Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 2 (2.1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gemeindeblatt derj Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 2 einen Juden, zum schlimmsten einen Christin zu ..' Cb machen, welch ein Verbrechen! Aück baben die Cbrisbm in Dresden, sagt inan, ihn, den 'besten der Menschen, schon landesverwiesen. Nicht übel, denn nun erst wird man ihn schätzen und weiser werden. Die Leipziger Jurißenfakultät hinderte iurch ihr Gutachten das vom Dresdner Konsistorium geplarte Verbot des. „Natban". Der Patriarch aber darr erst seit 1800 iin Dresdner Hoftbeater aurtreten, Goetbe wünschte 1M5, „das; der ..Natban" das deutsche Publikum anr ewige Seiten erinnere, daß cs nicht nur berufen werde zn schauen, sondern auch zn bör<n und zu verncbmen. Möge zugleich das darin ausgesprochene Tuldungsnnd schonnngsgenibl der Nation heilig und wert bleiben." Und zii Eckermann ragte Goetbe: Ein Ma rn wie Ler'sing tut uns not. so kluge, so gebildete Menschen gibt es viele, aber ii'ch irr ein solcher Charakter? Schiller gedenkt 1781 des ..Natt,au", den er GM für die Piibue in Weimar bearbeitete, in solgender Weile: Wie allgemein iß mir seit wenigen Wahrer die Duldung der Religionen und Sitte» geworden? Nathan, der Jude, i:)id Daladin. der Sarazene, beschämten uns und predigten uns die göttliche Lebrc. daß Ergebenbeit in Gojt von unscrm Wäbiien über r'o gar nicht abbängig sei. Males Mendelssobn pries «Morgenstundei licbe Lobgedicht ans die Vorlebung". „Natban" — sagte Mendelssobn. - ..gereicht der Ebrinenbeit zns wabren Ebre. Ans welcher boben Stufe der Ausklärung und ein Volk lieben, in ivclchenr sich ein Mann zn (Besinnungen binansschwingen. zu dieser seinen licticr und menschlicher'Dinge ansbilden kpnnt diinkt mich, inird die Nachwelt so denken messen. Aber r'o dachten ne nickt, die 'Zeitgenossen Lcnings. Am empörendsten spricht sich ein Grmnasialdirektor T roßen in einem Vortrage über Lessings „Na:ban" ans, dem im Jabce 1^77 die Aufnahme in -Volzendorfs Sammlung ge- Nneinnüviger Vorträge ..unverdient zuteil" wgrd (Heft 203». Er tadelt die Perle, noch ärger die Hilden, deinen Nächsten ivie dich selbst - gelte nur br Satz: Liebe für Mitjuden. Keine Neligion entbalte so viel-Vcrsolgungssircht. -Hohn und lllacbe, als die jüdische. Das beweise der S>d: „Äuge um Auge", das - man nannc! — der Psalm 137 ,An den Bächen Babylons", wegen »'eines. Schlußstriches. Eh'istus erst habe gelebrt: Liebet eure Feinde. Darum handle Nathan christlich. Judentum lehrt und dem soviel Sähe, soviel Unwahrbeiten. Das allerdings nickt die -- rein theoretische, praktisch nie nirgends gehandhahte Feindcslicbe: aber es Feinde wohlzutun. Böses mit Gutem zu vergelten. Sprich nickt: Vergeltew will ick Böses! (Tpr. sal. 20. 22.) sprich nickt: Wie er mir tat, will ich ih>y tun. (Ebenda 21. 29.) Wenn dein Feind bnngert, speise ihn mit dürstet, tränke ibn mit Waller: Glühende Kohlen sammelst du ans sein Haupt und C^ott vergilt cs dir.'(Ebenda 23. 21. 22.) Du sollst dich nicht rücken, auch keinen Zorn nachtragen. ,3 B. M. 19. 17.) ^rrt der Lcks deines Feindes umher, zurück. Erliegt der Esel deines Feindes unter seir «2 B. M. 23. 3. 5.) . ) dieses „Herr Bildung müsse dieser'Höbe der Kenntnis gött Wenigstens, gebietet. Brot, wenn er bringe ibn ibm er Last, so hilf. Tie Perle im „Nathan" ist die Parabel von den drei Ringen. Lessing hat sie dem Boccacio entlehnt, aber veredelt. Melchisedek ist ein schlauer Wucheker. sein Ring gibt nur äußere Macht ohne eignes-Verdienst. Wie anders der weise Nathan und sein Ring,,der die Kraft hat, vor Gott und Menschen angenehm zu machen. >ver in dieser Zuversicht ihn trug. Boccaccio ist aber nicht die älteste Quelle der Parabel. Bor ihm (13-18 bis 1358) erzählt sie Busone. der Freund.eines Juden Manuello (1290 bis 1350) im Aventuroso siciliano. von einem Hilden Absalon. Auf zwei Religionen angewandt, findet sie sich schon in den l'entv nOvolle antielre. Tic alt französische Fabel voin echten Ringe (Li ziw don vnu aniel) — 1270 bis 1291 — die Gesta romanorum (Ende des 13. Jahrhunderts) deuten auf die Parabel. Aber sic alle schöpfen aus — jüdischem Quell. - Salomo aben Virga erzählt in seiner jüdischen Chronik „Sckebct Yehuda" vom Jabrc 1110. daß König Don Pedro der Alte (der Zweite, 1196 bis 1213) auf den judenheherischen Ratschlag des weisen Nikolaus von Valencia einen nidischen Weisen Ephraim ben sancho fragte, welche Religion besser sei, die christliche oder die jüdische. Ephraim erwiderte: Meine Religion ist besser für mich, den Gottaus Aegypten wunder bar errettet; deine für dich als Herrscher. Ter König ver langte aber Antwort in Rücksicht aus das Bekenntnis, nicht auf die Bekenner. Ephraim erbat drei Tage Bedenkzeit. Nach deren Ablauf kam er scheinbar verstimmt zum König. Ter fragte ihn nach dem Grunde seiner Verstimmung. Ephraim sprach: Man hat mich grundlos geschmäht, Herr, führe meine sache. Vor vier Wochen verreiste mein Nachbar. Er hinterließ seinen beiden söhnen zwei Edelsteine zum Tröste. Jetzt verlangen die Brüder von mir Auskunft über deren Eigentümlichkeit und Unterschied. Und da ich sie auf ihren Vater verwies, der ja als Juwelier ein großer Kenner der Steine nach Form und Wirkung sei, schmähten und schlugen sie mich. Ter König erklärte das für unrecht und strafbar. Ephraim aber sprach: Mögen deine Tlrren vernehmen, o König, was dein Mund sprach. Auch Esau und Jakob sind Brüder, deren jeder einen Edelstein erhielt. Tu fragst nun, welclier der bessere. Sende einen Boten an den Pater im Himmel, denn das ist der größte Juwelier, und er wird dir den Unterschied angeben. Ta sprach der König zu Nikolaus: siehst du die Klugheit der Juden? Solch ein Weiser verdient Ehre und Geschenk, du Strafe. * Tiefe älteste und Lessings jimgste Bearbeitung der Sage ähneln sich wunderbar in der Tiefe und Innigkeit der Auf fassung: beide kommen darin überein, daß ein Weiser und kein Schlaukopf das herrliche (Gleichnis, die schlagende Abfertigung gibt. Und was der Jude Epbraiin 500 Jahre zuvor weise ge sprachen, hat der Christ Ephraim Lessing zum Gemeingut der gebildeten Welt, der Menschheit gemacht, daraus noch Milli onen und Jahrhunderte Belehrung und Erhebung schöpfen werden. ... Wie die Juden Lessings Wirksamkeit erkennen und verehren, das hat vor länger als neunzig Jahren — 1838 —4 in Zeiten arger Zurücksetzung und schwerer Gleichberechtigungs tärnpfe ihr beredter Anwalt Gabriel Rießer ausgesprochen in „Einige Worte über Lessings Tenkmal, an die Israeliten Teutschlands gerichtet". Es heißt darin: femsprecli'ADlaiieii jedes Systems he Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Zentralen, Haustelephon-Anlagen Vollautomatisc! 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