Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Seite 9 Nr . 3 Aus der Gemeinderatsfitzung vom 31. Januar 1929 (Amtliches, Protokoll) Auf Einladung des geschäftsführenden Vqrstehers, .Herrn Rechtsanwalts Paul Solinger, hatten sich zu der heu- Ligen ersten Sitzung des neugefvählten Gemeinderats die hierunter genannten Herren eingcfunden: Vorsteher Dr. John Levy, Vorsteher Sanitätsrat Dr. Siegmund Salzburg. Vorsteher Samuel Weiger, Vorsteher Sanitätsrat Tr. Einil Zimmermann. Gemeindeverordnete: Karl Bochner, Joseph Cohn, Carl Feingold, Egon Feuerstein, Direktor Arthur Glauber, Max tzesser, Siegmund Liffmann. Abraham Lörventhal, Ignatz Natowitz, Direktor Erich Schäpira, Dr. med. Adolf Straus;, Saul Weinreich, Tr. med. Lea Winter. Mit Entschuldigung fehlen die Herren Gemeindeverordnete: Ludwig Jkenberg und Direktor M. Zucker. Die Herren Rabbiner Professor Dr. Winter und Dr. Wolf nehmen an der Sitzung teil. Tagesordnung: 1. Einführung der neu- und wiedergewählten Mitglieder. 2. Eingänge mnd Mitteilungen. j 3. Prüfung des Ergebnisses der Gemeinderatswahl vom 20. Januar 1929. 1. Geschäftseinteilung des Vorstandes; Neu- »vahl der Ausschüsse usw. 5. Wahl eines Stellvertreters für den Ausschuß des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes. 6. Wahl eines ordentlichen Vertreters und eines Stellvertreters zum Verwaltungsausschuß der Landeskasse Sachsen für jüdische Wandersürsorge. 7. Antrag des Gemeindeverord-! rieten Löwenthal und Weinreich auf Bezeichnung des Gc-j meindegottesdienstes nach altem Ritus als „GemeindegotteSdienst Adaß Jeschurun". 8. Annahme einer Stiftung und eines Vermächtnisses. 9. Erhebung von Gemeindesteuer- Vorauszahlungen für das Kalenderjahr 1929. Zu 1. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung gegen 8lA Uhr mit einer Begrüßung aller Erschienenen. Er teilt mit, daß der zum Vorstand neugewählte Herr Samuel Weiger in der ersten Sitzung des Vorstandes am 23. Januar irx sein Amt eingeführt und verpflichtet worden sei. Herr Rechtsanwalt Solinger verpflichtet sodann die in das.Kollegium neu eingetretenen Gemeindeverordneten, nämlich die Herren: Karl Eh. Bochner. Carl Feingold, Ignatz Natowitz, Direktor Erich Schäpira, Dr. med. Adolf Strauß, Saul Weigreich, Dr. med.! Leo Winter durch Handschlag u»ü> erklärt sie hiernach als in ihr Amt eingeführt. Die dem Kollegium bisher schon angehörenden Mitglieder wurden durch den Vorsitzenden insge- . samt verpflichtet und in den neugewählten Gemeinderat eingeführt. Herr Rechtsanwalt Solinger gedenkt sodann mit herzlickM Dankesworten der Männer, die mit Ablauf des Jahres 1928 aus dem Gemeinderat ausgeschieden sind, insbesondere der Herren Vorsteher Max Levi und Gemeindeverordneten Direk- ' tor Julius Hirsch, die beide durch Jahrzehnte hindurch eifrig und mit ganzer Hingebung zum Wähle der Gesamtgemeinde mit sichtbarem Erfolg gewirkt haben. Dem üusgeschiedenen Herrn David Pelz verdankt die Gemeinde die Anregung zur Schaffung des Gemeindeblattes, Herr Rechtsanwalt Dr. Hirsch hat durch seine juristische Mitarbeit wertvolle Dienste geleistet. Auch die Herren Jacob Reinhold. Tr. Friedrich Berlowitz und Dipl.-Jng. Joel Landau haben ihr Bestes gegeben. Die Konsolidierung der Gemeindefinanzen, so sagt endlich Herr Rechtsanwalt Solinger, sei in günstigem Fortschreiten bc-l griffen, die nächste wichtigste Aufgabe des Kollegiums sei eine eingehende Beschäftigung mit den Finanzfragen. Herr Vori steher Weiger dankt im Namen der Neugewählten mit dem Versprechen, das Beste zu tun zum Wähle des Ganzen. Herr Rabbiner Professor Dr. Winter spricht für das Rabbinat und richtet die Bitte an das Kollegium, immer friedlich, mit dem Rabbinat zusammenzuarheiten. Herr Vorsteher I Dr. Levy legt die Gründe dar, aus welchen