Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4892693-5739357-5769843--0932-4893555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 5_ tAemeindebjatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden___Seite 9 Aüdifche Jeitungsgründer^ Von Tr. Richard E l b. Dresden Wir kennen alle das antisemitische Schlagwort von der „Derjudung der Presse", aber wir kennen auch die einzige richtig« Antwort, die es darauf gibt und die in dem zahlenmäßig-statistischen Nachweis beruht, wie viele oder vielmehr ivie wenige Blätter sich eigentlich in jüdischen -Händen befinden bzw. von jüdischen Begründern stammen und in sozus.igen jüdischem Geiste geleitet werden. Nun muß man allerdings hier hinzufügen, daß gerade im vorliegenden Falle sehr ivesentlich die Qualität der in Frage kommenden Zeitungen mitspricht, mit airdern Worten: es ist kein Zufall. Laß diese wenigen „jüdischen" Blätter die geistig höchststehenden und zugleich die verbreitetsten sind. Die Erkenntnis dessen sowohl als auch der im guten Sinne jüdischen Eigenschaften, die dem zugrunde liegen (wie rasche Auffassungsgabe — Intelligenz, Unternehmungsgeist — Energie u. a. m.), hat zweifellos jenes Maß von Neid, Mißgunst und Verleumdung erzeugt, das ja im großen und ganzen überhaupt die Wurzel des Antisemitismus ist. Aber noch ein anderes fei vorausgeschickt, nämlich daß es üch hier nicht darum handeln soll, abznwägen, weläzem Blatt ivir als Juden den Vorzug zu geben haben, ob z. B. dem Berliner Tageblatt oder der auch viel von Juden gelesen:» Voisischen Zeitung. Dies ist zumeist eine Sackze der ^Wohnung. Hier geht es nur um die großen Gesichtspunkte, die »ns klar machen sollen, was die betreffenden jüdischen Männer, aus dem Gebiete des Zeitungswesens Großes geleistet und zu dauerndem Bestehen hinterlassen haben. Hierzu ist^es nötig, als ein drittes die die Entwicklung der Presse in den letzten 100 bis 200 Jahren, seit es überhaupt eine Zeitung etwa im heutigen Sinne gibt, zu streifen. Uriprünglich diente sie nur' der Nachrichtenvermittlung iind erfüllte diese Aufgabe so schnell oder vielmehr so langsam, wie es eben in einer Zeit, die weder Dampf noch Gas oder gar Elektrizität kannte, möglich war.. Bereits unsre Klassiker aber unterhielten Blätter mit ausgesprochen gelehrter Tendenz lind dieser huldigte von jeher die schon erwähnte „Tante Boß", die seit 1704 erscheinend, noch heute den bekannten Untertitel führt: „Von Staats- und gelehrten Sachen". Als aber dann Deutschland, abgesehen von der Kleinstaaterei, in jenes Parteiwesen zerfiel, wie wir es ähnlich und vielleicht arger heute noch besitzen, wurden die Zeitungen mehr und mehr in den Dienst einer bestimmten Partei gestellt, zu deren Sprachrohr in polnischen und anderen Dingen sie sich machten. Es ivar im Jahre 1856. Bvrlin, damals eine Stadt von noch nicht «iner halben Million Eimvohner, hatte noch nicht die ihm heute eigfne Vormachtstellung als sozusagen deutsches Kulturzentrum. Eine um so größere Rolle spielte damals Frankfurt, und wir müssen uns einerseits vergegenwärtigen, welcher politische Druck die Gemüter erregend n?ch 18 auf Deutschland lastete und wie anderseits gerade Frankfurt. durch seine viel zentralere Lage begünstigt, der natürliche Schauplatz großer politischer Ereignisse und ebenso eines 1>edeutenden Börsenhandels geworden war. Nicht umsonst gediehen hier die Rothschilds, nirgends anders hin zu denken ' Von den Verlagsfirmen ist dem Verfaffer dieses Aufsatzes freundlichst entsprechendes Material zur Verfügung gestellt worden. als nach Frankfurt, wo die Börse damals noch der