Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 Seite 8 ieinetndeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden In Polen, in Rußland, besonders in Bessarabien und Ungarn und in der Bukowina, in den letzten Jahrzehnte» in Amerika und Palästina sind viele Juden in geschlossene» Sicklungen dauernd mit steigendem Erfolg als selbstproduziercnde Landwirte und Pflanzer tätig. Auch in Deutschland ivaren mit der Sprengung der Geuomauern viele Jude,, bemüht, sich cnrf der Scholle Erwerb unv dauernde Eristenz zu schaffen, und das Resultat dieser Bestrebungen waren die vielen kleinbäuerlichen Wirtschaften in Bäner», Württemberg und Hessen. ( In diesen Provinzen und auch in andern Landcoteilen habe» wir schollenfestc Inden und Landwirte, als deren Hauptcrwerb d c't Viehhandel viel mehr al>s Folge des Bodenmangels und weniger als streben zum Han Hel aufgefaßt werden muß. Wie bei allen Gemeinschaften lockten \ . Sehnsucht zum Leben und zur Arbeit auf der Scholle auch den Judeij auf das platte Land. Es ist der Selbsterkaltungstrieb und der Trieb zur Erhaltung der Art, das Streben zur körperlichen und geistigen Regeneration, das besonders in den letzten Jahren die Iugen > im allgemeinen, insbesondere auch gnsre jüdische Jugend ersaht hat uisd sie zu den Berufen deS Landwirts und Gärtners treibt. Diese Tendenz unsrer Juger d ist volkSpsnchologisch begründet unl als «in« unbezwmgliche Lebensäußerung unsrer jüdischen Gruppengemein ckast anzuleben: sie hat in Deutschlai ld in dem grohen Juden und Philanthi open Koniut Simon in Hannover hreo Interpreten und groben Förderer und Berwirklicher vor etwa 80 Jahren gefunden. Mit der Gründung der Gär ncrlehranstalt in Ahlem durch Kon iimon hat eine systematis he und zweckmäßige Berufsausbil bland ihren Anfang genommen. Tie stattliche Anzahl — es dürfte» gut 200 Gärtner sein — ausgebild t. Der größte Teil von diesen hat sich beruflich bewährt. Bic Ic sind als tüchtige Gärtnerciange- :t ihre Eristenz als leitende Friedhaben es als Farmer in Amerika Insehen gebracht, einige gelten in der CtfcBertftMe bei Ott s»l düng junger Juden in Deutsch Lehranstalt in Ahlem hat eine stellte bekannt, eine Anzahl Jjo Hofsgärtner gefunden, manche und Afrika zu Vermögen und - palästinensischen Kolonisation c Is äußerst tüchtige Fachleute. Tie zionistische Ideologie haben insbesondere im letzten ind die moderne Jugendbewegung Jahrzehnt eine große Anzahl von Ausbildung in der Landwirtschi jüdischen jungen Leuten beiderlei Geschlechts veranlaßt, sich der ft und Gärtnerei zu widmen. Hierbei haben sich Angehörige ei «er alten ehrenwerten Familie, die Herren Aron und Siegmund Hirsch, durch Bereitstellung von Mitteln zur Ausbildung jüdischer Landwirte und (Gärtner, insbesondere auf ihrem Industriegut Messiugwerk bei Eberswalde, große Verdienste erworben. Es ist objektiv fcitzustellen, daß sich unsre Pioniere in starkem Raße trotz allen Schwierigkeiten, die sie zu überivinden haben, 'ewähren und unter den widrigiten Bedingungen bei ihrem durch deale Forderungen ergriffenen Berus bleibe». Unsre Jugend hat ich in de» ländlichen Bcrllsen als geeignet gezeigt, die Schwierig» eiten, die sich ihr bei der Ausübung des^Berufcs, bei der Schafung einer gesich.'rte», dauernden beruflichen Eristenz entgcgentellen, sind von ihren Leistungen im Berns unabhängig, sie sind snatericllcr und gesellsctiaftlicher Natur. Für die zionistische Jugend kann vorläufig Palästina nickt in jedem Fall ArbeitSseld und Existenz bieten. Bor allem für die jüdiiche Jugend, di« nur in Deutschland, in ihrer Heimat, den vaterländischen Bode» bearbeiten Null, gibt e» kein Fort,» kommen im gewählten Berus. Hat schon vor demKrieg der deutsche Großgrundbesitzer undHandelsgärtner in den allermeisten Füllen die Auinahme eines jüdischen Prakiilanten, Beamien und Gehilfen verweigert, so sind in dieser Beziehung nach dem Kriege die Verhältnisse noch viel schlechter gewoiden. Nicht nur die steigende Welle deS AntiiemiiiSinut, sondern auch die Tatsache, daß nach dem Kriege auS der allen Armee auSgeschiedenc frühere Berussioldaten da« Angebot der Beamien in der Landwirtschaft vermehrt haben, und die jetzt verminderte HeereSstürke, die viele.Männcr a»S dem Adel, dem Großgrundbesitz und dem Bauerntum in der Landwirtschaft sestbält, macht cS dem jüdische» Ackerbauer fast unmöglich, in eine Stellung zu kommen. Kommt noch der beschämende, ja schandhafic Umstand hinzu, daß oft unsre eigenen jüdischen Großgrundbesitzer nur i» Iden wenigsten Fällen geneigt sind, jüdische Beamte und Angestellte aufzunehmen, weil ihnen nur der nichtjüdische Beamte eine notwendige Ergänzung ihrer sozialen Position zu sein scheint, dann! ist die Kalamität zur Genüge gekennzeichnet, unter welcher unsre«; sich aufopfernde b e st e Jugend zu leiden hat. Wer sich aber trotz allem durchringt und nach Jahren der Praris . iriid Erfahrung bewährt hat, kann nicht zur S c l b st ä n d i g k e i l gelangen, weil ihnr dcrzn die finanzielle» Mittel fehlen, und weil in Deutschland keine Institution da ist, die ihm, dem jüdischen Landwirt, helfend die Hand reicht, ihm die Wege ebnet, ihm die durch Olcsetz gebotenen »intericlll» Möglichkeiten schafft. ES muß betont Iverden, daß im Beruf des Landwirts und DIE VORNEHME ZIGARETTE // . „iiiiiiil