die'Volkspartei diesmal auf einen Wahlkampf bestanden habe, und erörtert die Gesichtspunkte, unter denen die Volkspartei sich ihre Mitarbeit im Kollegium vorgezeichnct habe. Tie Volkspartei »volle positive Arbeit leisten, als ihre nächsten Ziele bezeichnet Herr Tr. Levy die Beseitigung der von ihr als ungerecht empfundenen Wahlrechtsbestimmungen in der Gemeindcsatzung, die Ucbernahme der Schule des Vereins Machsikc Thora auf die Gemeinde, Hinzuziehung von Personen aus allen Kreisen der Gemeinde zur Ehewra Kadischa, die Aus"- ’ gestaltung der Fürsorge zu einer produktiven. Tie Volkspartei wolle nicht Politik in die Gemeindestube tragen, sondern friedlich zuin Wohle der Gesamtgemeinde arbeiten. Ties sei aber nur möglich, »venn jedes Gemeindemitglied die Ueberzeugung gewinnt, daß die Gemeinde die jüdischen Interessen jedes Mitgliedes — ganz gleich, ob es arm, ob es reich, ob deutscher oder ausländischer Staatsangehörigkeit — mit der gleichen Liebe wahrnehme. Herr Rechtsanwalt Salinger erwidert, daß die Verwaltung der Gemeinde unbestreitbar stets auch bisher schon die Wünsche aller ihrer Mitglieder, auch der Ostjuden in bezug auf Kultus und Ritus in »veitgehendem Maße erfüllt hätte, daß für ihn und seine Freunde aber bei alley Entschließungen der Grundsatz: „Keine Ausgabe ohne Deckung" maßgebend sei. Tie liberale Fraktion werde daher wie bisher keine Verpflichtungen der Gemeinde eingehen, ohne ihre Notwendigkeit und die Möglichkeit ihrer Durchführung in finanzieller Beziehung genau geprüft zu haben. Herr Gemeindeverordneter Weinreich erklärt für die Volksvereinigung für jüdische Interessen, die von ihm und Herrn A. Löwenthal vertretenen Gemeindemitgliedei: seien keine Partei, sie hätten auch keine politischen Bestrebungen. Tie Volksvereinigung für jüdische Interessen glaube dem Ganzen am besten zu dienen, »venn sie die Erfüllung ihrer besonderen Wünsche in Beziehung auf Kriltüs und Ritus auf dem Wege der Verständigung zu erreichen suche. Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und genehmigt. Zu 2. Kollegium nimmt Kenntnis von dein Dankschreiben des Herrn Sanitätsrats Tr. Salzburg für die Glückwünsche des Vorstandes und Gemeinderates zu seiner Silberhochzeit, des jüdischen Jugendvereins zu Dresden für die Wiedereinrichtung der Freitagabend-Jugendandacht, der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem für den Gemeindebeitrag für 1928 von 500 M. Ter Rat zu Dresden, Verfassungsamt, gibt die Rechnung über das Henriettenstift auf das Jahr 1927 nach Einsichtnahme zurück. Der Gemeinderat hat in seinen Sitzungen vom 19. Januar 1927 und 29. Februar 1928 einstimmig die Entlastung des Vorstandes für die Geschäfts- und Kassenführung der Jahre 1926 und. 1927 ausgesprochen. Heute liegt der Prüfungsbericht des Kassenrevisors über den Jahresabschluß dieser beiden Jahre Dor. Kollegium nimmt davon Kenntnis. Zu 3. Der Vorsitzende legt das Protokoll über die Neu-' wähl des Gemeindcrates vom 20. Januar 1929 mit allen Unterlagen vor. Ter Gemeindevorstand hat das Wahlergebnis-allenthalben bestätigt. Kollegium erklärt die Wahl gleich falls für gültig. Hiernach sind für die Jahre 1929, 1930, 1931, 1932 und 1933 als Vorsteher geivählt die Herren: Fabrikdirektor Tr. jur John Levy, Rechtsanwalt Paul Salmger, Sanitätsrat Tr. Siegmund Salzburg, Samuel Weiger, Sanitätsrat Tr. Emil Ziinmermann. Als Gemeindeverordnete, gleichfalls für die genannten fünf Jahre, sind geivählt die Herren: Karl Bochner, Joseph Cohn, Carl Feingold, Egon Feuerstein, Direktor Arthur Glauber, Ludwig Jkenberg, Max Lesser, Siegmund Lifsmann, Abraham Loewenthal, Ignatz Natowitz. Direktor Erich Schapira. Dr. med. Adolf Strm»ß. Saul Weinreich. Dr. med.- Leo I Winter, Direktor M. Zucker. ffSTOEWERCK Kakao Schokolade Pralinen