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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1928-12-01 · 8 (12.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
4 (1928)
Issue
8 (12.1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Jsra elitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 8 Was die Juden von Chanukkah und von den Ma:kaoäern zu erzählen wußten, ist sehr wenig. Im Talmud n ird darüber folgendes gesagt: „Was bedeutet Chanukkah? Unsre Lehrer haben überliefert: Vom 25. Kislev an sind a hl Tage Chanukkah, an denen man keine Trauerklage erhebt und an denen man nicht fastet. Tenn als die Griechen im > Heiligtum eindrangen, da verunreinigten sie all^ Lei. L ls dann die Macht des Hauses der Hasmonäer stark wurde l nd diese die Griechen besiegten, da suchten sie und fanden nur einen Krug Lel, der mit dem Siegel des Hohen Priesters persehen war. Tarin war aber nur soviel Lel. um damit att einem Tage anzuzünden. Ta 'geschah ein Wunder, und sie zündeten damit acht Tage lang an. Im folgenden Jahre b:stinnnte man diese Tage als Festtage mit Lobliedern miii Tanksagungen." Nicht die Kämpfe und Heldentaten der Hasmonä r stehen im Mittelpunkte dieses Berichts. Tavon wird kcum gesprochen. Tie Fabel von dem Lelkrüglein bildet d:n Kern der talmudischen Erzählung: das Wunder erscheint den Lehrern des Talmuds als der eigentliche Sinn der Geschichte. Darum stellt man den Chanukkahleuchter so auf, daß der G anz der Lichter nach mißen fällt, daß er von draußen gesehi n wird. Ter Sinn des Lichtanzündens ist Verbreitung des Wunders. Das Wunder ist das Zeitlose in der Geschichte Jsrmls. Tas Wunder hat sich in jeder Zeit wiederholt. W r feiern Chanukkah als ein Fest der Freude, weil in den Tugen der Makkabäer das Wunder zur Freude glimmte. Tie Nation hatte einen Sieg errungen, und die Freiheit des V» lkes bot auch Gewähr für den Bestand der Religion. Aber das Wunder hat sich auch in andern Zeiten ereignet. Ta-: Judentum feiert nicht nur Siegesfeste. Es gedenkt auch l cr Tage nationalen Unglücks. Aber auch diese Tage sind Zeugen des .Wunders. Ja. wenn es noch begreiflich erscheint, daß die Not der Nation und Religion Helden weckt, die für ihr Volk in den Tod zu gehen bereit sind, und wenn es elbstverstündlich ist. daß nach einem Siege der Volkskräfte üb:r feindliche Mächte die geistigen Güter des eignen Volkes besonders doch geehrt werden, so ist es fast unbegreiflich, daß euch noch dem Untergange seiner Helden, ja nach Vernichtung der Volkskraft überhaupt, nach dem Tode einer Ulzähligen Menge von Menschen, dennoch das Judentum lebt und die Kraft hat, sich weiterzuentwickeln. Tas ist da > ewige Wunder des Judentums, das die Ewigkeit, die Una ihängigkeit der Ewigkeitsgeltung des Judentums von zeiltihsn Erscheinungen kündet. Tiefes Wunder verkündet der Tag der Erinnerung an die Zerstörung des Tempels nicht minder als der Tag der Erinnerung an des Tempels Weiht. Das Wunder ist schlechterdings nicht zu erklären aus den Erscheinungen der Zeit'; sondern das Umgekehrte ist der? all: die Wirksamkeit des''Wunders erklärt, daß immer wi der der Geist des Judentums Menschen zur rechten Tat bestell hat. Freilich verstehen wir unter dem Wunder nicht das > Wunder des Oelkrügleins. Das Wunder besteht nicht in der! Aushebung der Gesetze der Natur. Vielmehr erblicken wir! das Wunder darin, daß alles 'natürliche Geschehen einem J göttlichen Plane folgt, eine göttliche Absicht der Verwirklichung näher bringt. Wir Menschen können uns diesem Plane nicht entgegenstellen. Unser Ruhm und unsre Freiheit ist es, uns diesem Plane dienstbar einzufügen. „Diener am Lichte zu sein" ist, um dieses Wort Theodor Herzls zu gebrauchen, Israels vorzüglichster Ruhm. Tie Schule Schammais lehrte: Am ersten Tage zünde man acht Lichter an, dann zünde man an jedem weiteren Tage je ein Licht weniger'an. Tie Schule Hillels lehrte: Am ersten Tage zünde man ein Licht an. dann füge man an jedem weiteren Tage je ein neues Licht hinzu. Tas Judentum hat in der Praxis gemäß der Ansicht der Schule Hillels entschieden, entsprechend dem Grundsatz: Mail steigt im Heiligen hinauf und nicht hinunter. An das Wunder vermag nur zu glauben, wer von dem ewigen Fortschreiten des Heiligen in der Welt durchdrungen ist. Der Glaube an das.Werden des Guten ist notwendig, wenn wir uns in seinen Dienst stellen wollen. Es ist verständlich, daß mitunter die Menschen verzweifeln am Fortschritt der Welt. Die Schule Schammais war beeinflußt von dem herben strengen Geiste Schammais. Wer streng und hart ist, der oerinag oft nicht das Gute zu sehest. Strenge macht uns scharfsichtig für alles Ueble und blind für das Gute. Nur der milde ungütige Mensch, der wie Hillel liebevoll ist zu den Merlschen, vermag deren Schwächen zu verstehen und zu verzeihen, und er kann' darum mit ganzem Herzen an den Sieg des Guten glauben. Es ist ein Merkzeichen für ätzest Geist des Judentums, daß es in der Mehrzahl der Fälle sich der Entscheidung Hillels und seiner Schule angeschlossen hat? Tie aufsteigende Zahl der Lichter am Chanukkahleuchter ist Ausdruck des jüdischen Glaubens an den Fortschritt in der Welt. Wenn in unsern Häusern am Feste die Lichter erstrahlen, dann mögen sie auch uns erzählen von dem eivigeii Wunder des Judentums, mögen uns künden von dem Fortschreiten des Guten, vom Sieg des Heiligen. Und sie mögen uns mahnen, daß auch wir sein sollen: Diener am Lichte, Tiener des ewigen göttlichen Wunders. ^SCHOKOLADE - PRALINEN KAKAO cQamane DIE VORNEHME ZIGARETTE : i 'i

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