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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-02-01 · 2 (2.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
2 (2.1929)
Date
1929-02-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 emeindeblatt der Israelitischen Religion-gemeinde Dresden Nr. 2 Das Iudenproblem in Sowjetrutzland Von Tr. Jsmar freund ipt'i M.i Was die Industrialisierung der Juden'betrifft. ' ihr die sogenannten professionellen 3cfiulcit. diesen werden junge teilte zu Arbeitern 'aus und es in geradezu erstaunlich und berzerluibend in einer derartigen professionellen' Schule sieht, junger Jude an physischer straft und Leistung autz, vermag., Ich habe in Warschau eine derartige Schule - und sie ist typisch, in Odessa. Cherson usiv. liegen hältniise ebenso , in der etwa 130 Lehrlinge au^ werden. Mit 13 fahren sind diese jungen in der mit 15 kommen ne in die Schlosserei, mit 17 in die '.I dauanstalt. In dieser Fabrik und die Hälfte aller denen Maschinen von den Leuten selbst gefertigt. T schrank, der im Kontor steht, ist eigene Arbeit, die Heizung. die durch vier Stockwerke hindurch den Fa Heist, von den jungen selbst gefertigt und installi« Odessa chabe ich eine Produktivgenossensclxrft „Mo ietien. Sa haben sich stvölf junge Vursctien zusamm das letzte, lvas sie batten, verkauft, und ein Lokal vaar Maschinen gemietet. Ein Jahr arbeiten sie, fabristeren schon jetzt vollkommen gebrauchsfertige Bestellungen haben ne in solchem Umfange, das; sie ausfiihren können, Jeder von den Leuten verdien 125 Rubel im Monat. Sie müst'en stch jetzt nach einey Lotal umseben, um sich enUvrectiendzu vergröstern. rür die Inansprucbnabme physischer straft scheinbt, Grenze, und die alte jiidiictie Anteiligen; ist bei diese, nicht ausgestorben. Sie mactst stch bezahlt. Alle dies sthen werden -um grössten Teil nicht als gewöhnliche 'andern als gualiii zierte Arbeiter, als Vorarbeiter mit Arnieii ausgenommen und relativ gut bezahlt. Ich das; man mit Unterstützung dieser Arbeit sich im emi, Sinne den Cntwicklungsinöglichkeiten Sowjetrustla paßt, seinem ungeheuren Industriehunger und dem nach aualifistertbn Arbeitern für die gigantischen A die in industrieller -Hinsicht Rustland sich gesetzt hat t nd (s e das Roch einige Worte stiber die Heimarbeiter und di iverker. Kommt man in eine der vom „Ort" bctre, rufsgenoisenschaften jüdischer Heimarbeiter in Lening Moskau hinein, io slöstt man dort auf ein Gcwimme einen, Ameisenhaufen. 100, 500, 000 Menschen fo„{> einem Vormittag, um sich ihre Wolle abzuholen Strümpfe abzuliefern. Sie bekommen von der ictiast das Rohmaterial und liefern an sie das fertig dukt. Aiir diese Produkte gibt es und das ist stheidende - vorläufig unbcgreusten Absatz. Roch "ist in dieser Hinsicht eine Schwierigkeit entstände!!, Schusterigkeit war immer nur die, genügend Robmate: Maichinen;u bcsclxiffcn. Tas Hilfswerk auf diese» bat den grasten Vorteil, da,; „nt geringen Mitteln imii bältnisinästig kurzer;>dt Wertvolles geleistet werdc Wenn ich in Leningrad einen Rabbiner traf, der bei!i Coden in Marburg skudiert bat und der in der o''cnoisensctxaft stch die Wolle abliolt, uni zu Hause S;u fabristeren - eine andre Tätigkeit gibt es fi Rabbiner in Lowjetrustland nicht 5 so hat die Sache hin das eine Beruhigende, das; er mit der Maschinc bekommt, nach vier Wochen so iveit ist, seine Famili halten. Diese Maschine kostet mir etwa 300 M. M 'ich klar dast diese 3G> M„ die eine Familie' eris inachen, nicht in den Schornstein geschrieben zu brauchen, sondern als Kredit gegeben iberden, dast nach zwei oder drei Jahren sie zurückgezahlt iverdcn. 1l. dienen gebildet, in man Pas ein bringen gesehen sie Pergebildet chmiede, schiuenvorban- 'r (.