Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gemeindeblatt der Jsra, litischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Kinder jüdische Religion im Hause erleben! Bereitch ihnen frohe Sabbat- und Festesstunden, sorgt für jüdische Lektüre, jüdische Märchen und Erzählungen. Gebt sie ihren zu Ehanukkah! Unsre Kinder hören, in den allgl meinen Schulen, die sie besuchen, nichts vom Judentum, ober wenn sie etivas zu hören bekommen, in sehr vielen Fäll:n nur Nachteiliges, und die Jugendbücher in den Schulun) Leihbibliotheken, die auch jüdischen Kindern zugänglich sind, bilden für unsre Jugend keine geeignete Lektüre im jüdischen Sinne. Tenn diese entnehmen in her Regel ihre Stoffe aus Jdeenkreisen fremder Kulturen und Religionen: sie sä Zweigen völlig von Juden und Judentum oder erwähnen sie vielfach nur, um sie herabzusetzen oder verächtlich zu machen .. Dadurch entsteht die Gefahr, daß im Herzen unsrer Kinder frühzeitig eine Ueberscbätzung des Fremden und eine Unterschätzung des Eigenen Platz greift. Um dieser Gejahr zu begegnen, müssen Schriften geschaffen und unfern » Indern in die .Hand gegeben werden, die unsrer Jugend W« cr und Wesen des Judentums erschließen, ihr von der Erbobenheit seiner Sittenlehre künden, von der Schönheit seiner ‘i räuche. der Poesie seiner Feste berichten, die Glaubensinnigkeit unsrer Ahnen und die Romantik ihres Martyriums schildern. Dabei mußselbstredend gelten: „Für die Jugend ist das Pisste gut genug." Das Fundament der Religion muß von der gelegt werden. Was der Begründer der modernen Pä Herbart, ausgesprochen: „Die Erziehung ist Sache milie, von da geht sie aus und dahin kehrt sie zurück sich völlig mit den Anschauungen der jüdischen Erz Das Beispiel, das Batcr und Mutter den Kindern ist grundlegend für deren ganze Entwicklung. Ter hat einige bezeichnende Aussprüche dafür: „Ter Soy wie der Pater, die Tockter handelt ^wie die Mutter „Tie Ausdrücke des Kindes auf der Straße rühren ei vom Vater oder von der Mutter her". Im alten Jsra wie bei vielen alten Pölkern, die Erziehung der Kinde: lich 'Familienerziehung. Heute übernimmt zwar die einen Teil der jüdischen Erziehung, aber doch beru ganze Kraft nach wie vor im Hause, bleibt die Fami Quell des Lebens. Tie Schule kann nur dann erf wirken, wo die Familie den Grund gelegt hat und während die Tätigkeit, die Arbeit der Schule kräftigst stützt. .Haus und schule müssen stets in engster fettiger Beziehung bleiben. Ihr gemeinsames Ziel: progressive Belehrung und Gewöhnung soll die Juge den Weg Gottes geführt werden, soll sie Einsicht erlai das Rechte und Gute sowie die Willensstärke, an uns ligion festzuhalten. In dieser Hinsicht zur Erreichung Zieles ist ein gründlicher Wandel sehr nötig. Es sich hierbei um eine für unfern religiösen Besta, scheidende Aufgabe. So geht es nicht weiter, daß andre kommt und dann immer noch nicht der jüdisch« gionsunterricht; unser Streben muß vor allem dahin daß diesem Unterricht durchaus die nötige Sorgfalt wendet werde. Leider tragen die Eltern den größte der Schuld an dessen Nichtachtung; durch sie führt Tasein des Aschenbrödels. Sie haben in der Regel ni standen und oft gar nicht versucht, ihren- Kindern machen, daß der Religionsunterricht eine ernst zu nek Angel^enheit ist und für ihre innere und äußere vielleicht wichtiger werden kann als alle Gelehrsamk^i höheren Schulen. Sie haben den Religionslebrer m mühevollen Arbeit wenig oder gar nicht unterstützt: ui bedarf kein Unterricht so sehr der praktischen Teilnahi.il jüdischen Hauses wie die Unterweisung im Väterglau! Aber nicht nur als Gefühls- und Verstandesfach die Schüler unsre Religion kennenlernen: „Sie ist in Munde und in deinem Herzen, uni sie auszuübc ligion will nicht nur erlebt, sondern auch geleht sein. N0W erst n Familie tagogik, per Fadeckt ehung. geben, Talmud i wird oder tweher :l >var, ledigschule Ist ihre lie der islgreich fortunter- .