Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 , / Semeindeblatt der Israelitischen ReliglonSgemeinde Dresden Nr. 5 geleistet hat. so kann Montagen: sie verfolgte, ind^m sie sich gegen Auswüchse einzelner Institute wandte, ein« gesunde Bankpolitik. Sie arbeitete mit — und dies blieb Sie für sie charakteristische Note — an der Gründung der seinjerzeitigen deutschen Volkspartei: sie beeinflußte sehr stark die öffentliche Meinung Frankreichs und dies trat besonders stark vor und nack» dem 70er Krieg zutage. 1871 zog Sonnemann in den Reichstag ein. Es fehlte Sem aufblühenden Blatts nicht an Preßprozesien, und wenn man nur denjenigen nsit Bis' m a r cf erwähnt, den ersten, wo er den schweren, jckoch nicht bewiesenen Borwurf gegen die Zeitung erhoben hatre, daß sie mit Frankreich konspiriere, so hat man schon den Mann genannt, dessen Bekämpfung, wo es nur ging, Zeit seines Lebens eine der wesentlichsten Tendenzen der Frankfurter Zeitung gebildet bat. Tie dann folgenden Jahrzehnte, in denen mit dem Aufblühen der Künste auch das Feuilleton Ser Zeitung einen bedeutenden Aufschwung erfuhr, führen uns immer näher an Eigenerlebtes heran. Man kann wohl sagen, daß die Frankfurter Zeitung an keinem Ereignis der deutschen Geschichte, mochte es auch nur innerpolitisch sein! und auf kulturellem, wirtschaftlichem oder sonst einem Gebiete liegen, kritiklos vorübergegangen ist: wir wollen nur, weil uns das hier am nächsten liegt, die antisemitische Bewegung nach 1800 berausgreiien, bei zvelch letzterer allerdings auch gegen die zionistische Bewegung Stellung genommen wurde, und zwar deshalb^ ..weil mit ihr die Utopie des jüdischen Nationalstaates verbunden sei, die die Humanitären jüdischen Aysiedelungsbestrebungen hemmte und lediglich dem Rvstenanti- 'einitismus eine neue Stütze gab", hieß es damals in der Frankfurter Zeitung.! Sonne manns Werk, kann man zusammenfastend sagen, ist die Synthese von Opposition«- und Nachruhtenblatt, ivomit bewiesen ist, daß beides durchaus nichts Unvereinbares bildet. Hatte die politische Presse ursprünglich keinen Handelsteil, so hat er aus einem bescheidenen Handelsplatt eine weltbeherrschende politische Zeitung gemacht. Krastkheit ließ ibn leider an der Feier des 50jährigen Bestehens seines Werkes 1906 nicht teilnehmen, drei Jahre später starh er. Sein Vermächtnis, abgesehen von der sozialen Fürsorge * für 'eine Mitarbeiter, bestand darin, daß er die bisherige Halsung fortgesetzt wissen wollte mit deii Worten: „Politisch freiheitlich, in sozialer Hinsicht jederzeit gerecht und reformfreundlich, immer zur Unterstützung des wirtschaftlich Lchwachris geneigt" — sind das nicht zum Teil die gleichen Gedankeü, wie sie unire Logenidee verkörpert? Absichtlich wurde hier etwas ausführlich vom Lkbenswerk eines Mannes erzählt, der in Wahrheit den Besten stiner Zeit genug getan und es daher verdient hat, daß die Welt, zumal bei solcher Gelegenheit, wieder einmal von ihm erfahre. Wer weiß heule noch so recht etwas von Sonnemann — aber wer kennt nickt die Männer, die es in wenigen Dezennien zu einer in Deutschland beispiellosen Popularität gebracht haben, und die cs nun zu betrachten gilt, wenn wir uns dem unvermeidlichen -Berlin zuwenden: Rudolf Masse und Leopold Ullstein? Jener — und das kennzeichnet die Verschiedenartigkeit der Persönlichkeiten ündzugleich der Epochen, die sie vertreten — war, obwohl von Haute Realpolitiker, auf vielen Gebieten öffentlicher Betätigung, in die ihn der Strom der Zeit hineindrängte, ein warmherziger Idealist: mit Masse, möchte ich sagen, begann die Industrialisierung de s^Zei tu n g s we fen s, die dann durch Ullstein und seine Lahne ihre wenigstens vorläufige Krönimg, ihren Höhepunkt erfcchren hat. Rudolf Mosie stammt aus Posen und war der Sohn eines Arztes. Er lernte im.Buchhandel, kam zum Verlag des Kladderadatsch und wurde Geschäftsführer einer neuen Zeitung Der Telegraf- Doch waren das nur Borstufey und erst die nächste Stellung wurde für chn entscheidend. Er befand sich in Leipzig beim Verlag der Gartenlaube