umfassendste und maßgebendste unter den deutschen Märkten für Staatsanleihen und ähnliche Fonds lvar. Hier lebteseit mehreren Jahren im Genuß der Bürgerrechte Leopold Sonneni a n ii, dessen Herkunft an diejenige Albert Ballinp erinnert. Er war noch nicht 22 Jahre alt, als er Vater und Mutter verlor und das väterliäie Großhandelsgesckiäft, das auch Beziehungen zu Amerika unterhielt (was damals eine große Sache war), allein zu führen hatte. Er wandelte es bald in ein Bankgesckiäft um und große Erfolge waren dein Unternehmen, das seine Fäden überall hin spann, beschieden. Aber in Sounemann lebte auch eine kräftige politische Ader. Sie war es, die ihn bald dem Journalismus zuführtß. Reichten doch seine Kindheitseriunerungen in dis Zeit zurück, da in Bayern das Ministerium Abel die Protestanten maßregelte und einen Teil der jüdischen Bevölkerung aus dem Lande trieb. Seine Eindrücke als Jüngling empfing er ivährcnd der Tagung des Frankfurter Parlaments, und die Gebrechen der Folgezeit konnten seinem Scharfblick nicht entgehen. Er bekam sie insofern selbst zu spüren, als er nach seiner Schilderung aus einer Reise von Bremen nach Frankfurt über Minden—Köln gar übel unter den damals üblichen Praktiken des Paßzivanges zu leiden hatte. Diese an sich unscheinbare Begebenheit war für seinen Lebensweg entscheidend, die erwähnte Schilderung sein erster journalistischer Versuch. Er schrieb dann noch über verschiedenes, das ihm einer ösfentlichen Besprechung wert erschien — aber allem wurde Ablehnung zuteil. So fühlte er, daß hier eine Lücke in der Tagespresse bestand, an deren Ausfüllung mitzuw'irken er sich für berufen hielt. Ein andrer Bankier namens Rosenthal gab damals für feine Kundschaft einen „Geschäftsbericht" heraus, den er bei dem gesteigerten Interesse des Frankfurter Publikums siir den Börsenverkehr in ein Handelsblatt umzmvandeln wünschte. Er trat an Sonnenrann heran und dieser, der zunächst gar nicht daran dachte, ein über einen bestimniten Rahmen hinausgehendes Blatt zu schaffen, willigte mit Freuden ein. Ter Umfang war zunächst vier Seiten, der Inhalt des neuen Blattes bestand aus Winken für Kauf und Verkauf, später kamen Depeschen hinzu: vorherrschendes Zeichen des Blattes war Kritik. Das Blatt fand solchen Beifall, daß die Herausgeber sich schon nach ein paar Wochen entschlossen, ihm eine mehr zeitgemäße Forni zu geben und es F r a n k f u r t e r H a n 0 e l s z e i t u n g zu nennen. Run wurde eine Rubrik „telegraphischer Kursbericht" hinzugefügt, wurde eine Einladung zum Abonnement erlassen, wurde ein Feuilleton in Form einer Sonntagsbeilage geschaffen.. Schon 187,9 konnte das Blatt, das inzwischen zweimal täglich erschien, in „Neue Frankfurter Zeitung — Frankfurter H a n de l sze i t u n g" umgetauft iverden und sein dreimaliges Erscheinen, wirklich etivas Epochemachendes, ankllndigen. Erst 66, nach noch mancherlei Zwischenfällen, bat das Blatt seinen heutigen Titel „F r a n k f u r t e r Z e i t u n g und H a n d e l s b l a t t" erhalten, das nun ausschließliches Eigentum von Leopold Sonnemann war, der am Kopf der Nummern als Herausgeber genannt wird. Will man kurz skizzieren. was die Frankfurter Zeitung in jenen Zeitläufen, da sie selbst noch auf sckstvachen Füßen stand, FerasprecfrAnianen jedes Systems Vollautomatische Anlagen, Reihenschaltungs-Anlagen Glühlampen-£entra!en. Haustelephon-Anlagen ln höchster Vollendung in Kauf und Miete fahren aus Dresdner Prlval-Telelon-Gelelllchan Femspr.-Sammel-Nr.25631 Df0SÖ8D*JLI Wilsdruffer Straße!5 Auskünfte und Ingenieurbesuche kostenlos und unverbindlich