Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 5 (9.1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 5 Seite 8 Der Einzug des Hohenpriesters in den Tempel vor dem Bersöhnungstog und sein Auszug aus dem Tempel nach Lchluh des Gottesdienstes Lieben Tage vor dem Versöhniingstage ivnrdeir in, der ■l'djanfiing des Hohenpriesters mehrere Ltiihle bcreitgestcllt, und junir 1. für den Vorsitzenden -es hohen Gerichts. 2. fiir den Naffi (Fürsten). 3. für den völlig, t. fiir den Hohen- Priester und 5. für dessen Stellvertreter. Außerdem ivurden noch siebzig Sessel gestellt fiir die siebzig Mitglieder des hohen Gerichtshofes. Ter älteste der Priester stand ans und hielt an de» Hohenpriester eine ernst ermahnende Anrede. „Erwäge ivohl." sprach >er zu ihm. „vo.r wen du hiutrittst, und das; der geringste Verstoß in der Ausfübruug des Ticustes dich per- >u,l»'örtlich macht und die Versöhnung des Volkes be-, ümrächtigt, denke aber auch daijan, daß die Blicke von ganz F'racl auf dich gerichtet sind. Ilittersuche also deinen Wandel, ob er stets lauter war, denn aifch die kleinste Sünde wiegt . " viele gute Tate» auf. Tc>» Allwisieudeu allein ist iolcher Fehler bekannt. Untersuche auchj den Wandel deiner priesteriuiH'u- Amtsbrüder und bessere!üe. Erwäge ferner, daß du .eor dem König aller Könige eifckseinst, der auf dem Richtcr- ’uihlc sitzt und mit seinem Blick!den Lasterhaften verschmäht. »>ie darfst du dich ihm also zu Hähern wagen, wenn dich der Feind, die Unlauterkeit, begleitet?" Hieraus erwiderte ihm der Hohepriester, daß er seinen Wandel bereits untersucht und wegen alles dessen, worin ]er gefehlt, aufrichtige Buße getan habe; auch habe er bereits feine Amtsbrüder in dem Vorhof des Tempels versammelt und sie dort bei Gott be- 'chworen, daß jeder sowohl seine eigenen Zünden als auch die »einer Amtsgenosscn bekenne, sind daß er ihnen für jedes Vergeben sine angemessene Bußübung vorschreiben wolle. — Auch der König sagte ihm viel Verbindliches und versicherte ilm seiner Gunst, wenn er glücklich das Allerheiligste verlassen eerde.! Hierauf wurde öffentlich iausgerufe», daß der Hohe- .'liester im Begriff sei, ein Zimmer im Tempel zu beziehen, b'orauf sich das Volk versamn eite, um ihn zu begleiten, hierbei wurde folgende Ordnung beobachtet: Voran gingen dem Königshause Israel abvom Königsgeschlechte Tavid diejenigen, die ihre Abkunft von leiteten, dann diejenigen, welche il'stammtcn, vor ihnen wurde ahsgerufcn: „Huldigt der Re- :erung des .Hauses Tavid!" Ihnen folgten die Leviten, in uiseidenen Gewändern an scchsunddrcißigtausend Personen, or diesen rief man aus: „Beweiset Ehrfurcht dem Hause Lcvi!" Auf diese folgten vicrundzwanzigtausend Priester in »>eißseidenen Gewändern, hintef ihnen gingen die Säuger, dann die Musikanten, dann die Tubenbläser, daun die Torschlicßer, dann die Räucherwerkvcrfertiger, daun die Vorhangweber. daun ein Trupp Kartophelos'. dann die bei den'Tempclbauten Beseitigten, dann die Siebzig des hoben Gerichtshofes, dann hundert Zugordner mit silbernen Stäben; schließlich kam der Hohepriester und hinter ihm paariveisc die ältesten Priester. An jeder Straßenecke begrüßten ihn Häupter der Hochschulen und riefen ihm zu: „Bete zu unserem Schöpfer, daß er uns ferner erhalte, damit wir dem Studium feiner Lehre leben können." Wenn der «Zug endlich am Eingang des Tempels angelangt war, wurde ein Gebet für den König, das. Haus Tavid, fiir die Priester und dann für den Tempel gesprochen, wobei die zablreiclse Menge ein so lautes Amen rief, daß die Vögel aus der Luft zur Erde stürzten. Alsdann verneigte sich der Hohepriester gegen das Volk,- trennte sich weinend und voll Ehrerbietung von ihm und wurde von zivei Assistenten in sein Zimmer geführt und von den übrfgen Priestern abgesondert. Beim Zuge ans dem Tempel war die Pracht noch größer, hier zog nämlich die ganze Volksmenge Jerusalems iveiß gekleidet vor dem Hohenpriester her. Alle Fenster waren erleuchtet und mit bunte» Teppichen bedangen, und oft war es der Fall, daß der Hohepriester, wegen der großen Volksmenge und des starken Gedränges vor Mitternacht feine Wohnung nicht erreichen konnte. Tenn obgleich alles eilte, ging niemand nach -Hause, bevor er nicht des Hohenpriesters Hand gefaßt hatte. Ten folgenden Tag, der wegen der glücklicksen Zurückkirnft des Hohenpriesters aus dem Allcrhciligsten als Feiertag betrachtet wurde, veranstaltete dieser ein großes Feit, zu welchem er feine Verwandte» und Freunde einlud. Alsdann ließ er eine goldene Tafel verfertigen und darauf eingraben: „Ich. . ., Hoherpriester, Sobn des Priesters . . . habe des Hohenpriesteramts in dem großen und heiligen -Hause im Tieuste (Lottes, dessen Herrlichkeit dort gegenwärtig ist. im Jahre . . . gewaltet. Mögen meine Kinder, wie ich. das Glück genieße», ihr Priesteramt dem Herrn zu Ehren zu bekleiden." ««schrieb»» von einem Augenzeugen, dem tronsul Mariu« Anniu«. g» Ueberjetzung mi»,«teilt in »Machsor «ersöhnungbtag, hcrauggegeben von I Berlin. Hannover 3397 (1837)*. 1 Rach Sachs Beitr 1. S. 77 .Aktenträger". Rach anderer Ansicht .Korbiräger*. fSTOü=WERCH( ' Kakao Schokolade i Pralinen.