Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 4 (4.1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Gemeinde bl att der Israelitisch en Religionsgemeinde Dresden * Seite 5 der Unterschied zwischen Herrn und Diener war an biciem i Abend aufgehoben. Nachdem man. zum vierten Male Sii’jj ^cri^r gefüllt hatte, wurde auch in den großen silbernen Pokal, in der Mitte der Tafel, den Beckx'r für den Propheten Elia,! Wein gegossen. Man glaubt. der Prophet koinnie ungesehen herein und nippe an dein Beckier, und wenn sich nur die Loer-i fläckie des Weins ein ivenig bcivegte, galt dies den (lindern als Zeichen, daß der Prophet zugegen sei. In »uind)eji (Hegenden lehnt man vor dein Oeffnen der Tür eine Lien-! gabel an sie. Sobald diese dann mit (stepolter umsällt. rnfeii die .Binder: „Der Elia .Hanowi und der Moschiach kommt". Zum Sdstuß sang der Pater mit den Söhnen das „Hobe lied" vor. 'Das Mittagmahl bestand aus vier traditionellen (Gängen gefülltem Truthahnhals, der Jahreszeit eiltfpreckieiiden Ge! müsen, Psefserfisch und (inödeln. Am zweiten Abend as! man Brühe oder Borsdst und gekodstes Geflügel. Brater! gab es nichts weil die Seroa, das gebratene Beinfleisdi au > dem Tische stand. Der Aphikoman mußte nod) vor Mitter | »ndit verspeist werden. Bei inandien Juden ivird er >vie ei,} j /Talisman auf Reisen mitgenominen und zwisd-em die Wäschst! gelegt. Großes Unheil entstand, lvenn man iin Geflügel \ etwa ein Hafer- oder Gerstenkorn entdeckte. Das ganze Gel-! sdstrr konnte dadurch unbraudwar iverden. Uin besonders im Verkehr mit der nichtjüdischen zstackibarfchaft stets des Ehauiez Verbotes eingedenk zu bleiben, trägt inan da und dort ganz Pessach ein Stückchen Mazza in der -Hand. Bei den Bergjuden im (taukasus wird im allgemeinen da? Pcssachfest nach demselben Ritual wie bei den westlickie i Juden gefeiert. Tie Mazza, zicinlick) dick und rund, wird mit Beimischung von Erbsenmehl gebacken. Würden „Aphikomen wird eine besondere, nickst große, aber sehr dicke und harw Mazza gebacken. Hülsenfrüchte und insbesondere Reis sind erlaubt. Tee trinkt man mit Rosinen und Datteln. Zinti Abendessen während der ersten Abende des Pefsack,festes-bereitet man als Pessackiopfer Geflügel,' nicht selten aber auch ein ganzes Lamm. Das Lesen der .Häggada beginnt mit den Worten „Kaddesch ur' chaz", die bekanntlich bei uns nickst gelesen werden, sondern nur als Programmpunkt oieneu. Während des Lesens des Stückes, dessen Verse mit dem Worte „dajjenu" endigest, beivaffnen fick) alle Anwesenden mit jungen Zwiebelstengeln, mit denen sie einander ickzerzend ickstagey. Das bei uns üblickie Austropfen des Mcins an gewissen Stellen der Haggada ist hier unbekannt.. Das Haggadalei-in selbst gescksteht langsam, mit Unterbreckmugen, während dertr , man Wasserpfeifen raucht und an Blumen, Drangen uüd anderen Früchten, an Roscnlvasser und dergleichen riecht. Dgs letztere geschieht speziell, um die Gelegenheit zu haben, den entsprechenden Segcnssprnch herzusagen^ Nach Beendigung der Haggada nimmt man irgendeine» j Gegenstand ans die Schultern, einen Stab in die Hand. unld begibt sich in däs Hans des Nachbars, wobei t'iri) folgender Dialog entwickelt : ' Auf das Anklopfen an die Tür fragt! der Nack,bar:! Ki'jst? (Wer ist dort?) j | — Israel.! As kudsckw omadi?. - As Misraim. (Aus Woher bist du gekommen?) Aegypten.) uiw. in eut'predien der Art. Bei den Jemeniten begiünt mau and) schon am Tage uadi Purim mit den Porbereitu igen für Pcssach. Mau iveißt die Wände, sckieuert sorgfältig' de» steinernen Fußboden und die Mahlsteine der HandmühlS, Das Getreide für die Mazzol wird (törnck)en iür (iörnckie i von alten Frauen gemahlen, das Mehl schichtweise zlvifdzen grüne sträuter gelegt und zugedeckt. So bleibt cs zweimal viernnd zwanzig Stunden liegen, bis es ganz iveiß geworden ist. Am Sabbat vor dem Feite ivird den (Hemeindemitgliedern vom! Rabbiner eingeidxirft, auf die Sall^^da^er Allmarkt 10 ■ Ruf 12045 Das Fachgesdiäft für Schreibmaschinen Zeitgemäßer Alle Arten Drucksachen Bürobedarf vornehm, schnell,preiswert jungen Frauen zu achten,!daß sie die Pörschriiten über aas Ehamez nickst Übertretens Beim Gottesdienste am erste» Abend ivird im Wechselgesäug ein Psalm vorgetrage» und von der Gemeinde day Halleluja wie ein Triumphruf läut wieder holt. Im Hause werden dann bid Lampen augezündet. und man besprickst religiöse Gegenstände, ivährend in der »üche die Mazzot gebacken werden. Eine Frau hält in der linken Hand ein Gefäß mit Wasser, mit der recksten knetet ne den Teig mit Zusatz von Salz.,das Wasser dazu aus jenem Gekäß aufgießend. Vom Hausherrn oder einem andern Manu ivird vor der Tür ein Hammel gesckilackitet. Dann richtet mau auf einem niedrigen Tisch) den Seder an. In eliiem (treif-e häuii man bis zu einer Höhe von;“»() Zentimeter Rüben, Lattich und Petersilie an. In diesen .(kreis stellt man Töpfe mit den Fest, speisen. Tie Peten'ilie (oder Sellerie) wird hier nicht. wie sonst im Lrient und Dkzident. in Essig getaucht, sondern, zu (iugelu von 'Dltvengröße geballt. in das „Eharofset", das aus Ist Ingredienzien: Datteln, Aepfeln, Mandeln. Sesam. Nelke» n. a. besteht. Der Hausherr zerbricht ^eine Mazza, hüllt ne in ein Tuch, legt dies auf die Sckmlter und zieht damit im Hauie umher, so den Auszug aus Aegypten darstellend. Bei den Worte» „Kamin.-, nnnilot" setzen fick) alle um den Tiscki herum und halten ihn in die Höhe. Bei dem Worte „<lnjj«-nu" laßt man ihn fallen. Nack, dem -l> kac-I," wird das Hohelied rezitiert. Es folgen: „Kcliad mi jodi-a" und „cliad jradja '. Die acht Tage des Festes werden gleich streng gehalten. Zur Tbora ruft man junge Leute und (sinder auf, wie aucki ani Sabbat als sechster stets ein »nabe aufgerufen ivird. Sobald das (sind lesen kann, wird es als Mitglied der Gemeinde betrachtet. 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