und unternahm den Versuche ihr einen Anzeigenteil beizugeben. Was das heißt, zeigt ein Blick auf den damaligen Stand der Presse, die einen einheitlichen, wirksam ausgebauten Annoncenteil, der heute der Lebensnerv jeder, auch der kleinsten Leitung ist, nicht kannte. Auf diesem Gebiete ist Masse bahnbrechend geworden. so daß man ihn in gewissem Sinne als den Vater der modernen Zeitungsreklame bezeichnen kann. 1867 macht der erst Treiundzwanzigjährige sich selbständig: er begründet in der Friedrich-, Eck Leipziger Straße als etwas ganz Neues eine Annoncenexpedition, deren grundlegender Gedanke, ähnlich dem des Warenprinzips, die Zentralisation ist, d. h. die Möglichkeit, Annoncen durch einmalige Aufgabe bei ein und derselben Stelle in die verschiedensten Leitungen zu bringen. Das bedeutete nicht nur Zeit-, sondern auch Geldersparnis, abgesehen davon, daß Masse kaufmännisch weitblickend genug war, seinen Kunden, die chm alsbalö in Menge zuströmten, Rabattvergünstigungen infolge der auf diese Weise entstehenden größeren Aufträge zu gewähren. Er selbst sicherte sein Unternehmen dadurch, daß er nach und nach kür sehr viele Blätter, namentlich illustrierte, die alleinige Vermittlung dieser Anzeigenausträge übernahm, auch schuf er, um dies gleich vorwegzunehmen, ein für den Jnseraten-! aufgeber sehr wichtiges technisches Hilfsmittel in dem soge-! nannten Zeilenmesser, der es zum ersten Male ermög-! lichte, den Preis des Inserats, der bis dahin oft ein recht will-! kürlicher war, ganz genau im voraus zu berechnen. Aber obwohl das Geschäft blühte, dem schon ein Jahr später die erste Filiale in München angegliedert wurde, drängte es Rudolf Mostes rastlosen Geist vorwärts, über das bloße Jnseratengeschäft hinaus. Und kaum war der Krieg zu Ende, so gründete Moste in fester Zuversicht auf das wirtschaftliche Aufblühen Deutschlands, das denn auch bekanntlich eingetreten ist, das Berliner Tageblatt. Das Programm zeigte, was sich hinter der Idee, die sich immer mehr als eine äußerst glückhafte erwies, verbarg: ein Berliner Lokalblatt zu schaffen, fortschrittlich und zugleich, da Berlin Mittelpunkt zu werden begann, weltstädtisch redigiert. „Für die zivilisierte Welt schreibt, wer für Berlin schreibt", heißt es wörtlich. Wie selbstverständlich und darum wie komisch nmtet uns solcher Aufruf heute an! Tenn heute wissen wir, was aus dem Lokalblatt, Mostes zweitem großen Unternehme» neben dem Annoncenbureau, geworden ist: ein in der ganzen Welt verbreitetes, politisch auch sehr stark ins Ausland wirkendes Organ, das in Berlin etwa nur die Hälfte seiner *4 Million Leser hat, die andre Hälfte außerhalb. Freilich hat es zu allen Zeiten und besonders nach dem letzten Kriege, als die Leidenschaften in ihrem Grunde aufgewühlt waren, offne Gegner — zeitweilig sogar in unsern eignen Reihen - des Tageblattes gegeben. Der Verlag Moste war klug genug, von dieser böses Blut machenden Richtung im wesentlichen wieder abzugehen, wie er es überhaupt glänzend verstanden hat, seinen Leserkreis dadurch zu erhalten und, wo es ging, zu steigern, daß man Inhalt und Ausstattung des Blattes — denken wir nur an die einzelnen Beilagen, an die ziemlich frühe Einführung des Tiefdruckverfahrens usw. — dem mondänen Geschmack namentlich der Berliner Leserinnen auf den verschiedensten Gebieten, wie Mode, Sport, Kunst, anpaßte. Ich sprach von der Industrialisierung des Zeitungswesens durch Masse und meine damit, um es mit einem geläufigeren Fremdwort zu verdeutschen, eine Art Vertrustung ein Vorgang, der natürlich nur in einer .Weltstadt möglich ist und dort — nicht allenthalben zum Segen der Kunst - sich auch im Theaterwesen eingebürgert hat. So wurden andre Zeitungen von Moste gegründet oder schon bestehende seinem Unternehmen angegliedert, wurden Fachzeitschriften oder solche bestimmten Charakters (wie die ehemalige Allge- I MAX TRIPS, mWü-uEfi ALBIN WÄUEß | DRESDEN.N., KÖNIQSDBüCKEß STRASSE 50 Künstlerische Wolinunsseinricflitungen in allen Preislagen BESICHTIGUNG ERBETEN! GRÖSSTES HAUS AM PLATZE