephon-Anlagen in Kauf und Miete führen aus Dresdner Prtvat-Telelon-GefeUlchaft G.M.N.U. Femspr.-Sammel-Nr.2>631 DrßSd6D*A>1 Wilsdruffer StraBelS Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich