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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-01-01 · 1 (1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
1 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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«eite 4 Gemeindeblatt der Israel mit deni Judenzeichen behaftet im Ghetto fern von den Christen zu leben, als heutzutage mit und unter ihnen. Ter Gesichtskreis war eben ein beschränkter, die Gegensätze stärker, die Trennung die Regel: kam eine Reibung, so wuchs sie frei lich sofort zu einer 'Verfolgung auf Leben und Tod. Adders heutzutage. Unsre christlichen Mitbürger kommen uns fr, und schaftlich und freundlich entgegen. Wir sind in fortwährender geistiger, gemütlicher, geselliger Verbindung mit ihnen. Wer möchte iw tauschen, wer sich nicht freuen ob dieses glücksichen Wandels der Zeiten? Aber!mit den tagtäglichen Berührungen mehren, sich auch die empfindlichen Reibungen. Hier gilt es nun Klugkieiij und Einsicht lpalten zu lassen. ißt es schon von der frühesten Schulzeit her, velch e der „Jude" im Schimpfwörterbuche spielt, ,„^ude er Gruß, mjt dem Dich SchulkatWraden empfingen n mancherlei Variationen Dich «mf Teinein Lchul leitet hat — auf Teinem Lebensgange begleiten £u eine Ste das war und der gange 'bi wird. Jude .wird er Tir in d«! er hat Tir weder in der Schule geschadet, ir im Leben nachteilig sein.- Er hat nicht gehiifi r Schule die Liebe und Zufriedenheit Teiner lichen Lei »rer zu erwerben und Tir so manchen freund Pl guten Bekannten unter Deinen christlichen Mitschülern winnen. unter denen, die zuerst mitschimpften. Wir haben eben damals nicht alles auf die Goldwagb ge legt. Und als Tu mir zum. erstenmal weinend von der Be sckiimpfurg erzähltest, habe ich Tir gesagt: „Mein Sohn laß sie schimpfen. Tu darfst es Tir zur Ehre rechnen, Jude zu sein, fiihre Dich nur immer danach auf." Wenn jeder so dächte, wenn auch nn bürgerlickzen die Empfindelei abnähme, mit der man jeden solchen schle Witz auf seiten der Juden vermerkt, dann würden wir gesellschaftlich wohler fühlen. Aber euch dieses Uebersehen und Ueberhören eine ilnter Umstände it sehr wichtige gesellschaftliche Tugend — hat seine tischen RetigionSgemeinde Dresden ) Nr. 1 noch dert, christ- und ge- 2je den Den uns Grenze. Wo man die Absichtlichkeit merkt, wo der Jude beschimpft werden soll, wo es nicht bloße Lust am Necken und Aufziehen ist, sondern wirkliche Bosheib und Gehässigkeit: da ist der Jude ein Feigling, der sich ruhig dabei verhielte, der nicht entweder ein scharfes Wort der Zurechtweisung bereithätte oder mindestens sich aus einer solchen Gesellschaft unter Angabe des Grundes entfernte. Nach diesem Grundsätze habe ich den „Fliegenden Blättern", als sie unmittelbar nach dem Kriege die Stirn hatten, einen jüdischen Soldaten, der seinem christlichen Hauptmann das Leben gerettet, eine ordinäre Judenfratze und eine noch weit gemeinere Schachergesinnung in bezug auf das Eiserne Kreuz anzudichten, meine Meinung frei und offen erklärt. Die Lächerlichkeiten einzelner Juden mag man rügen, mit Witz und Spott verfolgen. Aber wo Bosheit und Haß auftauchen, da ist entschiedenes Auftreten unsre Pflicht. Und der rechtsckmfene Christ wird uns das nicht verargen, im Gegenteil, es von uns verlangen. Ich möchte gern mit dem Wunsche schließen, daß Dir Derartiges: die Unterscheidung zwischen leichter, unbeachtet zu lassender Anspielung und böslicher Verletzung sowie die Zurückweisung dieser letzteren erspart bleiben möge — wenn ich nicht voraussehen müßte, daß Tein Geschlecht noch lange nicht die messianische Zeit erleben wird, in der es keinen Glaubensstreit und keinen Glaubenshaß mehr geben wird. - Aber dies beständige Postenstehen, diese vorsichtige Haltung soll Tir die Heiterkeit Teiner Jugend, die Innigkeit Deines Anschlusses an, Freunde und Bekannte, auch an solche christlichen Glaubens, nicht trüben. Prüfe und wähle Deinen Umgang, sei treu und hingebend den-Freunden, heiter mit den Heiteren, nicht Kopfhänger, nicht Schwärmer. Immer aber behalte vor Augen und im Herzen: ich bin ein Jude irnd ich will es bleiben. Ä t r k II 3 S o r r o f a n i ist für kurze Jett in Dresden ,u einem Gastspiel etnaetrosfen. Das Programm hebt wie immer auf der Höbe zirzensischer «anft. Alles Näbere siebe im Inserat. In« Einkauf Heof inuere Sfätkc J i . . . ' i ■! Das beweisen unsere Preise lüitsdruffer Straße - T^essefsdorfer Straße

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