Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 8 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Teil« 8 £>aud und Schule Von lllfred S Allenthalben hört und Lest man von der jütischen Not, von der ungeheuren Krisis, in der sich unser Judentum heute befindet. Das Judentum ist in Gefahr, »arum darf es nicht so weitergehen! Di: Situation der deutschen Judenheit, wie sie sich nach dem Kriege darstellt, ist gekennzeichnet durch die starke Zerklüftung, die durch die scharfe Parteieinstellung hervorgerufen worden ist. Die Mibrzahl der deutschen Juden hat üker die Gegensätzlichkeiten das einigende, uns alle umfass:nde Band des Judentums vergessen, diejenigen, die überhaupt für jüdische Dinze arbeiten, glauben in der Arbeit füi die Parteien ihrem Judentum genug getan zu haben. E n sehr grober Teil d:r deutschen Juden hat sich aus Gleichgültigkeit überhaupt von jeder jüdischen Arbeit abgewandt Die Stunde fordert gebieterisch, daß wir uns endlich Wiede, auf uns und unsre! Mission besinnen! Wir Juden sind eine Schicksalsgemeinschiit und das freudige Bekenntnis zu dieser Gemeinschaft, der Wille, jüdisch zu arbeiten, muß über allem stehen. Einiakeii in unfern Reihen ist bitter not, schon aus dem Grunde ein« zwingende Notwendigkeit, weil das deutsche Judentum untechöhlt wird durch die furchtbaren Untei lassungssünden auf erzieherischem Gebiete — zumeist durch die Entwicklung in >en Elternhäusern, wie durch den stiefi mütterlichst behandelter; Religionsunterricht —, die zur Folg« haben, daß die übergroße Masse der jüdischen Jugend in Unkenntnis der Ueberli, fcrung und ihrer eigenen jüdischen Art heranwächst. Dieser Entwicklung ist mit aller Entschiedenheit entgegenzuarbeiten: i s muß eine test in der Erkenntnis, un) darum auch in der Liebe zum Judentum wurzelnde Generation herangebildet werden. Ihre Erziehung zu bewußten, verantwortungsvoller jüdischen Menschen, erfüllt mit Hirgabe für die Reliair n und mit wahrer Sittlichkeit, ist die Schicksalsfrage der deutschen Judenheit. Soll das Juder tum den Stürmen der Zeit standhalten und wieder neu erstarken, dann mub die jüdische Jugend mit neuem Geiste > rfüllt werden. ..Wer die Jugend hat, hat die Zukunft": in hr liegt unsre Zukun tshoffnung. Wenn wir eine neue!G^reration von Juden säiaffen wollen, denen „jüdisches Selbstbewußtsein" und ..Stolz auf das Judentum" mehr als eine hohle Phrase ist dann nrutz vor allem ein ganz neues Pflichtgefühl, ein ganz neuer schöpferischer Eifer für die jüdische Erziehung uisrer Kinder erwachen. Alle, die ein £ erz haben für „die h ilige Saat" der Zukunft, sollen Mitwirken an der Lösung di:ser Lebensfrage des Judentums. Allen, die es angeht, ru t die nie zu beschwichtigende Stimme dis Gewissens zu: „Tut eure Pflicht an der jüdischen Jugend!" Allen, die es angeht I In erster Reihe wohl den Eltern unsrer Jugend. Zunächst müssen diese bei sich selbst,beginnen und sich selbst einmal mit einem solchen Judentum erfüllen, das so quellend und warm, so lebensvoll und inhaltsreich ist. dab es der Schmückst der jugendlichen Herzen genüg . Sie müssen begrei en. Latz mit Halbheiten, mit Lauheiten und Aeußerlichkeiten nichts getan ist, daß unser Judentum r icht darin bestehen kann, daß wir drei Tagen im Jahre uns zusammenfinden zu stunden religiöser Beschaulichkeit und wehmütiger Einkehr, Für viele nicht einmal das, sondern eine Gelegenheit äußerlicher Konvenienz. Sie müssen vielmehr Ernst machen mit unserm Judentum. Es muß wieder Grundlage ihres Fühlens und ihrer Weltanschauung werqen: es muß wiederkehren die Zeit, ch a e l e r. Gotha! von der man sagt, daß ist allen Fährnissen, in allen Sorgen und Nöten