Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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T Seite 6 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dre-den von heute. Diese Erscheinungen aber hat es früher in Ausmaße keineswegs gegeben. Es kommt das für die Berufswahl entscheidende oder 18. Lebensjahr. Hier sei weniger von den akad> Berufen -ie Rede, da hier die Schwierigkeiten für der gegenwärtig nicht ganz so akut sind wie in Handel werbp. Wer weiß es noch nicht, daß dem Zungen Handlungsgehilfen von heute ein Leidensweg uin> Judeseins willen beschieden ist, wem ist es noch fre heutkx nicht mehr die Behörden, dafür aber die Grä; -den Religionsvermerk in ihre Fragebogen eingesüg? und jüdischen Bewerbern bei Anerkennung aller Fähigkeiten allzuoft mit dem verbindlichen Ausdruck dauerns begegnen? Gebrandmarkt sei in diesem Zusä Hang, daß sich solche nichtjüdischen Arbeitgeber leider a reiche Beispiele jüdischer Standesgenossen berufen lonfn sich ähnlich Verhalten. Auch das sind bittere Tatsal unfern Eltern und Großeltern fremd gewesen sind. i nö rxd, Nr. 8 solchem 14.. 16 qmischen Juden Ge jüdischen seines daß firmen haben sänstigen >es Bemmenxf zahlen, die n, die äe Sie Sie Wie war i h r Entwicklungsgang in vielen Fällen waren jung in einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwung lebten dabei billiger und waren schon vom ersten Gehst fenjahr an irTder Lage, zu sparen. Anfang der Mitte der zwanziger Jahre gründeten sie Ehe und Hausstand und errichteten mittels der eigenen Ersparnisse und etwaiger Zuwendungen der Frau ein selbständiges Geschäft. Die Gunst der Zeit, zäher Fleiß und Sparsamkeit, ermöglicht durch einen nur geringen Kostenaufwand für die Erfordernisse des Lebens, ließen jährliche Rücklagen zu, die sich langsam, aber stetig in kleinere und mittlere Vermögen wandelten. Mit dieser Gewißheit? konnte der junge Mann bereits anfangen, auf solche Zuversicht konnten die jungen Eheleute ihr Haus, ihre Familie, ihr Glück gründen. Das alles war einmal und sei hier nur qls Vergleichsmoment ohne jede Sentimentalität festgestellt.! Die schwindenden Möglichkeiten einer auf gesunder Basis aufzubauenden Frühehe haben aber das gesamte jüdische Eheproblem und damit, die Existenz des Jrrdentums schwer gefährdet. Tie Schicht jüdischen Reichtums ist dünn geworden. Für den jüdischen Angestellten sind die Wege zur Selbitändigmachung, sei es mit eigenen Ersparnissen, sei es durch Heirat, mehr oder minder verschlossen. Die geringeren Zukuiiftsaussichten aber, verbunden mit einer allseitig fortschreitenden Mechanisierung der Arbeit und schwindenden Berufsfreude, rufen all jene seelischen Gefahren herbei, die mit oberflächlicher Vergnügungssucht beginnen und über Jahre eines gewöhnlich aller inneren Wahrhaftigkeit entbehrenden Seruaüs mus zur Mischehe — dies oft genug bei den Besseren oder zur späten jüdischen „Vernunft", (lies: Zweck- oder Ae rechnungs-) Ehe führen, die ein ewiges Nebeneinander zweier Menschen bedeutet,, ausgefüllt durch Geschäft und Vergnügen. Gewiß sind zahlreiche Beispiele dieser Art auch aus früherer Zeit vorhanden, und der von Kurt Tucholsky geschaffene Wendrinertypus ist mit all seinen Widerwärtigkeiten Lebenswahr gesehen. — \ a&er der innerlich bessere Teil der damaligen Jugend brauchte nicht diesen Weg zu gehen, er hatte die seelischeix und praktischen Voraussetzungen, sich leichter dagegen zu wehren. Er konnte mit Zuversicht auf greifbaren Erfolg arbeiten, brachte ein gediegenes Erbgut jüdischer Tradition mit, vermochte in frühen Lebensjahren sein Haus zu gründen, so daß vieles ihn nicht zu quälen brauchte, was heute Problem des oder der Jugendlichen ist. Dies ist der Notschrei unsrer jungen Männer und Mädchen : W i r s i n d g ez w u n g e n, in der Schule, in der Lehre, am Schreibpult und in den Hörsälen um unsre Existenz als-° Juden zu kämpfen, und dies angesichts eines bei ach so vielen Aelteren mehr und mehr schwindenden indischen Selbstbewußtleins und Gemeinschaftsgefühls. Wir s i n d g e z w u n g e n. um die innere Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit unsrer Beziehungen zueinander, um eine andre, höhere Würde des Menschlichen zu ringen, und dies angesichts einer unwürdigen Kulissenmoral und des Schwindens der letzten Gefühle von Achtung und Würde m den gesellschaftlichen Beziehungen bex ach so vielen Aelteren. Wir sind gezwungen, um zu einem bescheidenen Ziele zu kommen, mit unfern zungen Kräften einen Wirtschaftskampf durchzufechten, wie ihn vorausgegangene Geschlechter nie gekannt haben — und dies mrt den durch unfern Tribut am Kriege gefchwächten körperlichen Kräften, in einer Zeit, deren Methoden uns den Sinn und Inhalt unsrer eigenen Arbeit und damit ein Stück unsrer Seele zu rauben drohen, und die bald nur noch eine Mindestzahl von führenden und eine Vielzahl von dienenden Kräften kepnen wird. Aber diese jugendlickien Notrufer beharren nicht bei Anklage und sind nicht mutlos stehengeblieben. Sie haben selbst die Antwort schon gegeben. Wir klagen und jammern nicht, weder über die Zeit noch über die Zustände. W i r w o l l e n bessern, denn unser ist die Zeit! Wo Zerstörung waltete, da begannen wir aufzubauen, wo Sturz droht, da Gesunde Nahrung Edel «Motu* i Reine Speifeöle, hefefreie Brote u. Gebädce, Nußbuttcr, getrodo nete Früchte, Obßfä tte u. 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