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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1929-01-01 · 1 (1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
5 (1929)
Issue
1 (1.1929)
Date
1929-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 lemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Rr. 1 wird Dir gewiß zuteil werden, jo Tu fortfährst wst bisher, fo SÜttenreinbeit und Wissensdrang Teine Leitsterns bleiben. Aber vor Äugen darf Dir djefes erstrebenswerte Lebensziel auch jetzt schon stehen. Äll Tein Tenken und Tun s<ji derart, das; Tu es weder uns. Deinen Eltern, noch wenn dereinst Dir minder erblühen, diesen zu verbergen brauchst. So wie. Tu möchtest, daß dereinst Teine minder tverden. so fei! Der dritte Segenswunsch: „lemaassim towim" umfaßt das ganze Leben, lein Lebensalter ausschließlich. Wenn auch vor -»ugsweifc der zur Selbständigkeit herangereifte Mensch in der Lage ist. Gutes zu tun. so ist doch schon Deinem j Lebensalter die Möglichkeit hierzu gegeben. Ist doch die! Jugend ohnehin die Zeit der Ideale. Und wer in ihr sich den. edelsten Pflichten der Nächstenliebe entzieht, wer in diesem Hier nur an sich, nicht an die <>sefamtheit denkt, nur für sich, picht für andere lebt, der lvird auch in sein Mannesalter hinein kein Her.; für gute Taten retten. Und diese bestehen nicht bloß, ia nijr zum kleinsten Teile in dem unmittelbaren spenden von <ßeld, weit mehr und wirksamer in der persönlichen Teilnabnie und Fürsorge. in der hingebenden Wirksamkeit für das Ällgemeinc. Selbstverständlich gilt es gerade Zur die überschwengliche Jugend, für solche, denen ich Tick» Deiner ganzest Änlage und Begeisternngsfähigkeit nach zusteuern sehe, auch hierin Maß zu halten. Wie so manche habS» ihren idealen Uebcreifer in frühreifer Teilnahme an öffontlichen Tingtn mit ihrem Ledensglück, niit vernachlässigtem Stu dium. mit vereiteltem Lebenszweck büßen müssen! Aber ein warmes Wort der Teilnahme, eine hilfreiche, weiiii auch immet die eigenen, dem unselbständigen nur mäßig ziinießcn den Mittel berücksichtigende Hand für wahres llngluck, ein treuer Sinn fiir Freundschaft, ein glühendes Herz mir die Ateaie des Judentums: die erwarte, die verbürge ich oo>. Dir. Und hegst Tu ne, dann wird Tein Lebfn eine stcttc!>ein von Maai'sim towim. i Iclj »wir, nicht, wie lange mir Gott das (Hliicf läßt. Deine.' Lebei'hgang zu begleiten, und darum betrachte ich ötju fielt rigen jTag als den. der mir die Pflicht auflegt, Tiü. mein Her-.ehst».-hn, in diesen Worten gewissermatzen mein geistiges Testament zu binterlaffen. Es soll nicht bloß heute, ivnderu auch in 'päteren Tagen noch, wenn ich nicht mehr lebe, Tir est:;>eiftx'n der Erinnerung, in Zweifelsstunden ein Mab'.' *vcn. Tein T'iilritt t'i das Leben als Mensch, als Teutsci z.«»i v 'Uiiiii uus ui? «viiiiiv*/, uiv 1^» u itriicp. Teine derci listige politisctie, gefellschaftlictic urd er. alhürgeciiciis. Stellung macht mir an sich weniger Sorge. Tenn ich wehst und hoffe, daß Tu. begünstigt durch gute Anlagen, bevorztun durch einen -sorgfältigen Unterricht, von Fleiß und W-sie-.^d.ang beieelt, in dem Berufe, der Tir jetzt dunkel lorichlt-ebt und den Tu dereinst nach gewissenhaftes sorg wltiaep Erwägung aller einschlagenden Verhältnisse erhofiblen wirst, Tein Fortkommen findest. Zwar - ich darf ^s Tir nicvl verhehlen - ganz ohne sorge läßt mich auch das nicht. 