Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 5 Seite 11 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligiouSgemeinde Dresden Herr Mereschin. der Vizepräsideyt -es Kam,et. wollte das I Vorhandensein eines Gegensatzes »wischen jüdischen und rus- > fischen Bauern Nicht leugnen. Aber auch er beurteilte die Lage mit einem gewissen Optimismus: „Ter einzelne Bauer weiß ganz genau, daß er mehr Land als ihm nach der „Norm", d. h. den allgemeinen staatlichen Grundsätzen, zusteht. nicht zu envarten habe." Würde der Jude „die Erde" nicht erhalten, so würde sic ihm (dem Bauer) doch nicht zufallen, sondern einem anderen ruffifdjcu Bauer, der die Norm noch nicht erreicht hat. Er sei also persönlich uninteressiert, und für eine BegehrlickLeit, a»S der das Haßgefühl gegenüber dem Inden erwaclifen könnte, fehlte es am Grunde. Bor die Wahl gestellt, ob der Jude oder ein andrer russischer Bauer den Boden erhalten soll, iwröc der Russe sich für den Juden entsklieiden. lvcil er ganz genau wisse, daß die jüdische .stolouisation auch für Um n>cicntlid)c Vorteile mit sich bringe und - die Anlage von Brunnen, von Weingärten und dergleichen auch ihm zugute komme. Tie nichtjüdische Bauernbevölkerung bilde auch keine einhcitliclx' Masse. Sie zerfalle in Reiche, Mittlere und Arme. Nur der reiclie Bauer sei in der Lage, sich Lohnarbeiter zu halten, sich Pferde-und. sonstiges Inventar zu beschaffen und so inehr Boden zn betreuen, als er mit feinen eigenen -Händen bebauen könne. Nur er könne fo ein Interesse daran haben, nod) mehr Land zu bekommen. Bei dem armen Bauer fehle es an diesem Interesse. Seine Instinkte richten sich deshalb nicht gegen den Juden, sondern höchstens gegen den reichen Bauer, auch wenn dieser Russe sei. Tazu komme die Organisation »nd Propaganda der herrschenden kommunistischen Partei. Sie sowohl als auch die kommunistische Jugendorganisation umfasse alle Bauern auf .dem Lande, die Russen wie die Inden. Diese Organisation, auf der Gleichheit aller begründet, fei der Bildung antisemitischer Instinkte an sich nicht günstig. Dazu komme, daß die Partei mit allein Nachdruck jeder antisemitischen Regung entgegentrete. In der Armee gebe es keinen Unterschied z>visck)en Inden und Russen. Ebensowenig in den professionellen Schulen und in den .kooperativen. Tie. allgemeine Erziehungsarbeit sei auf die Beseitigung aller Vorurteile eingestellt. Ter private Handel, früher in erster Reihe Beruf der Juden und Quelle des Fasses gegen sic. sei beseitigt. Von allen diesen Faktoren zusammen enlxirtet Herr Mereschin, daß es allmählich gelingen werde, das Verhältnis zwisckien Russen und Juden zu entgiften. Es fällt dem unbefangenen Beobachter nicht leicht, diesen Optimismus der Regierungsstellen über die antisemitische Gefahr zn teilen. Als ich an einem Sonntagvorinittag von Leningrad nach Zarskoje-Selo, der alten Zarenresidcnz, fuhr, in einem „harten" Wagen, der die Einhcitsklasse aüf dieser Strecke darstellt, erlebte ich daH folgende: Um eine mitfahrende Bäuerin herum erhob sich ein lauter Wortwechsel. Ich fragte meinen Begleiter, was die Leute hätten. Er antwortete mir: „Tie Bäuerin hat eben gesagt: ,Na ja, in einem solchen Judenstaat, was. soll man denn da auch Gutes envarten?" Diese Bemerkung, von einer einfachen Frau aus dem Volke getan, beleuchtet schlaglichtartig die Lage. Trüben nicht anders wie bei uns. Wenn einem die Verhältnisse nicht passen, schimpft man auf die Jirdenrepublik. Wenn es kein Brot gibt, oder die Butter teurer wird, find die Juden sckyild. Sie sind das Ventil für! die anfgestapcltcn llnlustgefühle, der Prügelknabe, der bei jeder Gelegenheit hcrhalten muß. Wenn im alten Ron» der späten j^aiserzcit es im Volke gärte, ganz gleich ans welchem Grunde, ob die Tiber über die Ufer gestiegen war und die Stadt unter Wasser setzte, ob die.stornsckiätze Aegyptens ausgeblieben waren, ob Seuchen das Land heimsuchten oder eine Niederlage das Volk betroffen, iminer hieß es, wie uns Tcrtullian in seiner „Verteidigungsschrift" zu berichten weiß: „Ehristianos ad leonem — mit den Christen vor die Bestien". Tic Juden haben seitdem das Erbteil der römischen Christen angetreten, und dafür, daß es auch in Rußlaird nicht aud.'rs ist, ist die Aeußerung der Bäuerin ein beredtes Zeichen. Ich habe diese einzelnen Erlebnisse vorausgeschickt, weil sie die Atmosphäre vielleicht besser kennzeichnen, als theoretische Tarlegungen. - Fragt man allgemein: „Wie steht es mit dem Judenhaß in Sowjetrußland?". so hat man zunächst festzustellen, einen offiziellen Judenhaß, einen Staatsantisemitismus, kenntj Sowjetrußland nicht. Tiefe Tatsache geht weiter als in ' 99 9 9 ist Entgiftung des Körpers und Befreiung von krankhaften Stoffen. AttrMek mil gifljiOilDcrn. Dr. med. Ptüer, Leipzig, spricht am Freitag. 10.Mai 1929. abds.8' «Uhr. im Institut, Dresden, Bürgerwiese 22 Eintritt frei! Personen unter 21 Jahren haben keinen Zutritt! m dem Mil O.|od>inter{ffanien BorirogK 1. Gibt eS eine Wiedergeburt? 2. Unschädliche und naturgemäße Reinigung des Körpers durch tägliche innerliche galvanische Waschungen. 3. gell-Elektro-Gymnastik mit galvanischen Feinströmen. 4. BerjüngungSprozesse -und Erneuerung des Organismus. 5. Behandlung mittels galvanischer Feinströme bei: Mt. zslvlar. Wllmtisms. Mevim. LSWimev. Jleiraigirn. Wtgrinr. nervenmUinOnnani. MntMUiMn, ve! 6tö« ranoen ves Wtttelsmles. VeMerva ver VeMavre. Jttnralllaln. SWllMkelt. Am Tage nach dem Vortrag. a»Lo»»ab«»b, de» 11.Mai 1929, vorl 10 bis 12 und 3 biS 8 Uhr, finden kostenlose AuskunftSstrrnden im Institut statt. — Für grauen Krankenschwester anwesend. Verlangen Sie unverbindlich AusklärungSliteratur durch unsere kostenlose Broschüre Rr 100 der wissenschaftlichen Abteilung: Vovllvlltv. vresve». Mgenvlele 22. m 15218 0999959293