Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 emeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 5 irgendeinem andern Lande. Ter Grundsatz iftj nicht nur theoretischer Natur, sondern Sowjetrußland duldet tatsächlich leinen Antisemitismus und unterdrückt ihn mit al en ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, sinr die Sowjetri giernng ist Antisemitismus itonterrevolution, nnd er nnrd g man so gecchndet, wie jeder konterrevolutionäre Akt. Gin Mitglied der bcrrickicnden Partei, das sich irgendwie antisemiti ch betätigt, wird ans der Partei ausgeschlossen. Tas ist mir n cht nur von führenden Persönliclikeiten der Regierung erklert worden, sondern eine ganze Reihe von Willen beweist di? Wahrheit dieser grundsätzlichen Erklärung. Tiefe' Einstellung ist nicht nur eine Iolge der ganzen Sowjetideologie, sondern sie cntivringt auch dem wohlverstandenen Eigen intcressc der Regierung. Tenn darüber kann man sich wohl kci»?m Zweifel brngeben. das; auch drüben der Antisemitismus als Vorspann ctirxiiger konterrevolutionärer Bestrebungen benut t wird, und Erzene znmr bei den Inden ansangen, aber bei ihnen nicht enden würden. Roch ein zweites Moment scl>? nt zunächst zugunsten der Lage der Inden zu sprechen. Bl rfolgt man den Judenhaß zu den verschiedenen Zeiten und ^n den verschiedenen Ländern, so findet man, daß er vielfa h zwar mit der Muttermilch eingesogen ist, nicht selten eber znrückzuiühren in ans künstliche Auspeitschung der Le densckmslen, ans Agitation in Wort nnd Schrift. Was die Stimmung schaiit, ist vielfach niclik so sehr das Verhalten der breiten Mafien, sondern die durch die Presse, die antisen itische Literatur und die verhetzenden Volksversammlungen geschaffene Atmosphäre. Von all dem gibt es in.Rnßland nichts. Es gibt keine Pressefreiheit. und cs gibt keine Versammlungsfreiheit. Antisemitische Zeitungen, antisemitische Schriftc l, antisemi- Geigenbau ProFFJ.Koch Die KiinsHer-Jnsbumente Dresden, praZerstr.K^ (Lifr.) tische Versammlungen ivären illegal. Damit ist di< der Bevölkerung auf diesem Wege unterbunden, kann jedoch nicht darüber hiinvcgtänschen, daß Inden, unter dem (Gesichtspunkt des Antisemit trachtet, außerordentlich ernst ist. Ich glaub? llebertreibung schuldig zu machen, wenn ich sag ' Bevölkerungsschicht in Rußland von dem Indent Ich enväbntc oben meine llnkerkaltung mit eine ölten (tzesellschait. die ans ihrer konterrevolutiö, nellnng kein Hebl machte., sie äußerte sich übef mung ihrer itreise zur Indenfrage etiva dahin: zaristischen Regime lagen die Tinge so. daß die tnrllen .streife im allgemeinen mit ihren Syn seiten der Juden standen. Sie sahen in ihrer U und Verfolgung ein Unrecht nnd eine .(tnltunvid bak sich von Grund ans geändert. Tiejenigen. nnng nicht mit dem nc:n?n Regime gemacht ha ihm innerlich feindlich gegenüberstche», die die für ein Unglück halten, sehen in den Inden die Uifd Unglücks nnd konzentrieren ihren ganzen Haß a di? Verhetzung Tas alles e Lage der ismus bemich keiner daß keine affe frei ist. Tame der aären Eindie Stim- ,Unter dem n t e H c f * pathien auf äterdriickung higkcit. Tas ihre Rcchsondcrn Umwälzung len. älzün beber'oieses f sw>" Tie Tatsackie, daß die Inden wirtschaftlich unter der Revolution gelitten haben, wie kaum eine zweite Schicht der gesamten russischen Bevölkerung, sehen sic nicht. Ebensowenig, daß zur Zeit auch nicht ein einziger Jude in der russisckien Regierung sitzt. Sie halten sich an die jüdischen Ramen, die im Ansangc im Voroergrunde standen, ohne Rücksicht darauf, daß ihre Träger jeden Zusammenhang mit dem Judentum, jede Rücksichtnahme auf jüdische Interessen jederzeit mit der denkbarsten Schroffheit abgelehnt haben. Tie Masse der Juden hat wieder einmal für die nnmigen zu büßen, die sie verleugnet haben nnd ihre größten s^einde sind. In den übrigen Bevölkernngsschichteu sieht es nicht anders aus. Ter Bauer ist immer egoistisch und individualistisch gewesen. Er wird iminer zum Judenhaß disponiert bleiben, wenn er sich von seiner Betätigung irgendwelche Vorteile verspricht. Ich glaube nicht an Pogrome, solange die Bajonette der Roten Armee die Ordnung aufrechterhalten und die Inden schützen. Ich fürchte aber, daß keine Aufklärnngs- und Erziehungsarbeit einen Tamm abgeben wird, wenn dieser Schutz einmal fallen sollte nnd die Instinkte des Bauern gegen die Inden gehetzt werden sollten. Auch die Arbeiterschaft ist von dem Judenhaß nicht frei. Eingehende Unterhaltungen, die ich mit itcnnern der Verhältnisse gehabt, haben mir dies bestätigt. Und zahlreickx? sssälle, die gerade in den letzten Monaten durch die Presse gegangen sind, haben für die Richtigkeit dieser Anschauung die'traurigen Beweise geliefert. Alles in allem läßt sich die politische Lage der Juden in Soivjetrnßland wie folgt kennzeichnen': Verfassungsmäßig haben die Juden völlige Gleichberechtigung. Ter Regierung fehlt cs nicht an dem ernstesten Willen, diesen Grundsatz auch in die- Praxis umzusetzen. Innerhalb der Ideologie der herrsckzenden kommunistischen Partei ist für den Judenhaß kein Raum. Und ein lärmender, im öffentlichen Leben sich manifestierender Antisemitismus ist schon, weil es an einer antisemitischen Presse nnd Versammlungspropaganda fehlt, in Sowjetrußland nicht vorhanden. Aber die ruhige Oberfläche kann darüber nicht hinwegtäuschen, daß darunter ein, die weitesten Schichten umfassender, Judenhaß vorhanden ist. den zu beseitigen oder wenigstens herabznmindern. die Regierung und wohl auch die Parteileitung es an redlichem Bemühen nicht fehlen lassen, über dessen (Yefährlichkeit man sich jedoch keiner Täuschung hingeben darf. Solange das Sowjetregiment sich hält nnd in der Roten Armee ein starkes Instrument hat. besteht für die Juden in Lowjetrnßland kaum eine Gefahr antisemitischer Erzesse. Was^aber wird, wenn einmal die Tinge sich ändern, vermag kein Lterblichcr vorauszusagen. Die schmale Front Ne scnmaie Iunseres Geschfiftslokals hindert uns nicht, auf I breiter Basis zu arbeiten. Sieben Motoren unter- I stützen die Leistungen unserer Mitarbeiter. I Brillen - Roettig I Prager Strafte 23 \1/ Pr in eafer \ 1/ W Präger aSfräße 5X W Jedes Pro&ramm ist ein. CreiQnis h uK>db*nta$s / 4, 47 nnd 49 QiAr Sonntags/ 3, 6, 7 und 9 <UAr