^eld- Zentrallsrikraum rt. In or" geuigetan. ,nd ein und sie Motorc. ie kaym t heute , neuen Es gibt r keine Leuten e Men- Arbeiter, offenen glaube, entesten ids an- Hunger ifgaben,; Handten Bead oder wie in men an ihre nossene Pros Entüirgends Tie ial und Gebiet in vern kann, ermann .Trud"- rümpfe r einen immerdie er zu erman t^nzfähig werden bereits dast für acht die 300 M„ die zurückfließen, wiederum eine Maschine gekauft, also eine »weitere Familie auf lvirtschaftliche Grundlage gestellt werden kann und so sort, so wird man sagen müssen, ' das; mit verhältnismäßig geringen Summen hier Ungeheures geschassen wird und noch geschaffen werden kann. Ter verhältnismäßig geringe Betrag von 300 000 M. jährlich, drei Jahre hintereinander investiert, würde die Möglichkeit geben, in jedem Jahr auf unabsehbare Zeit 1000 Maschinen zu beschaffen und 1000 Familien mit 5000 Köpfen eristenzfähig zu machen. Tenn im vierten Jahr"würden bereits wieder die im ersten Jahr investierten Summen zuriickströmen, im fünften Jahr die aus dem zweiten und so fort. Alles in allem kann danach über die Arbeit, die für den Wiederaufbau des russischen Judentums in wirtschaftlicher Hinsicht geleistet wird, in Ausdrücken höchsten Lobes gesprochen werden. Tie Methoden erscheinen richtig und es wird nur von der Größe der Mittel,- die dem Aufbauwerk zugeführt werden, abhängen, in welchem Umfange Ersprießliches geleistet werden kann. Tic religiöse Frag« Wenn bei uns did religiöse Frage erörtert wird, so geschieht es meist unter der verständlichen Einstellung: „Wir sind eine Minderheit inmitten einer religiös anders orientierten erdrückenden Mehrheit, müssen naturgemäß unsre Bedingungen von außen empfangen, können uns nicht jüdisch ausleben, und müssen daher mehr oder minder religiös verkilmmern." Auf dieser Einstellung beruht ja die ganze natio naljüdische Bewegung, die eben aus dem „Golus" herausstrebt, um in einer geschlossenen jüdischen Gemeinschaft die Voraussetzung für eine freie, kulturelle und religiöse Entwicklung zu schaffen. Als ich mich entschloß, nach Rußland zu gehen, war deshalb nicht zuletzt mein Ziel, einmal an der Quelle zu studieren, wie die Tinge in dßr Wirklichkeit aussehen, wie sich in den Kolonien, diesen geschlossenen jüdischen Siedlungen, diese jüdische Geschlossenheit seejisch, kulturell und religiös auswirkt. Auch hier möchte ich das Ergebnis vorwegnehmen. G c - n a u i n d e in s e l b e n M ä ß e, w i e i ch v o n d e in w irisch a f t l i ch e n W i e d e r a u f b a u w e r k in R u st l a n d im allgemeinen außerordentlich g ü n st i g e, zum Teil geradezu erhebende Eindrücke mitgenommen habe, so n i e d e r d r ü ck e n d i sl der Eindruck gewesen, den ich gewonnen habe, sow e i t e s s i ch u in d a s k u l t u r e l l - r c l i g i ö s e L e b e n handelt. Ich will statt allen theoretischen Erörterungen kurz meine Erlebmsse in den Städten und Kolonien schildern. Ich kam zunächst nach Leningrad, und zwar an einem Freitag. Ich wollte am Abend die große Synagoge, die einzige repräsentative, die Leningrad besitzt, besuchen, und gab der Hofsnung Ausdruck, einen besonders erhebenden Gottesdienst anzutreffen. Man bat mich, meinen Besuch am Freitag abend lieber zu unterlassen und erst am Sonnabend vormittag zu kommen. Man hoffe, bis dahin einen Kantor zur Stelle zu schaffen, heute abend würde ich keinen antrcffen. Ich bin dann ain Sonnabend vormittag in die Synagoge gegangen, einst eine Zierde nicht nur der jüdischen Gemeinde, sondernder Stadt Petersburg. Ich fand dort, in den, großen Raume sich völlig verlierend, ungefähr 40 Menschen vor. Alte Leute und „Batlonim", beschäftigungslose Müßiggänger. Ich traf auch den versprochenen Kantor an, der in hervorragender Weise Liehe Ianuarnummer des „Oieiueindelilattes" f5TOliWERCI-( Kakao Schokolade l Pralinen

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