>chsel- Durch id auf >gen m qcr Redieses handelt >d entalles Religehen, zugei Teil?r das ver* karzuinende Zukunft t der seiner d doch e des en. sollen einem Re- Welcher c >t u. Schüler möchte es nicht seinem Helden nachtun? Aller Erlebnisunterricht drängt auf ein Gestalten hin. Aber wie aus der Gesinnung das Handeln erwächst, so formt und gestaltet wiederum das Handeln die Gesinnung und bewahrt sie vor Erstarrung und Verkümmerung. Religion und Leben sind im Judentum wie in keiner andern Religion aufs innigste verbunden, Religion, welche — wie Baeck sagt — bewiesen werden soll durch das Leben, das Leben, welches erfüllt werden soll durch die Religion. Sorgen wir deshalb dafür, daß unfern Schülern Gelegenheiten gewiesen und geschaffen werden, um die im Religionsunterricht gewonnene Gesinnung und Lehre in Schule und Haus zu üben und zu bewähren: eine Aufgabe, für einen auf Wahrhaftigkeit begründeten Religionsunterricht zu schaffen! In diesem Zusammenhänge halte ich es für die Pflicht der Eltern und Lehrer, daß sie den Besuch des Gottesdienstes, in welchem man mit Recht auch ein unerläßliches Hilfsmittel der religiösen Erziehung erblickt, bei den Kindern mit allein Einfluß zu fördern suchen. Unsre heutige religiöse Erziehung bleibt Stückwerk, wenn nicht ganz und gar fruchtlos, falls nicht die feelischen Anregungen und Gemütserhebungen, die der öffentliche Gottesdienst auslöst, ihm tatkräftig zu Hilfe kommt. Die praktische Erfahrung bestätigt es: wo der Zusammenhang mit dem Gotteshaus aufhört, hören die Kindkr auch bald auf, bewußte, starke, treue Juden zu sein. Unr dies der Jugend auch zu ermöglichen, die während des Gemeindegottesdienstes in der Schule weilt, ist es sehr erwünscht und zweckmäßig, für die Jugend besondere Gottesdienste einzurichten, .wie dies viele Gemeinden bereits getan. Im Jugendgottesdienst geschieht alles durch bie' Jugend. Sie lernt dadurch nach und nach größere wichtige Teile unsrer. Liturgie"kennen und wird auch für die Gottesdienste so vor-' bereitet, daß sie später als Erwachsene gerne die Synagoge besuchen wird. Nichts darf versäumt werden, was zur religiösen Erneuerung helfen kann! Haus und Schule. Eltern und Lehrer müssen .Hand in Hand arbeiten! Wir müssen an unfern Kindern unsre jüdische Pflicht erfüllen! Es ist eine heilige Pflicht! Es gebt um unfer'Judentum und unsre Jugend! Allseits durchgcbildete,' seelenoffene Menschen sollen unsre Kinder werden. Tazu gehört auch die Förderung tiefer Gemütskräfte. Ter Sinn 'für das große Geheimnis des Lebens, für das, was an die Wurzeln alles Menschlichen rührt, muß geweckt werden. Taß das Ideal Jier Persönlichkeit auf diese feinsten und tiefsten Kräfte der «eele nicht verzichten kann, ist ohne weiteres klar. Ferner muß es einleuchten, daß ein Mensch mit eiyer Heimat des Herzens, mit innerer Bodenständigkeit auch im Kampfe mit Leben und Schicksal stark sein wird und nicht von jedem Sturm umgeivebt werden kann.-Schafft euern Kindern diese seelische Heimat, und ihr iverdet sie reicher unb stärker machen! — — W einhandlung Weinstuben Tiedemann & Grahl MEHLisi T.BIENERT isi GRIESS - -E. HCFMLHLE