es einen setzen Punkt gab, etwas, woran die Wogen sich brachen, das war das jüdische Haus, die Festgefügtheit seines Familienlebens, die seelische und geistige Harmonie zwischen den einzelnen Gliedern und besonders der Einklang zwischen detzi Alten und dem Jungen. In dem heiligen Frieden des jüdischen Hauses vergaß man den Haß und die Verfolgung draußen, und immer von neuem erwies sich so das Haus als beri Jungbrunnen für die sittliche und seelische Wiedergeburt dös Judentums. — Und heute? Was soll aus solchen Kindern werden, die ohne jedwedes religiöse! Erleben im Elternhause heranwachsen, wenn sie die Rtligion der Väter nur neaatro, nur durch den Judenhaß kenhenlernenl Was bietet* ihnen das Elternhaus zum Ersatz dafür, daß ihnen in der Schule durch den Antisemitismus das Leben verbittert wird? Welche religiösen Freuden, welch religiöses Erleben gewährt ihnen noch das moderne jüdische Elternhaus? Das Weihnachtsfest, den Weihnachtsbaum etwa? Ja, um diese Tinge zu feiern, darum brauchen sie sich dock nicht als Judenkinder schimpfen zu lassen. Das Chanukkahfest und auch das Weihnachtsfesk stehen wieder vor der Tür und wieder wird in vielen jüdischen Häusern der Weihnachtsbaum leuchten, während unser Leuchter, die Menorah,; ohne Licht irgendwo im Dunkeln steht oder auch ganz fehlt. Es ist Zeit, daß dies aufhört, durch das wir uns lächerlich machen. Das Cbanukkahlicht ist ein vollgültiger Ersatz des Weihnachtsbaumes und seiner Freuden. Dieses kleine Lichtlein hat die größten Lichter der Weltgeschichte überdauert: es erzählt von unsrer großen und erhabenen Geschichte^ und Vergangenheit! Mehr Selbstbewußtsein! Deckt euern Kindern keinen Weihnachtstisch, laßt uns vielmehr dafür sorgen, daß in jedem jüdischen Hause die Chanukkahlichter wieder brennen: beschenkt eure Kinder zu Chanukkah, spielt mit ihnen jüdische Spiele, singt unsre Lieder mit ihnen! Denn! auch unsre Kinder sollen sich freuen im Namen Gottes. Laubhüttenfest und Simchath Thora haben uns das erst vor kurzem deutlich genug wieder gepredigt. Begeht unsre' Festtage Pessach, die Sederabende, Purim, den Sabbat, den Freitagabend gebührend und würdig, dann werden sie in jedem Herzen viel größere weihevollere Freude erwecken!' Wenn uns die Jugend nicht berlorengehen soll, dann müssen wir endlich wieder den Schwerpunkt unsers Lebens in das Haus verlegen: wir müssen versuchen, unsre Häuser wieder zu einem Heiligtum zu macken, in' dem jeder Vater zinn Priester wird und jede Mutter zu einer Walterin der heiligen Flamme. Wir müssen die heiligen Weihestunden, die das Judentum in unser Leben trägt, wieder nutzen, müssen begreifen, daß. in ihnen der Jungbrunnen unsrer sittlichen Kräfte liegt. Wie kann sich jemand für eine Sache begeistern, die er nicht kennt, oder für einen Glauben eirjtreten, der ihm in allem fremd ist! Das ist ein wichtiger pädagogischer Grundsatz: Den Kindern vorzulcben, was wir sie lehren! „Bei der Erziehung ist das Beispiel' die Hauptsache, ohne dieses hilft alles - Belehren und Zureden nichts." Die Geschichte lehrt nicht Religion, sie läßt sie erleben. Jean Paul sagt richtig: „Keine Lehre hilft, als im lebendigen Falle." Aus dem Erlebnis/ quillt Leben, fromme Gesinnung, jüdisches Bewußtsein uno religiös-sittliche Tat. Ihr Eltern sorgt also dafür, daß eure FernsprecfrAn lagen jedes Systems Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Talen, Haustelephon-Anlagen ig In Kauf und Miete fahren aus vatfelelon-Gefelllchalt Femspr.-Samtnel-Nr.!5631 DfOSdClHA-l Wilsdruffer Strafte 15 Auskünfte und |ngenieurbesücfie kostenlos und unverbindlich Vollautomatische Glühlampen-Zen in höchster Vollend' Dresdner Pil