Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4892693-5739394-5769857--1082-4893700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 3 Nr. 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Lesfing in seiner «Aus einem Vortrag, auf Ansuchen Ü?s Mendelsfolin-Vereins zu Tresdeiz gehalten am ikl. Januar 18-i7) Von Emil Lehinann In Emil Lebmanns (Sriammcltcn wir «inen umlanarctchcu Bortrag übrx «ent zur AXijädrtgrn (Seburtstagsseler aktuell wird. Es ist interessant, das, gerade ln dem Mendelssohn-Beretn er e» sich ,»r Ausgabe gestellt bat, bs ideale Mendelssobn» und Lessing» in lichkelt »mzuseve»., i-chrtfte« linden : Lessiug. der teNingS wieder dieser Bortrag g chatten wurde, 'i e Hl»iiian1t>rt< waktisch« Klr i^. :>i. uorlit November ... „Nathan der Weise" in der uns jetzt! Jfaffmifl ivard von Lessing in der rfeit vom I I77S bis Anfang April 177!) gedichtet. Lessing schrieb den. „Nathan" in fünffüßigen Jamben die er hiermit für daS deutsche Drama feststellte. „Meine Prosa", erklärte er am 1. Dezembi r lTVx dem Bruder bei Uebersendung des Anfangs, „hat mir von jeher mehr, Zeit gekostet, als Berse. Ja, wirst Du sagen, als solch? Verse. Mit (Erlaubnis, ich dachte, sie wären, hiel schlechtes, ivenn sie viel besser wären. — Ramler und Mos;s kannst Du sie wohl weisen, deren Urteil vom Tone des («tanzen im ivobl auch zu wissen begierig wäre. Mendelssohn machte Lessing mehrere Abäitderustgsvorischläge, die er befolgte. Auch an dem unjüdis für die Juden ge,»den schen „Necha", den Lessing statt „Rahel" gewählt, nahm er Anstoß. Ter noch bruchstückweise vorhandene ursprüngliche E ttivurf Dir a statt in Prosa hat die Frauennamen Rahel statt Rech Dajah. Tajah ist arabisch und heißt Ainme. Zwei Vorreden hat Lessing zum „Nathan' beide zuriickgelegt. In der einen erklärt er, der srste ((jiedanke zum „Nathan" stamine aus Boccaccio, nicht jetztfrst habe aus diesem Keim sich der „Nathan" entwickelt. nicht Streitigkeit. . „in welche matt einen Laien, ivie mich, nicht b?s den haaren hätte ziehen sollen. Nathans Besinnung gegen alle positive Relj jeher die meinige gewesen."! Die zweite Vorrede enthält rückhaltlos Lesjinat Glajibens^ bekenntnis, bei aller Lessing eigenen Besche prophetischer Sprache den Schlüssel zum „Nathan", best kreislich ungeschickte Hände schon oft vergeblich anlegt?n. Sie lautet: Vorrede Wenn man sagen wird, dieses Stück lehre, daß von gestern her unter allerlei Volk Leute gegeben, die sich über alle geoffenbarte Religion hiniveggesetzt hätten und doch gute Leute gewesen wären: wenn man Hinzufügei wir ganz sichtbar meine Absicht dahingegangcn sei/ kamen entworfen. :rsl näch der non i't vo es nicht erst daß dergleichen Leute in einem weniger abfcllltulichen Lichte vorzuitcllen, als in welchem der chriftlick)e Pöbel sie gemeiniglich erblickt, so werde ich nicht viel dagegen ein.ßttvcnden haben. Denn Beides kann auch ein^Mensch lebren und zur Absicht haben wollen, der nicht jede geoffenbarte Religion, nicht jede ganz verwirft. Mich als einen solchen zu stellen, bin ich nicht verschlagen genug, doch dreist gcinng. mich als einen solchen nicht zu verstellen . . . „Alle positiven Religionen find gleich ivahr und gleich falsch. Die beste positive Religion ist die, welche die wenigsten conventjonellen Zusätze zur natürlichen Religion enthält und die guten Wirkungen der letzteren am wenigsten ein schränkt." ... Und „Nathan" erschien «Berlin 177!). Bon Sohn». Sein. Titelblatt trägt die Inschrift aus Gellius: lmlroite nain et hie dii sunt — „Tretet ein, denn auch hier sind Götter". Und wo ward „Nathan" zum ersten Male gelesen, gefeiert und gepriesen? Es ist charakteristisch für „Nathan" und für Lessing: In der Loge zu Aschersleben las ('Heim so erzählt Matthison — in der Pfingstwcxße 177!» einige Szenen aus „Nathan". namentlich die Parabel vvn den drei Ufingen vor. „und ergoß über das herrliche Ganze sich in Lobfprüchen, die aus tiefster Wcmiitsfiille strömten". Lesung selbst war 1771 Rosen in Hamburg in den lnd in der Loge zuerst ist er rssing im „zlkathan" gelegt. 177* im „Ernst und in der Loge zu den drei goldener Bund der Freiinaurer getreten, aufgegangen, der -Heim, den Noch mußte er vor 100 Jahren Falk", den Gesprächen über Frestnaurerci. schreiben: „Laßt einen aufgeklärten Iudc n kommen und sich melden! Ja — heißt es — ein Jude? Christ wenigstens muß freilich der Freimaurer sein. Es ist nijir gleichviel, »vas für ein Christ. Lhne Unterschied der Religion, heißt nur ohne Unter schied der drei im heiligen römischen Reiche öffentlich ge duldeten Religionen." Und jetzt? Ja. sie ist aufgegangen, die Saat, die Lesfing gesäet hat im „Nathan", aufgegangen zum Segen der Menschheit, zum Bedauern nur viraruch obscurorum, der Dunkel männer und Menschenfeinde. Gleim schrieb an Lessing am 20. Juli 177!) aus Lauchsladt: Seit drei Wochen sei „Nathan" sein einziger Reisebegleiter, er habe ihn studiert, vorgelesen. r,Bücher genug werden darüber geschrieben iverden. t'iott weiß, von welchen Bücherschreibern. Urteile der Bosbest und der Dummheit hörte ich schon. Zum besten der Menschen / aÖvmdrte DIE VORNEHME ZIGARETTE lakOS rjAiMATz,» sottNC. DctEsoe TUilllUT