Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 3 (3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 emeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 bilden dieKiitder, die neben den öffentlichen -schule i gleichzeitig die Talmud-Tbora-Schulen besuchen. Diese Kn der sind den ganzen Tag in Scbulräuinen, vormittags in de:■ Volks- 'cbnle. nachmittags in der Talmud-Tbora-Schule. Ttß hier durch die .Kinder weit über das zuläsüge Maß geift g angestrengt uierden. daß die körperliche Entwicklung darunter leidet, ist eine kann> bestrittene ärztliche Erfahrung. Bietet demnach die Fürsorge für nornrale Sck ulkinder keinen Anlaß zu Sondermaßnahmen der jüdischer Wohlmbrtspflege. so gibt ibr die Erziehung anormaler Kinder mancherlei (Gelegenheit zu ivünsckiensiverter Hilfe. D it Recht ist für jüdiiciie Kinder mit grob wahniebmbarcn Eebrecken wie Taubstummheit oder Blindheit von der jüdische l Wohlfahrtspflege seit langem gesorgt. Ist neuerer Zeit fordern aber gerade jene schwerer feststellbaren. n>eil unanff illigeren Grenzzustände unsre Aufmerksamkeit. Die P s y ch o p ct h e ns ü r sv r^.g e gen-innt immer mehr an Bedeutung, cnti»rechend der wachsenden Zabl der Psnciiopatkcn'und cntspreckend den Schwierigkeiten, die ihnen die Einordnung in dcks soziale Leben bereitet. Nicht nur ihres allgemein dürftigen Ausbaues wegen sollte Pwch.opathentürsorge auch von der jüdischen Wohlfahrtspflege'betrieben werden/ sondern weil in ihr ohne Mitarbeit der Eltern Erfolge kaum zu envarten sind. Der Berkehr zivisclvn Eltern und Fürsorgern ist aber in der Psychopathenfünorge bcsoitders schivierig. weil das Nervennnd seelensysteni auch der Eltern gewöhnlich geschädigt ist. Der gemeinsame Glaube kann liier zu einer Brücke norden. Am Ende der Schulzeit stellt die 'Per u fsberat u n g. An ihr wlltc die Woblfabrtspslege der jüdischen Gemeinde tatkräftig Mitarbeiten. Wie in dem Rabnten dieser lieberücht nur eben angedeutet iverden kann, ist für Bestand und (tZesundbeir des deuticlien Judentums eine Aendcrung in der Bern'sverteilung dringend nötig.. Die Anhäufung der Juden in den Großstädten in Berlin allein lebt fast die Halite der preußischen Juden . die Borliebe für intellektuelles Berufe birgt für die Ge'undheit. den Bestand des JndentuntS große Gefahren in üch Die Schwierigkeiten, die einer Un stellnng entgcgcnwirten. und zwar riesengroß. Dennoch st llte die jüdische Gemeinde nicht ablassen. durch eigene Stelen für Berufsberatung in diesem Sinne zu arbeiten. Ter sozial bngieniker nimmt an diesem Problem regsten Anteil, tveil die gegenuxirtige Bernfsvertcilnng der Inden eine Ham tun'ache. des den allgemeinen Durch'ctmitt übersteigenden G:burtcn rückganges ist. Denn die Städte bringen um so niedrigere Geburtenziffern im Durchschnitt auf. je größer ne sind, uiiü geistige Arbeiter und Kaittleute haben lveniger Kiisder als Handwerker und Handarbeiter. Die Juden iverden freilich anteilmäßig wahrscheinlich weniger von ihnen ersaßt, weil die Zahl der selbständigen Eri stenzen größer ist. Darunter befindet sich allerdings ein außerordentlich hoher Prozentsatz kleiner und kleinster Betriebe. deren Inhaber nickst in der Lage sind, für sich und ihre Familie die Kosten einer längeren Krankheit zu bestreiten. Diese kleinen selbständigen Gewerbtreibenden sind den Fährnissen des Lebens viel wehrloser ausgcliefert als Arbeiter und Angestellte. Die Anhäufung dieser wirtsckiaftlich schwackien selbständigen Gcnwrbtreibenden kann man wobt als eine jüdisckie Besonderheit bezeichneil und kamt daher fordern, daß die jüdische Gemeinde durch Errickstnng jüdisckfcr Krankenanstalten und Polikliniken diese Not zu lindern sucht. Diese Anstalten dienen auch der Aufnahme frommer Glaubensgenossen, die auch iik der Krankheit den Riten und Geboten der Religion folgen wollen. Gerade die medizinisckie Forschung der Gegemvart hat den großen Einfluß gemütliclvr Zustände auf den "Ablauf der Krankheit studiert lind damit uralte praktiickfe Erfahrungen bestätigt. Diese engen Bezieh u n g e n z w i scheu seelischem und leiblichem Gleichste wicht veranlassen die jüdisckfe Wohlfahrtspflege, stch der A l t e r s v e r s o r g n n g besonders liebevoll anzunclunen. Für absehbare Zeit n>erden — das steht im Zusammenhang mit der erwähnten Berschiebnng im Altersaufbau - die hohen Altersgrupp.n immer dichter besetzt werdeil, die Zahl der alten Leute w i r d z u - n e h m c ii. Ihre Versorgung ist durch die bekannten wirtschaftlichen Notstände der Nachkriegszeit (Bermögensverfall. Wohnungsnot nsw.) besonders dringlich. Der Ban von' /Altersheimen ist eine »vesentlickze Aufgabe der jüdischen (flemeinde. Alte Leute beschäftigen sich erfahrungsgemäß lieber und häufiger mit. religiösen Fragen als die im Lebenskampf Stehenden. Zum Behagen der Alten trägt der Aufenthalt unter (Glaubensgenossen ivcscntlich bei. Der Ring hat sich geschlossen. Bon der ('tebiirt bis ins Greiienalter haben wir mit sozialhygienisch eingestelltem Auge den deutschen Juden begleitet. Natürlich wechseln in der Wohlfahrtspflege wie die Notstände so die Aufgaben. In dieser Hinsicht ist die Nachkriegszeit ja besonders lehrreich. Bestehen bleiben aber wird der Grundsatz, den zu erläutern diese Zeilen versuchten, dctß die jüdische Wohlfahrtspflege iveientlich solche Ätifgabclt zu erfüllen habe, welche aus der besonderen Struktur der Judenschaft heraus die allgemeine Wohlfahrtspflege ergänzen. (Aus der Zeitschrift für Jüd. Wohlfahrtspflege. Herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle, Berlin.) Die w c r k t ä t i g e n A l t e r s k l a s s c n und in gesnndkeitsfürsorgeriscber Hinsicht im allgemeinen ausrcich nd versorgt. Die Sozialversicherungen erfassen über 80 l-rozent Kauft bei unserenJnserenten DIE VORNEHME ZIGARETTE