'Jiur -,U oft habe ich die traurige Wahrnehmung gemacht. wie die besten Pläne der Eltern scheiterten, wie Binder tchitz der sorgfältigsten Erziehung, trotz ja mitunter wegen 7 - der beiten Anlagen mißrieten. Aber diese sorge bängt uninittel bar mir der einen zusammen, mit der! > daß und wie Tu als Jude ins Leben trittst.; Zai tägliche Tischgebet wenn ich es nicht täglich bete, .n'ir ölstti, wie Tu weißt, ein heiliges Gebet —.enthält vor ollem stvei ergreifende Stellen. In dev Mitte: ..laix uns nicht in die Lage kommen. Ewiger unser Gott, der Spenden Fremder oder ihres Tarlehns zu bedürfen, sondern gib Uns aus Deiner Hand, der vollen, der offenen, der heiligen, der bereiten, damit wir nicht befcliämt werden und nicht zuschanden gehen immerdar." Und am Schluß den schöneU Spruch: „Ich ivar jung und bin alt geworden und habe nie gesehen, daß der Rechtschaffene verlassen war und daß es seinen Nach. :ommen an Brot fehlte." Hier gehen Trost und Bitte Hand in Hand. Ist die bür- (lerliAe Selbständigkeit und Unabhängigkeit nach außen bin i-fiic Grundbedingung eines glückliciien Lebens, so ist es nach * innen deren Voraussetzung: Zedokoh. Rechtschaffen - beit. Tie Rechtschaffenheit in der Erziehung, ihr Vorbild tut Hause, im Leben der Eltern, sie ist mehr und ungleich anders zals vergängliäies Geld und Gut, das Erbteil, der Segen, den - die Eltern ihren mindern hinterlassen. llnd diese Recbtsctiafsenheit hat ihre Grundlage in der. R e l i g i 0 s i t ä t. in dem religiösen Sinne. Ich sage nicht: in der Religion, noch weniger in einer bestimmten positiven Religion. Lehrt doch die Erfahrung, daß Männer, welche von der , positiven Religio» nichts wissen wollen, trotzdem wahrhaft >edel sind. Betonen doch schon unsere iveisen Lehrer: Tie edlen MeniclKti aller Völker haben Anteil an der ewigen Glückseligkeit. I Aber wenn auch Religiosität ohne positive Religion mög lich und vorhanden ist — bis jetzt ist sic immer nur eine sehr . vereinzelte Erscheinung geblieben. Und lvenn auch jede positive Religion, namentlich also die unsrex nächsten Umgebung, die christliche, geeignet ist und be zweckt, rechtschaffenen Sinn zu erwecken und zu erhalten: so ist doch meine auf Prüfung und Erfahrung gegründete Ueberzeugung, daß keine Religion hierzu mehr berufen ist als die unsre, die jüdische. Sie ist der Inbegriff der reinsten Sittenlehren und ihrer tatkräftigsten Bewährung zugleich, sie bietet dem Verstände den freiesten Spielraum und dem Herzen die innigste Erguickung: sie gilt fürs Leben, von ihr heißt es nicht: „mein Reich ist nicht von dieser Welt", sondern: „was ne lehrt, »ir nicht fern von Tir, daß Tu es nicht erreickicn könntest." Sie legt Pflichten auf, sie gebietet Liebe, aber sie zwingt nicht zu glaube n. Sie ist eine Religion des Herj zens, nicht der Phantasie; eine Religion des Verstandes, nicht der Abstraktion; eine Religion der Praxis, nicht der. je nach Zeit und Ort, Priestertum und Politik, sich-verschieden ge-*! stattenden Theorie. Sie ist die Religion der Familie, nicht des Staates: die Religion der Gleichberechtigung, nicht der Unterdrückung: die Religion des Volkes, nicht der Priester, .llud Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges V 0 l k" io tönt es heute noch nach Jahrtausenden.! Fern sei es von mir, Dich in den anmaßenden Ton einweihen zu wollen, der mit (Heringschätzung von einer > Schwester-, besser Tochterreligion spricht, die Millionen als; das Zdeal erschienen ist und ersckteint. Fern von mir, die Seg- | nungen zu verkennen, welche das Christentum auf Erden ver-! breitet. Aber das hindert nicht, das Gute, was wir haben, zu preisen, zu vergleichen, als das Bessere anzuerkennen. llnd so komme ich denn zu dem. Rat und der Mahnung, dem Ergebnis eines längeren, nicht ohne Umschau und kritische Prüfung gebliebenen Lebens: sprecfcAnlageni jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühlampen-Zentralert Haustelephon-Anlagen in höchster Vollendung ln Kauf und Miete führen aus Dresdner Piivat-Telelon-Gelelllclian I mu fc» ■. Femspr.-Sammel-Nr. 23631 Dr6Sd6D*A.l Wilsdruffer Strafte 15 Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich - . /

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