Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. 1 Leite ln Geincindeblcitt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden h ä ii g e ii ii o di a in I n d e n 1 u ui. L i e s i » d d u r .h ans r c l i g i ö e i ii g eue 11 t und leben n a ch alt e r W e i s e. A der i i c s e k e n ihre W c 11 v e^r j i ii 1 e n, b o f f n ii ii g s los. und d a ii 1 c n ihre in 3 eil c p f e r, 10 e ii rt in a n s i e g e w ähren 1 ä s; t. Ter Gedanke ihrerseits etwa die Jugend in ihrem 3imie;u decinfluisen, kommt ihnen überhaupt nidn. Tiefe I u g c n d i st k o n in u 11 i ft i s ch. a t h e i ft i kch. antireligiös, Syitc malisch wird durch die non der Partei organisierte antireligiö e Pro paganda dieser Weilt auch .in der jüdisdien Jugend groj; ge;ogen. Tiefe Beeinflussung beginnt bereits in de: allerfriiheften Jugend. In den an sich neutralen Kindeigärten, die die .Kleinen non;{ bis Ci Jahren;nsaininensdiliesen. bc tätigen fick die „Tktobristen". d. h. die kleinen Tktobcrlente. ini Linne der koniniilnistischen Propaganda. 3ie wi h jortgefeirt in den Schulen bei den .mindern ooin 1». b s zum 17. Jahre. Tort ünd es die „Pioniere", die ihre Träger find. Ans den „Pionieren" werden dann die „Eoinsoinolsd. fl. die Mitglieder der fomnxnnifttidien Iiigendorganiiutionen. die die Jugend von 17 bis M Jahren umfassen und bereits eine militärifclx' und politische Trgaiiisation darstellei. Ans ihnen erivachfen dann die Mitglieder der Moiniiinn lüiidien Partei. Tic antireligiös)? Propaganda durchdringt das lebte Torf, und fie formt auch die jüdifdie Jugend. Ich.Habe dann am Abend (Gelegenheit gehabt, ich Klub einer Persainmliing beizuwohneu. 3ie ivar äuftern inter e'i'ant. Tas ganze jüdische Temperament und die gaize In teljigen; und Tialcttik dieser teilte, die in dem übe hüllten 'Tofal bis auf die Toriitrafte ftandeu. tobte sich aus, und zwar in jiddifdier 3prache. Tie Probleme aber waren aitiicblicf;-- licli mirtfctiaftliclwr und politischer Natur. Irgend etwas, tvas das spezifisch Jüdische oder gar Religiöse ai ch nur streifte, war nicht zu Hören. Ich habe dann die übrigen .Kolonien, eine nach der Indern, beiuckt. Ueberall fand ich iiidi i ch e 3 chu 1 e u vor. Das lind schulen, die ausschlieftlidi von jüdischen .(lindern werden und an denen aussd>lies;lich jiidisclie Lehrer richten. .sxbriiiHhe 3chriff,t’idH’ii überall: an den äxinden. wo iie auf blutrotem Grunde, das nirgends fehlende Lenin Bild ninrahineiid. die fominnnirtiicti-revolutionären 3chlag Worte in jiddischer Sprache iviedergeben; in der Pin den .Kindern Heransgegebenen handgeschriebenen, mit iftldern illustrierten „Wand zeitunch': in den Scbulbüdiern. die ausschlieftlidi in jiddischer Sprache und hcbräifdicii Sdiriitzeidien gehalten find. Alle möglichen Tisziplinen werden kort gelehrt. Aber von etwas sieht und hört man nichts. iTas ist die jüdifdie Religion. Hebräisch, Bibel, jüdische ((^schichte. ben bedeutet. erisiiert nicht. Tie Feldarbeit ruht überall ach 3abbath. Nicht in einer einzigen .Kolonie aber, d i e i ch b e s n d, t h a b e. i ii d i e 3 ch ii 1 e a in 3 a ) b a t h gesch 1 o )' s e n. Sclmlieiertag ift der Sonntag, oder Feiertag der Republik der Montag. Ueberall Habe gleichen Fragen gestellt und überall die gleichen An:worten erhalten. „An Sabbatben und Feiertagen sind die bdndit unter der ich die schulen geöffnetV" „Jawohl." And, am Rausch-Haschonoh und Jom Kippur?" „Jawohl." „Und' es wird in den Schulen geschrieben und jede andre Arbeit getan?" „Jawohl." „Und « die .(linder gehen in die Schule?" „Jawohl." „Alle?" „Religionsunterrid)t.wird nidit erteilt?" „Nein." Ich frage einen Pater: „bis ftelft doch: „T n sollst sie eiiischärfeu deinen Kinder«." dn als Pater hast also dodi die Verpflichtung, dein Kind selbst >» unterweisen. Was tust du demgegenüber?" Antwort :. „Auf die Pater hören die .(linder nidit mehr. Sie hören nur auf den Lehrer, und der würde das .(lind aus der Sdmle weisen, wenn es;n Hanse in der Religion unterrichtet würde." Ich habe in einer.(lolonie einen alten Juden gesprochen, der selbst streng npdi am alten festhält. Er erzählte mir von seiner Familie. Ein Teil der .(linder ist bei ihm in der Kolonie und hilft bei der Arbeit. Ei» Sohn ist fort. Er spricht mit Stolz von ihm. „Er ist ein guter Talinudift, spricht fliehend klassisches Hebräii'di. Er ist jetzt in einer andern Kolonie als Lehrer tätig." Ter Zufall wollte es, das; idi auch in die (lolonie kam, in der der junge Mann Lehrer war. Ein pracht voller Menfcli. - intelligent, sympathisdi und von warmer Cffeitbcit. Idi richtete auch au ihn die Gretdienfrage. „Wie steht es ui» die Religion? Wie mit dem Sabbath, mit den Speisegefeven. den religiösen Bräuchen?" Ter junge Mann: „Wollt ihr die Wahrheit hören?" „Selbstverständlich." „Nun, dann inus; idi sagen, das sind alles Tiiig?, die für uns nidit mehr existieren." Einhial mir trpf ich es anders, in WeiHrujzlaud, in einer Kolonie wenige .Kilometer von Minsk entfernt, unmittelbar bevor ich?lkus;läiid verlies;. Ich fragte ivieder: „Habt ihr eine Schule hier?" „Jawohl." „Ist sie am Sabbath geöffnet?" „Jawohl." „Und fdüdt ihr eure Kinder hin?". „Nein. Ter Lehrer kommt wohl, aber die Kinder nidit." „Und an. den Feiertagen?" „Tas gleidie." „Und erhalten die Kinder Religionsunterricht? lernen sie Hebräisdi, Bibel und was sonst dazu gehört?" „In der Sdmle nidit. Aber wir halten uns einen „Rebben", der kommt von Pessadi bis Rausdi-Haschonoli und von Sukkotli. bis Penach und unterrichtet privatim die gesamte Jugend." Noch ein Erlebnis zur Vervollständigung des Bildes. Id, kam audi in eine Kolonie von jüdischen „Ebaluzini", in der Nähe von Tschankoi in der Krim. Tie (Kolonie ist eine. Kollektivgemeinsdiaft, auf dem Gutshofe eines ehemaligem jetzt aufgeteilten Rittergutes. Ursprünglid, war die Siedlung für IW Personen bestimmt, jetzt ist die Zahl Die schmale Front unseres Gesdi&flsloKals’ hindert uns nidit, auf breiter Basis zu arbeiten. Sieben Motoren unterstützen die Leistungen unserer Mitarbeiter. 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